Bildung

Open Educational Resources

Open Educational Resources (OER) sind Bildungsmaterialien jeglicher Art und in jedem Medium, die unter einer offenen Lizenz stehen. Eine solche Lizenz ermöglicht den kostenlosen Zugang sowie die kostenlose Nutzung, Bearbeitung und Weiterverbreitung durch Andere ohne oder mit geringfügigen Einschränkungen. Dabei bestimmen die Urheber selbst, welche Nutzungsrechte sie einräumen und welche Rechte sie sich vorbehalten.

Open Educational Resources können einzelne Materialien, aber auch komplette Kurse oder Bücher umfassen. Jedes Medium kann verwendet werden. Lehrpläne, Kursmaterialien, Lehrbücher, Streaming-Videos, Multimedia-Anwendungen, Podcasts – all diese Ressourcen sind OER, wenn sie unter einer offenen Lizenz veröffentlicht werden.

Die UNESCO hat den Begriff "Open Educational Resources" geprägt. Sie sieht in OER eine Chance zur Förderung von Wissensgesellschaften und zur Förderung von Bildung für alle Menschen weltweit. OER verfügen über das Potenzial, Bildungsqualität zu verbessern sowie Dialog, Verbreitung von Wissen und Capacity Building zu fördern. Damit leisten OER einen direkten Beitrag zur Umsetzung der Globalen Bildungsagenda 2030.

Internationale Entwicklungen im Bereich OER

Auf dem Ersten UNESCO-Weltkongress zu OER im Jahr 2012 in Paris diskutierten Staatenvertreter sowie Experten aus der Praxis und Wissenschaft über Chancen und Herausforderungen von OER. Die Abschlusserklärung der Expertenkonferenz (sogenannte Pariser Erklärung zu OER) empfiehlt den Mitgliedstaaten die Förderung von OER. Seitdem hat das Thema international stark an Bedeutung gewonnen.

Im September 2017 fand der Zweite UNESCO-Weltkongress zu OER in Ljubljana, Slowenien, statt. Über 500 Vertreter aus Bildungspolitik, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft aus mehr als 100 Ländern nahmen daran teil. In der Abschlusserklärung (OER-Aktionsplan von Ljubljana) fordern sie die breitere Verankerung von OER in der Bildungspolitik und -praxis.

Die Globale Bildungsagenda 2030 diente als Referenzrahmen für den Kongress. Offene Bildungsmaterialien besitzen ein besonderes Potenzial, die dort verankerten Ziele umzusetzen – inklusive, chancengerechte und hochwertige Bildung für alle Menschen sicherzustellen sowie Möglichkeiten zum lebenslangen Lernen zu fördern. Denn die offene Lizenz ermöglicht den kostenlosen Zugang zu diesen Bildungsmaterialien sowie die Bearbeitung und Weiterverbreitung. OER können an individuelle Lernbedürfnisse angepasst werden und tragen dadurch zu einer inklusiven Bildung bei. Schließlich kann durch kollaborative Lernprozesse und Peer-Review-Verfahren die Qualität von Bildungsmaterialien verbessert werden.

Der im Rahmen des Zweiten UNESCO-Weltkongresses vorgestellte OER-Weltbericht 2017 macht deutlich, dass politische Strategien zur Förderung von OER weiter entwickelt sowie Partnerschaften zwischen zahlreichen Akteuren und der Zugang zum Internet weltweit ausgebaut werden müssen, um offene Bildungsmaterialien zukünftig flächendeckend einsetzen zu können.

Fazit zum Zweiten UNESCO-Weltkongress zu OER von Prof. Dr. Verena Metze-Mangold, ehemalige Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission

„Begreift man die Agenda 2030 als die bislang größte Transformationsanstrengung der Menschheit, so muss auch die Bildung für das 21. Jahrhundert transformiert werden. Open Educational Resources sind ein entscheidendes Mittel dazu.“

Prof. Dr. Verena Metze-Mangold, ehemalige Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission

OER World Map

Die interaktive OER World Map visualisiert OER-Akteure, Veranstaltungen und Projekte weltweit. Link

OER in Deutschland

In Deutschland wurde 2016 ein OER-Förderprogramm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gestartet. Im Rahmen dieses Programms wurde die Einrichtung einer nationalen OER-Informationsstelle (OERinfo) sowie die Förderung von 23 Projekten zur Qualifizierung von Multiplikatoren aus dem Bildungsbereich umgesetzt. Die OER-Informationsstelle dokumentiert den Kenntnisstand zum Thema OER und analysiert aktuelle Entwicklungen, präsentiert Best-Practice-Beispiele für OER-Projekte und –Initiativen und vernetzt OER-Akteure miteinander. Die Deutsche UNESCO-Kommission ist Mitglied im Beirat der OER-Informationsstelle.

Zentrale Akteure der OER-Bewegung in Deutschland sind eine Vielzahl von Expertinnen und Experten aus der OER-Community sowie aus den Bereichen der Forschung und Praxis. Die OER-Konferenzen unter Schirmherrschaft der Deutschen UNESCO-Kommission haben sich zur zentralen OER-Veranstaltung im deutschsprachigen Raum etabliert. Im Rahmen des OER Festivals 2016 wurden erstmals die deutschen OER Awards für herausragende Projekte verliehen. Mit dem Preis werden OER-Projekte in verschiedenen Kategorien prämiert, zum Beispiel in den Bildungsbereichen Schule, Hochschule, Aus-/Berufsbildung und Weiterbildung/Erwachsenenbildung. Die Deutsche UNESCO-Kommission hat in den Jahren 2016 und 2017 die Schirmherrschaft für den Sonder-Award in der Kategorie „OER über OER“ übernommen. Im Jahr 2017 wurde mit diesem Sonder-Award ein Online-Kurs über OER (COER17) ausgezeichnet. Die Liste der weiteren Preisträger der OER Awards 2017 finden Sie hier: Link.

Den Status quo von OER in Deutschland beschreibt der im Auftrag des UNESCO Institute for Information Technologies in Education erschienene Bericht OER in Deutschland: Praxis und Politik von Dominic Orr, Jan Neumann und Jöran Muuß-Merholz. Die deutsche Fassung des Berichts wurde von der Deutschen UNESCO-Kommission und dem Hochschulbibliothekszentrum NRW herausgegeben.

Publikation

Dominic Orr, Jan Neumann und Jöran Muuß-Merholz: OER in Deutschland. Bottom-up-Aktivitäten und Top-Down-Initiativen.
Deutsche UNESCO-Kommission und Hochschulbibliothekszentrum des Landes Nordrhein-Westfalen, 2018

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