Wissenschaft

Wissenschaft für Nachhaltigkeit

Unsere heutigen nicht-nachhaltigen Lebensstile, Produktions- und Konsummuster sind ressourcenintensiv und umweltbelastend. Der sich verschärfende globale Wandel lässt nur wenig Zeit, innerhalb der wir unser heutiges Lebens- und Wirtschaftsmodell ändern und in ein langfristig tragfähiges Modell überführen können.

Zum raschen und wirksamen Umsteuern wird umfassenderes Wissen benötigt, nicht nur über neue Technologien und sektorale Anpassungsstrategien, sondern auch über Systemzusammenhänge und Ziele sowie über die Gestaltung von Transformationsprozessen. Über dieses System-, Orientierungs- und Transformationswissen und die dafür erforderlichen Kompetenzen verfügen wir bislang bestenfalls in Ansätzen. Umso mehr sind wir heute gezwungen, Verantwortung wahrzunehmen und Weichenstellungen in Richtung einer nachhaltigen Weltgesellschaft vorzunehmen. Die Deutsche UNESCO-Kommission setzt sich für ein Umsteuern in unserem Wissenschaftssystem ein, um den Beitrag der Wissenschaft zur Lösung der globalen Herausforderungen zu stärken.

Wissenschaft für nachhaltige Entwicklung ist strukturell und methodisch geeignete wissenschaftliche Arbeit zur Erforschung und Bewältigung der großen Nachhaltigkeits-Herausforderungen. Die Kriterien für strukturelle und methodische Eignung lassen sich direkt aus den Charakteristika der Nachhaltigkeits-Herausforderungen ableiten, unter anderem eine dezidierte Problemorientierung, ein iteratives Vorgehen, und ein Bewusstsein für Skalen-, Netzwerk-, Kipppunkt- und Feedback-Effekte ebenso wie für die in sozial-ökologischen Systemen gegebene Unsicherheit. Mehr als bisher sollte sich der Forschungsprozess an den Spezifika eines konkreten Problemkontextes ausrichten und eine Folgenabschätzung umfassen. Mit dem Forschungsergebnis sollte die Handlungsfähigkeit der Gesellschaft gestärkt werden können. Im Allgemeinen ist eine transnationale oder gar globale sowie intergenerationelle Perspektive angebracht. Unsicherheit und Grenzen wissenschaftlichen Wissens sind offenzulegen, eventuelle Interessenskonflikte anzuzeigen. Letzteres gilt sowohl für Wissenschaftler als auch für beteiligte Akteure außerhalb des Wissenschaftssystems.

Wissenschaft für nachhaltige Entwicklung erfordert in der Regel inter- und/oder transdisziplinäres Arbeiten. Zugleich braucht sie disziplinäre Forschung und insbesondere Grundlagenforschung. Oft ist gerade eine Kombination der Methoden und des Wissens der Geistes- und Sozialwissenschaften einerseits und der Natur- und Ingenieurwissenschaften andererseits erforderlich. Transdisziplinäre Forschung will darüber hinaus auch die Akteure außerhalb des Wissenschaftssystems, wie beispielsweise Unternehmen, Gewerkschaften, Verbände, öffentlicher Sektor, Betroffenengruppen oder NGOs, einbinden (Co-Design, Co-Produktion von Wissen).

Für das deutsche Wissenschaftssystem hat die Deutsche UNESCO-Kommission 2012 das Memorandum Wissenschaft für Nachhaltigkeit verabschiedet. 2014 hat sie sich in einem Workshop mit Synergien zwischen transdisziplinärer Nachhaltigkeitsforschung und der Entwicklungszusammenarbeit beschäftigt. Auch der Wissenschaftliche Beirat des UN-Generalsekretärs, dessen erste Sitzung die Deutsche UNESCO-Kommission 2014 organisierte, beschäftigte sich intensiv mit Wissenschaft für nachhaltige Entwicklung. 

Von 2014 bis 2016 hat die Deutsche UNESCO-Kommission gezielt Wissenschaft für Nachhaltigkeit in Mittel- und Osteuropa durch die Ausrichtung von zwei Experten-Workshops gefördert. Hierfür kooperierte die Deutsche UNESCO-Kommission mit der Österreichischen UNESCO-Kommission sowie mit weiteren Akteuren aus der Region Mittel- und Osteuropa: Estland, Lettland, Litauen, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechische Republik und Ungarn. Die Experten-Workshops boten die Möglichkeit eines fundierten Austauschs zu Nachhaltigkeits- und Wissenschaftsstrategien sowie zu aktuellen Trends zu Wissenschaft für Nachhaltigkeit in den beteiligten Ländern.

Die DUK hat zudem 2015 bis 2017 zu einem Runden Tisch Wissenschaft für Nachhaltigkeit im Deutschen Wissenschaftssystem eingeladen.

Auf globaler Ebene hat sich die Deutsche UNESCO-Kommission von 2015 bis 2017 dafür eingesetzt, dass das Konzept einer inter- und transdisziplinären "Sustainability Science" von der UNESCO befördert wird.

Dieses Projekt mündete in den UNESCO-Leitlinien zur Wissenschaft für nachhaltige Entwicklung, die im Oktober 2017 in Paris vorgestellt wurden. Diese Leitlinien sind das bislang wichtigste Konsensdokument weltweit zu Wissenschaft für nachhaltige Entwicklung.

Publikation

Memorandum Wissenschaft für nachhaltige Entwicklung.
Deutsche UNESCO-Kommission, 2012

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