Inklusive Bildung weltweit

In den Bildungssystemen weltweit werden Menschen in vielfacher Weise benachteiligt. Benachteiligungen ergeben sich aufgrund sozioökonomischer Aspekte, der Geschlechtszugehörigkeit oder auch aufgrund von Behinderungen.

Eine Analyse des UNESCO-Instituts für Statistik von Daten aus 49 Ländern, die zwischen 2005 und 2015 erhoben wurden, bietet einen ernüchternden Blick auf den Stand inklusiver Bildung weltweit (siehe unten). Einige Länder wie Kanada, Finnland oder Italien haben jedoch seit vielen Jahren sehr positive Erfahrungen mit inklusiver Bildung gemacht. Diese Beispiele zeigen, wie inklusive Bildung erfolgreich umgesetzt werden kann.

Anteil der 15 bis 29-Jährigen, die eine Schule besucht haben

Menschen mit Behinderungen im Alter von 15 bis 29 Jahren besuchen mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit eine Schule als Menschen ohne Behinderung (in fast allen 37 Ländern, die zum Vergleich herangezogen wurden). Die größten Disparitäten finden sich in Vietnam (2009: 44 % vs. 97 %), Ägypten (2006: 43 % vs. 89 %) und Indonesien (2010: 53 % vs. 98 %).

Kinder im Primar- und unteren Sekundarschulalter, die keine Schule besuchen

Eine Analyse von Daten aus nur sechs Ländern (Kambodscha, Kolumbien, Gambia, Malediven, Uganda und Jemen) zeigt bereits alarmierende Ergebnisse: In Kambodscha sind die größten Unterschiede festzustellen: Während 57 % (also mehr als 1 von 2) der Kinder mit Behinderungen keine Schule besuchen, sind es nur 7 % (ungefähr 1 von 14) der anderen Kinder.

Abschlussrate in der Primar- und unteren Sekundarschulbildung

Kinder und Jugendliche mit Behinderungen schließen in den sechs untersuchten Ländern mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit die Primar- und Sekundarschulbildung ab als andere Kinder und Jugendliche. So schließen zum Beispiel nur 36 % der Jugendlichen mit Behinderungen die untere Sekundarschulbildung ab im Vergleich zu 53 % der anderen Jugendlichen.

Dauer der Schulbildung für Menschen im Alter von 25 Jahren und älter

In 22 untersuchten Ländern und Gebieten haben Menschen mit Behinderungen im Alter von 25 Jahren und älter im Durchschnitt 4,8 Jahre Schulbildung, im Vergleich zu 7 Jahren der Vergleichsgruppe ohne Behinderungen.

Alphabetisierungsrate für Erwachsene im Alter von 15 Jahren und älter

In 25 Ländern mit entsprechenden Daten war die Alphabetisierungsrate Erwachsener mit Behinderungen geringer als die anderer Erwachsener. Die Unterschiede reichen von 5 % in Mali bis 41 % in Indonesien, wo die große Mehrheit der Erwachsenen ohne Behinderungen (93 %) entsprechend grundlegende Kompetenzen aufweisen, im Vergleich zu nur der Hälfte (52 %) der Erwachsenen mit Behinderungen.

Geschlechtszugehörigkeit

Frauen mit Behinderungen profitieren seltener von einer formalen Bildung als Männer mit Behinderungen. In den meisten Ländern weisen Männer mit Behinderungen höhere Alphabetisierungsraten auf als Frauen mit Behinderungen. Die größten Unterschiede finden sich in Mosambik, wo nahezu jeder zweite Mann mit Behinderungen (49 %) lesen und schreiben kann, im Vergleich zu nur einer von sechs Frauen mit Behinderungen (17 %).

Verbesserung der Datenqualität

Um die Fortschritte beim Erreichen der Ziele der Bildungsagenda 2030 (SDG 4) messen zu können, bedarf es einer grundlegenden Veränderung im Hinblick auf das Monitoring von Disparitäten. Die Vergleichbarkeit von Daten über Ländergrenzen hinweg ist begrenzt. So verwenden beispielsweise nicht alle nationalen Erhebungen und Umfragen das Set von Standardfragen, die von der Washington Group on Disability Statistics (WG) und UNICEF entwickelt wurde, um Erwachsene und Kinder mit Behinderungen zu identifizieren.

Publikation

Weltbildungsbericht 2017/18: Verantwortung für Bildung: Unsere Verpflichtungen erfüllen.
Deutsche UNESCO-Kommission, Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, 2017

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