Auf ein Wort,

O-Töne aus dem Welterbe - Industriekomplex Zeche Zollverein in Essen

Jolanta Nölle

Jolanta Nölle
Vorstandsmitglied der Stiftung Zollverein

Der wirksame Schutz von Welterbestätten sowie die Vermittlung des Welterbegedankens und des außergewöhnlichen universellen Wertes des Welterbes sind nur mit dem engagierten Einsatz der Zuständigen vor Ort sowie auf regionaler und nationaler Ebene möglich. Erfahrene Koordinatoren, Manager, Referenten, Beauftragte und sogenannte Focal Points bilden mit ihren Teams das Herzstück der Aktivitäten an Kultur- und Naturerbestätten. Sie zeigen, dass Welterbe mehr ist als bauliche Substanz, gewachsene Landschaften oder Naturräume – Welterbe ist gelebtes Erbe und tägliche Arbeit.

Aus diesem Grund hat sich die Deutsche UNESCO-Kommission auf die Suche nach O-Tönen aus der vielseitigen Gemeinschaft der mit Welterbe betrauten Expertinnen und Experten in Deutschland begeben und ihnen vier Fragen zu ihrer Arbeit, ihren Erfahrungen und Wünschen gestellt.

Jolanta Nölle ist Vorstandsmitglied der Stiftung Zollverein und dort unter anderem zuständig für die Bereiche kulturelle Bespielung, Besucherbetrieb, Denkmalpflege und -vermittlung. Somit ist sie eine der Verantwortlichen für die Welterbestätte Industriekomplex Zeche Zollverein in Essen, welche 2001 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen wurde.

Sehr geehrte Frau Nölle, seit wann betreuen Sie die Welterbestätte Industriekomplex Zeche Zollverein in Essen und welchen Hintergrund bringen Sie mit?

Die Stiftung Zollverein wird von einem Vorstand geleitet, der aus zwei Mitgliedern besteht: Hermann Marth als Vorstandsvorsitzender ist unter anderem für den Gebäudeerhalt sowie die Standort- und Immobilienentwicklung zuständig, meine Aufgaben liegen in den Bereichen Denkmalvermittlung, kulturelle Bespielung und temporäre Vermietung. Ich habe bereits 1998, also noch vor der Ernennung Zollvereins zum Welterbe, meine Arbeit hier aufgenommen. Meinem Studium der Germanistik und der Angewandten Theaterwissenschaft verdanke ich eine Kulturmanagement-Prägung, meine langjährige Erfahrung in der internationalen Zusammenarbeit hilft mir auf operativer Basis und bei der Entwicklung von Projekten.

Bei welcher Einrichtung ist das Management Ihrer Welterbestätte angesiedelt, und was sind Ihre Hauptaufgaben?

Das Management ist bei der Stiftung Zollverein angesiedelt, die 1998 von der Stadt Essen und dem Land Nordrhein-Westfalen gegründet wurde. Sie ist eine private Stiftung des bürgerlichen Rechts und wird durch das Land NRW gefördert. Insbesondere für Kulturveranstaltungen sprechen wir aber auch Spender und Sponsoren an. Die Hauptaufgaben der Stiftung liegen laut Satzung im Erhalt und der Pflege der Welterbestätte sowie deren Öffnung für die Allgemeinheit. Darüber hinaus entwickeln wir Zollverein zu einem internationalen Zentrum für Kultur, Design, Bildung und Wissenschaft.

Worin sehen Sie die größte Herausforderung bei Ihrer Arbeit?

Als herausfordernde Faktoren lassen sich die Größe und die Komplexität des gesamten Ensembles betrachten; eng damit verbunden sind die Vielfalt der Aufgaben und Ansprüche, die mit dem Welterbe verknüpft sind. Man denke allein an die „fünf C“, die die UNESCO als strategische Ziele für ihre Welterbestätten postuliert hat: Credibility, Conservation, Capacity-building, Communication und Communities. Andererseits machen diese Faktoren zum Teil den besonderen Reiz der Arbeit aus.

Wie arbeiten Sie mit anderen Welterbestätten zusammen, und was würden Sie gerne einmal mit anderen Welterbestätten – oder auch Biosphärenreservaten oder Geoparks – gemeinsam machen?

Wir pflegen einen intensiven Austausch mit anderen Welterbestätten – und dies auf mehreren Ebenen. Die Stiftung Zollverein nimmt an gemeinsamen nationalen und internationalen Konferenzen teil und ist Mitglied in diversen Arbeitskreisen. Wir besprechen und erarbeiten Werbemaßnahmen und Vermittlungskonzepte, etwa über den Arbeitskreis World Heritage Education. Im Bereich der kulturellen Bildung existieren zum Beispiel projektbezogene Verbindungen zur Klassik Stiftung Weimar. Sehr intensiv ist der Austausch mit den deutschen Welterbestätten der Industriekultur: mit Rammelsberg, Völklinger Hütte und Fagus-Werk. Angestrebt wird eine intensivere internationale Vernetzung und die vermehrte gemeinsame Planung und Umsetzung konkreter Projekte, zum Beispiel im kulturellen Bereich.

Industriekomplex Zeche Zollverein in Essen
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Industriekomplex Zeche Zollverein in Essen

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