Welterbe

Unser Beitrag

Die UNESCO-Welterbekonvention ist eines der erfolgreichsten internationalen Schutzinstrumente für Natur- und Kulturerbe weltweit. Für ihre Umsetzung stützt sich die UNESCO auf eine Vielzahl staatlicher und nicht-staatlicher Akteure. Als UNESCO-Nationalkommission des Unterzeichnerstaates Bundesrepublik Deutschland wirkt die Deutsche UNESCO-Kommission (DUK) maßgeblich an der Umsetzung der Welterbekonvention in Deutschland mit. Es ist dabei ein konkretes Anliegen der DUK, das Thema Welterbe in seiner Relevanz für aktuelle und zukünftige Gesellschaftsaufgaben bekannt zu machen und zu fördern.

Welterbestätten als Lernorte

Welterbestätten sind Lernorte. Sie erzählen uns von unserer Vergangenheit, von unseren natürlichen Lebensumfeldern wie auch von den Kenntnissen und Prozessen, diese universell außergewöhnlichen Orte zu erhalten. Das diesen Stätten immanente Wissen soll genutzt werden, um aus der vergangenen Entwicklung zu lernen, Zusammenhänge mit aktuellen Entwicklungen zu verstehen und zukünftige Entwicklungsmöglichkeiten innerhalb eines klar definierten Wertesystems zu durchdenken.

Die Auseinandersetzung mit dem Thema Welterbe bietet die Chance, sich selbst als Teil der (globalen) Gesellschaft und der Menschheitsgeschichte besser zu verstehen, sich in einer Kontinuität tradierter Werte zu positionieren und entsprechend Rückschlüsse für das eigene Handeln zu ziehen.

Welterbstätten sind sinnlich erfahrbare Zeugnisse der Vielfalt und Würde von Kulturen.

 

Welterbestätten als Beitrag zur Globalen Nachhaltigkeitsagenda

Da die Welterbekonvention als einziges internationales Übereinkommen den Schutz von Kultur- und Naturerbe miteinander verbindet, bietet das Welterbe die Möglichkeit, die Zusammenhänge zwischen Mensch und Natur an konkreten Beispielen erfahrbar zu machen und somit auch einen Beitrag zur Erreichung der globalen Entwicklungsziele der Agenda 2030 zu leisten.

Zur Umsetzung dieser Anliegen bereitet die Deutsche UNESCO-Kommission Informationsangebote auf, leistet Beratung, vermittelt Expertise und unterstützt die nationale wie internationale Zusammenarbeit und Vernetzung. Ihr inhaltlicher Fokus liegt auf sechs Schwerpunktthemen: Internationale Vernetzung, Welterbevermittlung, Gefährdetes Welterbe, Welterbe und nachhaltige Entwicklung, Verbindung von Kultur und Natur, Einbindung junger Experten in den Welterbeschutz.

Im Folgenden werden ausgewählte Leuchtturmprojekte umrissen, die die konkrete Mitwirkung der Deutschen UNESCO-Kommission an der Umsetzung der Welterbekonvention veranschaulichen. Nationalen wie internationalen Welterbe-Akteuren bietet die DUK eine Plattform für Wissenstransfer und Kooperation.

„Welterbestätten sind Lernorte für einen zivilisierten Umgang miteinander, für eine nachhaltige, das heißt generationenübergreifende Verantwortung unseren Mitmenschen und unserem Planeten gegenüber. Sie sind sinnlich erfahrbare Zeugnisse der Vielfalt und Würde von Kulturen – Orte der Begegnung mit fremden Kulturen, an denen das Interesse an der eigenen Geschichte und der Geschichte anderer Völker geweckt wird.“

Prof. Dr. Christoph Wulf, Vizepräsident der Deutschen UNESCO-Kommission

Internationale Vernetzung

Internationale Vernetzung ist zentral für den Schutz und Erhalt des Welterbes. Die Deutsche UNESCO-Kommission unterstützt Welterbe-Akteure aus Deutschland bei der internationalen Zusammenarbeit und setzt Impulse für die Zusammenarbeit über Grenzen hinweg.

Vernetzung in Europa

Im Oktober 2017 kamen auf Initiative der DUK in Lübeck Vertreterinnen und Vertreter europäischer Welterbestätten-Vereine sowie Welterbe-Experten und -Akteure aus 20 Staaten und des UNESCO-Welterbezentrums zusammen, um sich über die Rolle von Welterbe in Europa, nachhaltigen Tourismus und die Vermittlung von Welterbe für ein gemeinsames europäisches Selbstverständnis auszutauschen. Der Fokus der Diskussion lag insbesondere auf der Konsolidierung des bestehenden Netzwerks der Welterbe-Vereine.

Grenzüberschreitende Welterbestätten

In den grenzüberschreitenden und transnationalen Welterbestätten weltweit wird tagtäglich internationale Kooperation direkt gelebt. Gemeinsame Ziele und Prozesse zum Welterbeschutz zu definieren und umzusetzen, stellt die grenzüberschreitenden Stätten zugleich vor besondere Herausforderungen und Chancen. Dies zeigt sich auch in den sechs grenzüberschreitenden Welterbestätten mit deutschen Teilgebieten. Die DUK hat daher 2016 mit dem Auswärtigen Amt, dem Land Hessen und dem Gemeinsamen Wattenmeersekretariat eine Fachtagung zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit ausgerichtet. Die Ergebnisse wurden im Rahmen eines Side Events anlässlich der 41. Sitzung des Welterbekomitees im Juli 2017 in Krakau präsentiert und die Diskussion auf internationaler Ebene fortgeführt.

Welterbevermittlung

In Artikel 27 fordert die Welterbekonvention die Vertragsstaaten zur Vermittlung des außergewöhnlichen universellen Wertes der als UNESCO-Welterbe anerkannten Stätten auf. Diese Aufgabe obliegt allen Akteuren. Sie sind dazu aufgerufen, den Welterbegedanken zu vermitteln und ein Bewusstsein für Identität, gegenseitigen Respekt und Solidarität zu schaffen. Die DUK informiert, leistet Beratung und bietet Qualifizierungsformate.

Besucher- und Informationszentren

Insbesondere Besucher- und Informationszentren bieten die Möglichkeit, die lokale Bevölkerung ebenso wie nationale und internationale Besucher über den außergewöhnlichen universellen Wert einer Stätte, den Welterbegedanken und die Anforderungen hinsichtlich Schutz und Erhalt zu informieren. Da es in Deutschland bereits gelungene Beispiele solcher Besucherzentren gibt und sich weitere Zentren in Planung befinden, hat die DUK die Welterbe-Akteure in Deutschland zu mehreren Arbeitstreffen eingeladen, um sich zu den Erfahrungen mit und Rahmenbedingungen für die Einrichtung solcher Zentren auszutauschen.

UNESCO-Welterbetag

Welterbe erleben, Menschen begegnen – diesem doppelten Ziel dient der UNESCO-Welterbetag, der 2005 von der Deutschen UNESCO-Kommission und dem UNESCO-Welterbestätten Deutschland e. V. ins Leben gerufen wurde. Jährlich sind die deutschen Welterbestätten am ersten Sonntag im Juni aufgerufen, ihren Anwohnern und Besuchern ein vielseitiges Programm rund um das Welterbe zu bieten, um die Welterbestätten nicht nur als Orte besonders sorgfältiger Denkmalpflege ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken, sondern unter dem Motto „Welterbe verbindet“ auch ihre Rolle als Vermittler der UNESCO-Grundsätze zu stärken.

Publikation

Konferenzbericht: Perspektiven der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Welterbe - Ein Erfahrungsaustausch in und mit Deutschland.
Deutsche UNESCO-Kommission, 2017

Weiterbildungsprogramm

Gemeinsam mit seinem Freiwilligendienst kulturweit bietet die DUK jungen Menschen die Möglichkeit, sich in einem zweijährigen Weiterbildungsprogramm zu sogenannten „Welterbe-Teamern“ zu qualifizieren. Nach erfolgreichem Abschluss agieren die Teamer als generationenübergreifende Multiplikatoren auf Welterbe-Veranstaltungen der DUK und interessierter Partnerorganisationen.

Gefährdetes Welterbe

Welterbestätten weltweit sind einer Vielzahl an Gefährdungen ausgesetzt. So waren zum Zeitpunkt der Welterbekomiteesitzung 2017 über 60 Prozent der Naturerbestätten von illegalen Aktivitäten wie Wilderei, Plünderung und illegalem Handel mit Naturgütern betroffen. Kulturerbestätten sind von wachsendem Siedlungsdruck betroffen – dies traf 2017 auf fast 55 Prozent der Stätten zu. Laut dem Bericht zum Status des Erhaltungszustands der Welterbestätten verfügen darüber hinaus 70 Prozent aller Welterbestätten weltweit nicht über angemessene Managementsysteme oder -pläne. Schutz und Erhalt des gefährdeten Erbes ist deshalb ein Arbeitsschwerpunkt der Deutschen UNESCO-Kommission.

National

Handbuch zum „Katastrophenschutz an Welterbestätten“

2017 hat die DUK das Handbuch zum „Katastrophenschutz an Welterbestätten“ in deutscher Sprache herausgegeben. Das Handbuch der UNESCO-Serie der „Resource Manuals“ zeigt auf, wie vor allem in kulturellen Welterbestätten die Widerstandsfähigkeit der zu schützenden Güter gestärkt und negative Auswirkungen von Katastrophen zumindest abgemildert werden können. Die Publikation richtet sich an die Vertragsstaaten der Welterbekonvention, an deren Denkmal- und Naturschutzbehörden, lokale Regierungen, Site Manager von Welterbestätten sowie an alle am Erhalt des Welterbes beteiligten Akteure.

Welterbeverträglichkeitsprüfung

Um mögliche Gefährdungen für Welterbestätten frühzeitig und angemessen einschätzen zu können, hat ICOMOS 2011 eine Anleitung zu „Heritage Impact Assessments“ (Welterbeverträglichkeitsprüfungen) publiziert. 2017 hat die DUK gemeinsam mit der Hochschule RheinMain einen Workshop zu „Heritage Impact Assessments“ für die mit dem Welterbe befassten Akteure angeboten. In dem Workshop wurden die in Deutschland vorhandenen rechtlichen Rahmensetzungen und administrativen Möglichkeiten für Welterbe-spezifische Verträglichkeitsprüfungen – sowohl für Kultur- als auch für Naturstätten – erörtert und anhand von Fallbeispielen aus Deutschland und den deutschsprachigen Nachbarländern konkrete Vorgehensweisen und Lösungsansätze diskutiert.

Publikation

Katastrophenschutz an Welterbestätten.
Deutsche UNESCO-Kommission, 2017

International

Die DUK ist Gründungsmitglied im Archaeological Heritage Network, das auf seiner konstituierenden Sitzung 2015 unter Federführung des Deutschen Archäologischen Instituts unter anderem das Projekt „Stunde Null – Eine Zukunft für die Zeit nach der Krise“ initiiert hat. Das Archaeological Heritage Network zielt auf die Bündelung von Kompetenzen, um als beratende Plattform für Experten aus Syrien, dem Irak und anderen von Zerstörung ihres Kulturerbes betroffenen Ländern während und nach der Krise zur Verfügung zu stehen und zu unterstützen.

Die DUK begleitet die Aktivitäten eines in Deutschland gegründeten Netzwerkes junger Kulturerbe-Experten, die – größtenteils aus Syrien stammend – ihre Expertise aus den Bereichen Architektur, Archäologie, Ingenieur- und Kulturwissenschaften sowie Welterbestudien und ihr gemeinsames Interesse am syrischen Kulturerbe vereinen und zu dessen Schutz einsetzen.

Welterbe und nachhaltige Entwicklung

Nachhaltigkeit ist in der UNESCO-Welterbekonvention von 1972 angelegt. Sie sieht den langfristigen Erhalt von Natur- und Kulturerbestätten sowie deren Vermittlung und Weitergabe an zukünftige Generationen vor. Die DUK tritt in diesem Zusammenhang für einen erweiterten Nachhaltigkeitsbegriff ein, der neben dem Dreiklang von sozialer, wirtschaftlicher und ökologischer Dimension auch eine transversale, kulturelle Dimension beinhaltet.

Im Anschluss an die Globalen Nachhaltigkeitsziele hat die Generalversammlung der Vertragsstaaten der Welterbekonvention ein Richtlinienpapier zur Integration der Nachhaltigkeitsperspektive in die mit der Umsetzung der Welterbekonvention einhergehenden Prozesse verabschiedet. 2017 hat die DUK dieses richtungsweisende Dokument in deutscher Fassung veröffentlicht. 

Kultur und Natur

Die UNESCO-Welterbekonvention ist das einzige internationale Übereinkommen, das den Schutz von Kultur- und Naturerbe miteinander verbindet. Ihre praktische Umsetzung war jedoch lange Zeit von der Trennung von Natur und Kultur geprägt. Dies zeigte sich in den ursprünglich getrennten Kriterienkatalogen für Kultur- und Naturerbe, in den unterschiedlichen Arbeitsmethoden der Beraterorganisationen ICOMOS und IUCN sowie in Wissenschaft und Verwaltungen der Vertragsstaaten.

Mit dem „Connecting Practice-Projekt“ von IUCN und ICOMOS erfolgt derzeit eine Annäherung der Arbeitsmethoden der Beraterorganisationen als zentraler Schritt nicht nur für eine harmonischere Umsetzung der Welterbekonvention und eine konsistente Beratung des Entscheidungsgremiums Welterbekomitee, sondern auch für ein besseres Verständnis der Zusammenhänge und Synergien von natürlichen und kulturellen Werten, deren Rolle für eine nachhaltige Entwicklung und deren Einbeziehung in das Management in den Welterbestätten selbst. Die DUK begleitet die Projektphasen des Connecting Practice-Projekts und erarbeitet Umsetzungsvorschläge für deutsche Welterbestätten.

Die DUK veröffentlicht regelmäßig einen Newsletter zum Thema "Erbe – Vielfalt – Zukunft". Darin informiert sie über die Zusammenhänge zwischen Welterbe, Immateriellem Kulturerbe, Weltdokumentenerbe, Biosphärenreservaten und Geoparks in Deutschland und international.

Einbindung junger Experten

Die junge Generation prägt heute den Stellenwert von Erbe in der Zukunft und spielt damit eine wichtige Rolle bei der Definition, Erschließung, Deutung, Bewahrung und Vermittlung von Erbe. Die DUK unterstützt die aktive Einbindung junger Experten bei ihren Veranstaltungen zum Welterbe, um ihnen zu ermöglichen, ihre eigenen Wahrnehmungen und Zugänge zum Erbe zu entwickeln, sich frei dazu zu verhalten und kritisch-produktiv mit überlieferten und bestehenden Zugängen auseinanderzusetzen. Im intergenerationellen Dialog soll durch diese Bewusstseinsbildung die Bereitschaft gestärkt werden, sich für den langfristigen Schutz und nachhaltigen Erhalt unseres Menschheitserbes einzusetzen.

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