Kultur und Natur

Kulturgutschutz

Kulturgüter sind Teil des kulturellen Erbes der Menschheit und verbunden mit vielfältigem gesammelten Wissen, Erfahrungen, Praktiken, Lebensformen und kultureller und heimatlich-naturräumlicher Identität. Werden Kulturgüter zerstört, dann wird auch eine Quelle von Wissen und Identität beschädigt. Die UNESCO setzt sich deshalb für den Schutz von Kulturgütern ein.

Insbesondere die Beschädigung von Kulturgut in Krisenregionen oder durch Naturkatastrophen, die gezielte, symbolhafte Zerstörung von kulturellem Erbe durch Terroristen sowie der illegale Handel mit Kulturgut sind zentrale Herausforderungen unserer Zeit.

Die Zerstörungen der syrischen Oasenstadt Palmyra und der Mausoleen im malischen Timbuktu durch islamistische Milizen hat Menschen weltweit schockiert. Plünderungen, Raubgrabungen und Zerstörung von Kulturstätten und Manuskripten gibt es allerdings nicht erst seit den (Bürger-) Kriegen des 21. Jahrhunderts. In vielen Regionen der Welt haben sie eine lange Geschichte. Die mutwilligen Zerstörungen stellen nicht nur einen Angriff auf das kulturelle Erbe der Menschheit dar. Gerade in Konfliktgebieten können Plünderungen und Schmuggel zugleich der Finanzierung von kriegerischen und terroristischen Aktivitäten dienen.

Weil wertvolle Kulturgüter und -stätten gesellschaftliche Identitäten festigen und durch ihre Vermittlungsfunktion die Völkerverständigung voranbringen, haben Staaten nationale und internationale Maßnahmen für den Kulturgutschutz ergriffen. Das Ziel des Kulturgutschutzes liegt in der Bewahrung des Kulturerbes, um es künftigen Generationen unbeschadet überliefern zu können. Da Kulturgüter immer auch Zeugnisse der menschlichen Entwicklung sind, kommt ihr Schutz stets der Allgemeinheit zugute. Der Schutz von Kulturgut als Zeugnis der kulturellen Geschichte und Identität von Menschen und Nationen ist eine wichtige Aufgabe von Kulturpolitik.

Internationaler Kulturgutschutz

Die UNESCO schützt Kulturgüter auf der Grundlage zahlreicher internationaler Abkommen, darunter die Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten von 1954, die UNESCO-Konvention gegen den illegalen Handel mit Kulturgut von 1970 und die UNESCO-Welterbekonvention von 1972.

Die Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten (1954) mit ihren zwei Zusatzprotokollen ist ein internationales Abkommen zum Schutz von Kulturgütern bei bewaffneten Konflikten. Das Übereinkommen und die Protokolle verbieten die Zerstörung, den Diebstahl und die Plünderung von Kulturgut in Kriegen oder bewaffneten Konflikten.

Ein wichtiges völkerrechtliches Instrument zur Bekämpfung des illegalen Handels mit Kulturgut ist das Übereinkommen über Maßnahmen zum Verbot und zur Verhütung der unzulässigen Einfuhr, Ausfuhr und Übereignung von Kulturgut der UNESCO von 1970. Die Konvention soll den illegalen Handel mit beweglichen Kulturgütern verhindern und sieht für den Fall der unrechtmäßigen Verbringung von Kulturgut einen Rückgabeanspruch vor.

„Der illegale Handel mit Kulturgütern vernichtet nicht nur Kenntnisse über die Geschichte der Menschheit und zerstört Teile unserer kulturellen Identitäten.  Er finanziert auch den Terrorismus und stellt damit eine Gefahr für die weltweite Sicherheit dar"

Prof. Dr. Verena Metze-Mangold, ehemalige Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission

Schutz des Kulturerbes unter Wasser

Archäologisches Kulturgut unter Wasser ist einzigartig. Von der Luft abgeschlossen, ist es in der Regel über Jahrhunderte konserviert und ermöglicht deshalb Aussagen zur Kultur- und Umweltgeschichte, wie sie aufgrund anderer Quellen nur schwer oder gar nicht gewonnen werden können. Wegen der Komplexität und der juristischen Brisanz des internationalen Seerechts fehlte es lange Zeit an internationalen Regelungen zum Schutz des Kulturgutes unter Wasser.

2001 hat die UNESCO-Generalkonferenz eine Konvention zum Schutz des Kulturerbes unter Wasser verabschiedet, die 2009 in Kraft trat. Das Übereinkommen untersagt jeglichen Handel mit Artefakten von Schiffswracks, die älter als 100 Jahre sind. Es will damit der Plünderung des Kulturerbes in den Weltmeeren entgegentreten. Die Gefährdung des Kulturerbes unter Wasser nimmt jedoch weiter zu.

Kulturgutschutz in Deutschland

Während die Erhaltung von Kulturgut in erster Linie Sache der Länder ist, ist der Bund in zwei Bereichen für die Gesetzgebung zuständig: Einerseits für den Schutz von national wertvollem Kulturgut vor Abwanderung ins Ausland. Andererseits für den Schutz von Kulturgut ausländischer Staaten, das unrechtmäßig nach Deutschland eingeführt wurde und zurückzugeben ist.

Im Jahr 2016 hat Deutschland sein Kulturgutschutzrecht modernisiert und das deutsche Recht an internationale und EU-Standards angepasst. Das novellierte Kulturgutschutzgesetz verbietet die Einfuhr von unrechtmäßig ausgeführtem Kulturgut nach Deutschland. Das heißt, wer in Zukunft Antiken nach Deutschland einführt, braucht für jedes Stück eine gültige Ausfuhrerlaubnis des jeweiligen Herkunftslandes, die bei Einfuhr nach Deutschland vorzulegen ist, sofern der Herkunftsstaat eine solche Genehmigungspflicht für die Ausfuhr vorsieht.

Weitere Informationen

Webseite der Bundesregierung zum Kulturgutschutz in Deutschland

 

"Als Teil des kulturellen Erbes der gesamten Menschheit und Ausdruck kultureller Vielfalt sind syrische Kulturgüter grundsätzlich schützenswert – umso dringlicher angesichts des gegenwärtigen Bürgerkriegs.
Es droht der unwiederbringliche Verlust von Bauwerken, Artefakten, sprachlicher Diversität und vielfältigen kulturellen Praktiken: Kulturerbe gehört zu den Menschenrechten und ist Bestandteil von Lebensqualität."

Saskia Baderschneider und Zoya Masoud, Young Experts Forum: “Unite for Syrian Heritage”, Berlin 2016 (DUK Jahrbuch 2016/ 2017, S. 90/91)

Publikation

Jahrbuch der Deutschen UNESCO-Kommission 2016-2017.
Deutsche UNESCO-Kommission, 2017

Zerstörung von Kulturstätten

Kulturgutschutz

Zerstörung von Kulturstätten

Vor dem Hintergrund der zerstörten Kulturgüter während des Zweiten Weltkrieges wurde im Jahr 1954 die Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten verabschiedet. Die Konvention ist ein internationales Abkommen zum Schutz von Kulturgütern bei bewaffneten Konflikten.
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Der illegale Handel mit Kulturgut stellt weltweit ein Problem dar: Vielfach werden Museen und archäologische Grabungsstätten geplündert und Kulturgüter ins Ausland geschafft. Aber nicht nur dort sind Raubgrabungen ein Problem.
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Die Deutsche UNESCO Kommission begleitet die Umsetzung völkerrechtlicher Übereinkommen zum Verbot und zur Verhütung von illegalem Handel mit Kulturgütern, zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten, Naturkatastrophen sowie des Kulturerbes unter Wasser.
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Liste des gefährdeten Erbes der Welt

Auf die Liste des gefährdeten Erbes der Welt werden Natur- und Kulturerbestätten gesetzt, deren außergewöhnlicher universeller Wert „durch ernste und spezifische Gefahren bedroht“ ist. Dabei kann es sich sowohl um bereits bestehende als auch um mögliche Gefahren handeln.
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Die Kernidee der UNESCO-Welterbekonvention von 1972 ist der Schutz und die Bewahrung von Kultur- und Naturerbe für aktuelle und zukünftige Generationen.
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