UNESCO-Biosphärenreservat Schwarzwald

Traditionelle Allmendweiden und naturnahe Bergmischwälder

Artenreiche Bergmischwälder im reizvollen Wechsel mit Allmendweiden, sagenhafte Ausblicke bis zu den schneebedeckten Gipfeln der Alpen, faszinierende Natur mit Relikten der Eiszeit, teils alpinen Tier- und Pflanzenarten sowie regionale Spezialitäten und Bräuche

Dies sind die Merkmale des UNESCO-Biosphärenreservates im Südschwarzwald. In diesen über Jahrhunderte gewachsenen Kulturlandschaften sind wertvolle Lebensräume für Mensch und Natur entstanden. Diese zu erhalten und die Balance zu finden zwischen natürlichen Kreisläufen und der Nutzung für eine regionale Wertschöpfung, sind die zentralen Aufgaben des Biosphärengebiets Schwarzwald.

Die Region im Südschwarzwald wurde 2017 von der UNESCO als 16. Biosphärenreservat in Deutschland anerkannt. Gemäß des baden-württembergischen Landesnaturschutzgesetzes wird das Schutzgebiet als „Biosphärengebiet“ bezeichnet. Die einzigartige Landschaft mit hoher biologischer und kultureller Vielfalt erstreckt sich über 28 Gemeinden sowie die Stadt Freiburg auf einer Fläche von etwa 630 Quadratkilometern. Im Weltnetz der Biosphärenreservate steht der Schwarzwald repräsentativ für die Lebensräume Allmendweiden, naturnahe Buchen- und Buchen-Tannenwälder, Schluchtwälder, Block- und Hangschuttwälder, hochmontane Bergmischwälder mit natürlichen Fichtenvorkommen, offene Block- und Schutthalden sowie Felsen, Moore unterschiedlicher Ausprägung, natürliche und naturnahe Fließgewässer, Quell- und Hochstaudenfluren sowie magere Flachland- und Bergmähwiesen.

Fakten

  • Jahr der Anerkennung: 2017
  • Bundesland: Baden-Württemberg
  • Größe: insgesamt 630 km2. Davon Kernzonen: 21 km2 (3,3 %), Pflegezonen: 185,23 km2 (29,29 %)
  • Repräsentierter Landschaftsraum: Südwestdeutsches Mittelgebirgs-/Stufenland der kontinentalen  Region, Hauptlandschaftstyp grünlandreiche Waldlandschaften
  • Webseite: www.biosphaerengebiet-schwarzwald.de  

Kulturlandschaftlich sind es vor allem die gemeinschaftlich genutzten Bergweiden bis in die höchsten Lagen, die so genannten Allmendweiden, die das Biosphärengebiet Schwarzwald auszeichnen. Auf diese Hochweiden trieben die Bauern ihre großen Herden mit traditionellen Rinderrassen noch bis in die jüngere Vergangenheit. Die daraus entstandene einzigartige Landschaft umfasst zum Beispiel imposante, von Verbiss geprägte „Weidbuchen“. Allmendweiden sind wegen ihres großen Artenreichtums besonders schützenswert, heute jedoch nur noch vereinzelt in Deutschland vorhanden. Zum Erhalt der Landschaft tragen auch gefährdete Rinderrassen wie die Hinterwälder bei, deren Fortbestand das Biosphärengebiet etwa durch neue Vermarktungsstrategien für Milch, Käse und Fleisch sichern will. Charakteristisch für den südlichen Schwarzwald sind außerdem der Wechsel von Wald- und Offenlandschaften sowie der Weitblick von den kahlen  Kuppen der Aussichtberge Belchen, Herzogenhorn und Schauinsland. Keine andere deutsche Mittelgebirgslandschaft weist größere Höhenunterschiede auf kleinstem Raum auf: Das Gebiet liegt zwischen 310 und 1420 Metern über dem Meer.

Kultureller Reichtum und nachhaltige Entwicklung

Die Menschen im Südschwarzwald haben vielfältige  Traditionen entwickelt. Nahezu jedes Dorf hat seine eigene Tracht. Die alemannische Sprache und Fastnacht sind Beispiele des Immateriellen Kulturerbes ebenso wie die Schwarzwälder Holzschnitzkunst. Bergbaugeschichte lässt sich hier erleben. Mühlen, Museen, moderne Baukultur und traditionelle Schwarzwaldhäuser laden ein, die Vielfalt der Region kennenzulernen.

Drei Landkreise, 28 Gemeinden und die Stadt Freiburg haben sich im UNESCO-Biosphärengebiet Schwarzwald zusammengeschlossen. Mit Ideen und Projekten gestalten Akteure vor Ort in Kooperation mit der  Geschäftsstelle des Biosphärengebiets ein aktives Miteinander von Mensch und Natur. Zukunftschancen der ländlichen Regionen können hier gemeinsam genutzt werden, zum Beispiel in der naturnahen Landwirtschaft und der Vermarktung regionaler Produkte in Hofläden und Gasthöfen oder in der Belebung traditioneller Handwerkskunst und alter Bräuche. Bürgerbeteiligung wird groß geschrieben im Biosphärengebiet: In den fünf so genannten Säulen, das sind offene Foren zu den Themenbereichen Landnutzung, Wirtschaft, Naturschutz, Bildung für nachhaltige Entwicklung sowie Gesellschaft, Kultur und Soziales, arbeiten interessierte Menschen aus der Region an der Umsetzung ihrer Ideen.

Ein erster Schwerpunkt des Biosphärengebiets ist der Erhalt des Grünlands in den Steillagen der Schwarzwaldlandschaft. In den vergangenen 1000 Jahren hat der Mensch  hier zur Milch- und Fleischerzeugung 10.000 Hektar Grünland als Weiden für Rinder, Schafe und Ziegen  geschaffen. Heute drohen diese Flächen zu verbuschen, da sich ihre Bewirtschaftung nicht mehr lohnt. Die Menschen vor Ort wollen die Landschaft aber erhalten, nicht zuletzt weil sie Grundlage für den  Tourismus ist. Dazu werden im Biosphärengebiet  neue Strategien  erarbeitet.

"Das über 1000 Jahre währende Zusammenspiel von Mensch und Natur hat den Südschwarzwald geprägt. Um diese abwechslungs- und artenreiche Landschaft zu erhalten, wollen wir im Biosphärengebiet Schwarzwald alte Traditionen mit neuen Ideen verbinden und damit Zukunftsperspektiven für Mensch und Natur schaffen.“

Walter Kemkes