UNESCO-Geopark Schwäbische Alb

Geheimnissen von Jahrmillionen auf der Spur

Mit ihren weltbekannten Fossilfundstellen ist die Schwäbische Alb nicht nur ein Stein gewordenes Geschichtsbuch der Jurazeit, sondern auch die höhlenreichste Region Deutschlands. Sie bildet eine über Jahrmillionen entstandene Karstlandschaft mit Vulkankratern und einmaligen Fossilienvorkommen, von denen einige weltbekannt sind: die „Meerengel“ aus dem Nusplinger Plattenkalk, die Fischsaurier aus Holzmaden und auch Ammoniten, das Wahrzeichen des Geoparks.

Die Schwäbische Alb ist Teil des Südwestdeutschen Schichtstufenlandes, das sich von der Schweiz bis nach Franken erstreckt. Begrenzt wird sie vom Schwarzwald im Südwesten, dem Neckar im Norden, dem Rieskrater im Osten und der Donau im Süden. Die prägendsten Gesteine der Alb entstanden vor 201 bis 145 Millionen Jahren im Zeitalter des Jura. So wurde auch die Stratigraphie des Jura, also die weltweit genutzte Untergliederung dieses Erdalters, in der Schwäbischen Alb entwickelt. Erdgeschichtliche Abschnitte wie das Aalenium und das Pliensbachium sind sogar nach Orten der Schwäbischen Alb benannt. 

Als höhlenreichste Landschaft Deutschlands bot die Alb bereits den Tieren der Eiszeit besondere Lebensräume, die auch die steinzeitlichen Menschen für sich nutzten. So verwendeten beispielsweise die Kelten geschmolzenes Eisenmessing aus dem ältesten in Europa bekannten Schmelzplatz. Zur frühen Besiedelung der Schwäbischen Alb trugen auch die geologischen Rohstoffe (Jurahornsteine, Bohnerze) bei, die vom Menschen bereits sehr früh intensiv genutzt wurden. Vulkanismus im Miozän (vor 5 bis 23 Millionen Jahren) führte zu ausgeprägten Stotzen, Kratern und Maaren. Dörfer entstanden um sogenannte "Hülen"; Teiche, in denen sich Regenwasser auf wasserstauendem Tuffgestein sammelt.

Neben der beeindruckenden geologischen und paläontologischen Vielfalt hat die Region auch in ökologischer und historischer Hinsicht viel zu bieten; dies ist mit ein Grund für die 2009 erfolgte Auszeichnung eines Teilgebiets des Geoparks als UNESCO-Biosphärenreservat. Das Biosphärenreservat und auch die drei im Geopark gelegenen UNESCO-Welterbestätten – dem Obergermanisch-Raetischen Limes bei Aalen, den prähistorischen Pfahlbauten in Blaustein und den 2017 ausgezeichneten Höhlen der ältesten Eiszeitkunst im Schwäbischen Jura – bezieht der Geopark eng in seine Arbeit ein.

Die Schwäbische Alb wurde aufgrund ihres bedeutenden geologischen Erbes im Jahr 2002 zum Nationalen Geopark ernannt. 2004 erfolgte die Auszeichnung als Europäischer und Globaler Geopark. 2015 schließlich wurde dem Geopark die Auszeichnung als UNESCO Global Geopark verliehen.

„In einem der weltweit vielfältigsten und spektakulärsten UNESCO Global Geoparks können Sie durch 200 Millionen Jahre Erdgeschichte reisen."

Ein Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung

Die 20 Infozentren des Geoparks – unter anderem Höhlenhäuser, Naturschutzzentren und Museen – vermitteln Wissenswertes über die Geologie der Alb, zu Vegetation und Tierwelt sowie über die Steinzeitmenschen. In Zusammenarbeit mit der Universität Tübingen wurden Naturlehrpfade und Unterrichtsmaterialien zu Geothemen für Schulen entwickelt. Die verschiedenen Angebote richten sich nicht nur an Besucherinnen und Besucher, sondern insbesondere auch an die Menschen, die auf der Schwäbischen Alb leben. Dies stärkt das Bewusstsein für das geologische Erbe der eigenen Heimat und schlägt eine Brücke in die Zukunft: An Erosionsvorgängen aus jüngster Zeit, beispielsweise am Mössinger Bergrutsch oder an sich öffnenden Klüften, können auch Laien nachvollziehen, dass die Schwäbische Alb noch immer in Bewegung ist – Erdentwicklung kann „live“ beobachtet werden.

Aktuell strebt der UNESCO-Geopark eine besondere Kooperation mit den Schulen in seinem Einzugsgebiet an. Dazu haben Studierende der Hochschule Aalen in Kooperation mit dem Geopark das Projekt „GeoParkSchulen“ angestoßen. Über spezifische Unterrichtsinhalte sowie Exkursionen und durch den Austausch von Lehrmaterial soll die regionale Erdgeschichte im Schulalltag besondere Aufmerksamkeit erfahren.

Internationale Partnerschaften

Mit dem finnischen UNESCO-Geopark Rokua besteht seit 2013 ein enger Austausch, insbesondere zum Thema Bildung. Die Idee der „GeoParkSchulen“ orientiert sich an finnischem Vorbild.

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