Kultur und Natur

Biosphärenreservate in Deutschland

UNESCO-Biosphärenreservate haben in Deutschland eine hohe Bedeutung. Der Begriff „Biosphärenreservat“ ist in allen Bundesländern gesetzlich definiert. Biosphärenreservate sind in der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie 2016 ebenso wie in den Afrikapolitischen Leitlinien der Bundesregierung erwähnt. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit unterstützt über 30 Biosphärenreservate weltweit.

Die Biosphärenreservate umfassen etwa 3 Prozent der Gesamtfläche Deutschlands (jeweils ohne Meeresflächen). 16 Gebiete (siehe unten) sind als Biosphärenreservat nach Recht des jeweiligen Bundeslandes ausgewiesen und wurden zugleich von der UNESCO anerkannt.

Die 16 Gebiete repräsentieren wichtige deutsche Landschaftstypen und sind repräsentativ für die Vielfalt der Lebensräume, der Fauna und Flora hierzulande. Biosphärenreservate sind nur selten "ursprüngliche" Biotope - viel öfter sind es Kulturlandschaften mit besonderer Bedeutung für den Erhalt der Biologischen Vielfalt: Ihr besonderer ökologischer Reichtum ist durch wirtschaftliche Nutzung entstanden, zum Beispiel durch Beweidung oder Weinanbau – und kann nur durch wirtschaftlich Nutzung erhalten werden. Fast alle deutschen Biosphärenreservate liegen in ländlichen Räumen und sind daher vor allem ein Zukunftskonzept für diese Räume. Wegen niedriger Umweltbelastung und attraktiver Landschaft sind sie auch beliebte Urlaubsziele und Naherholungsgebiete. Das heißt, dass die Menschen in diesen Regionen im Vordergrund stehen und gemeinsam mit ihnen zukunftsfähige Wirtschaftsformen entwickelt werden können.

Die hohe Qualität der Arbeit der deutschen Biosphärenreservate wird regelmäßig durch Auszeichnungen nachgewiesen, zum Beispiel als „Deutschlands nachhaltigste Tourismusregion“. Wissenschaftliche Forschung hat nachgewiesen, dass die deutschen Biosphärenreservate über 120 Millionen Euro allein durch den Tourismus generieren. Deutsche Biosphärenreservate haben unter anderem die höchsten Anteile an Bio-Landbau in Deutschland und den höchsten Grad an wirtschaftlicher Verflechtung zwischen lokalen Wirtschaftsunternehmen. Auch Kooperationen mit großen Unternehmen wie Danone Waters (Link Danone) beweisen die Attraktivität von Biosphärenreservaten. Eine wissenschaftliche Publikation („Biosphere reserves: Attributes for success“) aus dem Jahr 2016 führte als Ergebnis einer internationalen Expertenbefragung zwölf Biosphärenreservate auf, die als besonders erfolgreich angesehen werden. Drei dieser zwölf Biosphärenreservate liegen in Deutschland, mit der Rhön sogar das mit Abstand von den Experten am häufigsten genannte. Ebenso liegt die Mehrheit jener Biosphärenreservate, welche vom MAB-Rat, dem UNESCO-Entscheidungsgremium für Biosphärenreservate, als beispielgebend bezeichnet wurden, in Deutschland.

Berchtesgadener Land (840 km2, Bayern)

Bliesgau (361 km2,, Saarland)

Flusslandschaft Elbe (3.540 km2, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt)

Hamburgisches Wattenmeer (117 km2, Hamburg)

Niedersächsisches Wattenmeer (2.400 km2, Niedersachsen)

Oberlausitzer Heide-und Teichlandschaft (301 km2, Sachsen)

Pfälzerwald-Nordvogesen (grenzüberschreitend mit Frankreich, 3.018 km2 insgesamt, davon 1.780 km2 Pfälzerwald, Rheinland-Pfalz)

Rhön (1.850 km2, Bayern, Hessen, Thüringen)

Schaalsee (309 km2, Mecklenburg-Vorpommern)

Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und Halligen (4.431 km2, Schleswig-Holstein)

Schwäbische Alb (850 km2, Baden-Württemberg)

Schwarzwald (630 km2, Baden-Württemberg)

Schorfheide-Chorin (1.292 km2, Brandenburg)

Spreewald (475 km2, Brandenburg)

Südost-Rügen (235 km2, Mecklenburg-Vorpommern)

Thüringer Wald (von UNESCO bislang anerkannt: 171 km2, Erweiterung in Beantragung, Thüringen)

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