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Tourismus ohne CO2-Emissionen

Madrono Cabrestante auf dem internationalen Workshop „Erneuerbare Energien und Biosphärenreservate“ vom 11. bis 13. September im Biosphärenreservat Bliesgau, Saarland.

Madrono Cabrestante ist seit zwei Jahren Koordinator des Biosphärenreservats Palawan auf den Philippinen. Zudem koordiniert er derzeit das „zero carbon resort project“ („Null-Emissionen-Hotels“), das von der Europäischen Union im Rahmen ihres Programms „Switch Asia“ gefördert und von der Gruppe „Angepasste Technologie“ der Universität Wien mit vielen lokalen Partnern umgesetzt wird. Cabrestante wurde auf der philippinischen Insel Palawan auch geboren.

Deutsche UNESCO-Kommission: Was macht das Biosphärenreservat Palawan besonders?

Madrono Cabrestante, © DUK

Madrono Cabrestante: Palawan ist ein philippinischer Archipel mit über 1700 Inseln – die Philippinen insgesamt haben über 7.100 Inseln. In Palawan gibt es 11 Arten der insgesamt 12 Waldarten der Philippinen. Palawan hat viele natürliche Ökosysteme von hohem Wert und hoher Biodiversität. Es bietet auch spektakuläre Karstformationen, darunter der National Park Puerto Princesa Subterranean River (oder „der unterirdische Fluss“), der es bei einer Wahl in die Gruppe der „Neuen 7 Naturwunder“ weltweit geschafft hat. Einige unserer ersten touristischen Destinationen wurden von japanischen Unternehmen entwickelt, die sehr wohlhabende Touristen ins Land brachten. Heute ist Palawan auf der ganzen Welt als touristisches Highlight anerkannt. Gleichzeitig stehen unsere Inseln im Mittelpunkt politischer Debatten: Wir grenzen an die Westliche Philippinische See oder, wie andere es nennen, das Südchinesische Meer, mit seinen bedeutenden natürlichen Ressourcen von Öl und Erdgas an der Küste und im offenen Meer.

Heute arbeiten Sie hauptsächlich am Projekt „zero carbon resort“. Woher kommt die Idee für dieses Projekt und was sind seine wichtigsten Erfolge?

Unser Büro ist seit vielen Jahren in Kontakt mit der Europäischen Union. Wir haben bereits in den 1980er Jahren viele von der EU geförderte Projekte umgesetzt, zum Beispiel in der Forstwirtschaft. Nun wollten wir zusammen mit der EU die Auswirkungen der zunehmenden Touristenzahlen auf unseren Inseln in Angriff nehmen, beziehungsweise, wie wir gleichzeitig den Tourismus steuern und den Klimaschutz stärken können. Wir haben festgestellt, dass die EU bereits in einigen CO2-Reduzierungsprojekten aktiv ist. Zufälligerweise hat zeitgleich eine Forschergruppe aus Wien von der EU Mittel für eine solche Initiative erhalten: Daher haben wir uns mit ihnen vernetzt und arbeiten heute zusammen. Unsere Projektpartner vor Ort sind wichtige Tourismusbetriebe auf der Insel in bestimmten Schwerpunktgebieten im Norden von Palawan, wie Coron, El Nido, San Vicente und Puerto Princesa. Wir kooperieren mit Tourismusbetrieben, die sich zu den so genannten „3R-Prinzipien“ bekennen. Das bedeutet: Reduzierung des Energieverbrauchs, des Wasserverbrauchs und der Emissionen; Ersatz (Englisch: Replacement) alter Technologien und darüber hinaus Redesign der Betreibe mit Ziel der Energie- und Ressourceneffizienz. Wir haben die wichtigsten Betriebe identifiziert, um mindestens eine der 3R-Prinzipien umzusetzen. Mehr als 320 Betriebe arbeiten mit uns in diesem Programm zusammen.
 
Was trägt Ihr Biosphärenreservats-Team konkret bei?

Wir arbeiten mit den Tourismusbetrieben ich einer ersten Bestandsaufnahme ihres Verbrauchs an Energie, Wasser und anderen Ressourcen zusammen. Wir geben Empfehlungen, wie sie ihren Konsum reduzieren können und wie sie Technologien ersetzen können. Die Bestandsaufnahmen werden von uns derzeit kostenlos durchgeführt, denn für uns ist es wichtiger, dass die Betriebe unsere Empfehlungen wirklich umsetzen.

Welche Anreize bieten Sie den Hotels?

2015 haben wir die leistungsstärksten Betriebe identifiziert. Anhand ihres Beispiels haben wir für die ganze Insel Kriterien gut funktionierender Betriebe definiert. Wir verwenden diese Kriterien für eine neue Form der Auszeichnung.

Im Moment ist die Umsetzung von empfohlenen Maßnahmen durch die Betriebe nämlich völlig freiwillig, weil wir bisher keine spezifischen Vorgaben der Regierung haben. Deshalb müssen wir ein Anreizsystem implementieren - das bedeutet, dass wir die erfolgreichsten Betriebe anerkennen. Anerkennung bedeutet nicht Akkreditierung, sondern ein Zertifikat, das auf dem Gelände der Hotels gezeigt werden kann. Dies hilft den Betrieben, ihre Marke zu stärken als Hotel, das sich zu grünem Handeln bekennt.

Die Kriterien für die Anerkennung wurden von einem Komitee festgelegt, in dem Wissenschaft, Verwaltung und die Ministerien für Tourismus sowie für Handel und Industrie unseres Landes mitwirken. Wir haben eine ziemlich lange Checkliste mit etwa 220 einzelnen Indikatoren. Wir schreiben die Anerkennung als Preis aus und validieren nach der Einreichungsfrist alle Nominierten, basierend auf einer Selbstvorprüfung durch die Betriebe. Alle Betreibe benötigen als Mindestanforderungen eine Akkreditierung durch das Tourismusministerium unseres Landes, eine Genehmigung durch unser Büro (Palawan Council for Sustainable Development, die Verwaltungsstelle des Palawan Biosphärenreservats) und Genehmigungen mehrerer anderer Behörden. Diejenigen Einrichtungen, die mindestens 70 Prozent der maximalen Punktzahl erhalten, erhalten eine Auszeichnung, mit unterschiedlicher Anerkennungsstufe. In unserer jüngsten Preisverleihung im Juni 2017 haben wir ca. 16 Bewerbungen erhalten und acht Preise verliehen. Nur ein Betrieb hat den Preis der höchsten Anerkennungsstufe erhalten.

In Zukunft werden wir den Ehrgeiz der Vergabekriterien erhöhen, d.h. es wird schwieriger werden, die Preise auf den verschiedenen Anerkennungsstufen zu erhalten. Wir hoffen, dass in einigen Jahren alle touristischen Betriebe auf Palawan teilnehmen werden. Dann werden wir nicht mehr Betriebe auszeichnen, die nur 70 Prozent der Kriterien erfüllen, sondern nur diejenigen, die beispielsweise mindestens 95 Prozent der Kriterien erfüllen.

Derzeit ist unser Anerkennungsprogramm als Anreiz eine Zwischenlösung auf dem Weg zu dem Ziel, alle Tourismusbetriebe auf Palawan zu klimaneutralen Hotels zu machen.

Was ist Ihre langfristige Strategie, um Palawan emissionsfrei zu machen?

Klimaneutralität ist ein zentrales Ziel auf allen Inseln Palawans. Einige lokale Behörden und Unternehmen sind in dieser Hinsicht weit fortgeschritten, da sie große Waldflächen haben, die es ihnen ermöglichen, Kohlenstoff in Wäldern auszugleichen. Dies ist tatsächlich eine große Chance für Palawan. Mit 54 Prozent Waldanteil an der Gesamtfläche hat der Archipel den höchsten Waldbedeckungsgrad aller Provinzen der Philippinen.

Das Ziel der gesamten Provinz ist es, einen Anteil erneuerbarer Energien von bis zu 85% des gesamten Energiemixes zu erreichen. Momentan sind wir immer noch stark von Diesel abhängig, obwohl es auf Palawan Erdgas gibt. Dies kann die Provinz aber nicht selbst verwerten, Erdgas wird nach Manila und Luzon verschifft.

Mit Solarenergie gibt es erst erste Experimente. Wir haben uns auch das Windkraft-Potenzial untersucht, und die Provinzregierung möchte Mini-Wasserkraftanlagen ausbauen. Wir sind in der großartigen Situation, dass eins der Hauptziele des Provinzgouverneur ist, die Insel zu einem Top-Tourismusziel mit einem sehr geringen CO2-Fußabdruck und einer hohen Energie-Unabhängigkeit zu machen.

(Artikel erstellt am 25. Oktober 2017)

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