Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb

Fundorte der ältesten mobilen Kunstwerke weltweit

Diese jüngste Welterbestätte Deutschlands liegt im östlichen Teil von Baden-Württemberg in den Tälern von Ach und Lone. Sie ist die 42. UNESCO-Welterbestätte in Deutschland und umfasst die Fundorte der ältesten mobilen Kunstwerke der Welt, deren Bedeutung für das Verständnis der Menschheitsgeschichte und die Entwicklung der Künste weltweit einzigartig ist.

Faktenbox

Zu den sechs Teilgebieten der in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommenen Höhlenfundstellen zählen drei Höhlen im nordöstlich von Ulm gelegenen Lonetal – Vogelherdhöhle, Hohlenstein Stadel-Höhle und Bocksteinhöhle – sowie drei Höhlen im westlich von Ulm gelegenen Achtal bei Blaubeuren - Geißenklösterle, Hohle Fels und Sirgensteinhöhle. In all diesen Höhlen konnten durch archäologische Ausgrabungen seit den 1860er Jahren Schichten des Aurignacien mit Schmuck- und Kunstobjekten freigelegt werden, die zwischen 35.000 und 43.000 Jahre alt sind. Die Höhlen bieten eine weltweit einzigartige Konzentration von Fundplätzen. Das Auftreten der ältesten Kunst- und Musikobjekte in mehreren Fundstellen innerhalb einer Mikroregion verdeutlicht die Bedeutung von Ach- und Lonetal als zentrale Siedlungsareale der frühesten modernen Menschen in Europa.

„Caves and Ice Age Art in the Swabian Jura provides an exceptional testimony to the culture of the first modern humans to settle in Europe. […] The art objects are among the oldest yet to be found in the world and the musical instruments are the oldest that have been found to date worldwide.”

(Statement of Outstanding Universal Value, 2017)

Das Elfenbein-Mammut, die Venus und der Löwenmensch

Die neue Welterbestätte liegt in der höhlenreichsten Landschaft Deutschlands, der Schwäbischen Alb, und im gleichnamigen UNESCO Global Geopark. Als sich die ersten modernen Menschen während der letzten Eiszeit vor 43.000 Jahren in Europa niederließen, siedelten sie auch in den zahlreichen Schutz bietenden Höhlen der Schwäbischen Alb. Hier hinterließen sie die ältesten mobilen Kunstwerke der Welt. Bisher wurden über 50 aus Elfenbein oder Knochen gearbeitete Figuren gefunden. Die Mehrheit der bislang gefundenen Kunstobjekte bilden die Fauna der eiszeitlichen Landschaft, einer Steppentundra, ab und zeigen Tiere wie das Elfenbein-Mammut aus der Vogelherdhöhle oder auch Wisent, Pferd, Höhlenlöwe oder Höhlenbär und Darstellungen kleinerer Tiere wie zum Beispiel ein Wasservogel oder ein Fisch. Besonders hervorzuheben sind die Darstellungen von Menschen sowie Mischwesen von Mensch und Tier. Dazu zählen die Venus vom Hohle Fels, weltweit bekannt als die bisher älteste Frauendarstellung ihrer Art, und der Löwenmensch aus dem Hohlenstein-Stadel. Zudem wurden hier die ältesten bisher bekannten Flöten weltweit gefunden. Sie gelten als der direkte Nachweis, dass die eiszeitlichen Jäger und Sammler bereits Musik machten.

Wie die Erklärung zum außergewöhnlichen universellen Wert darlegt, handelt es sich bei der Stätte um ein herausragendes Beispiel der Kultur der ersten modernen Menschen in Europa (Kriterium iii), die zudem einen weltweit einzigartigen Beitrag zur Erforschung des Jungpaläolithikums und der Entwicklung der Künste darstellt.

Publikation

Modellregionen für nachhaltige Entwicklung - UNESCO-Geoparks und die Globale Nachhaltigkeitsagenda: Schwäbische Alb.
Deutsche UNESCO-Kommission, 2017

Auf den Spuren der menschlichen Entwicklung: ur- und frühgeschichtliche Stätten auf der Welterbeliste

Im Rahmen der Überarbeitung der deutschen Tentativliste für das UNESCO-Welterbe wurden die Höhlen im Ach- und Lonetal als herausragendes Beispiel frühmenschlicher Kultur identifiziert und 2015 in die nationale Vorschlagsliste für das UNESCO-Welterbe aufgenommen.

Darüber hinaus hat das UNESCO-Welterbezentrum zur besseren Repräsentation ur- und frühgeschichtlicher Stätten auf der Welterbeliste das Programm HEADS (Human Evolutions: Adaptations, Dispersals and Social Developments) entwickelt. Im Rahmen dieses Programms wurden unter anderem Fundstätten frühgeschichtlicher menschlicher Präsenz wie der 2016 eingeschriebene Höhlenkomplex von Gorham im britischen Gibraltar und die Dolmenstätten von Antequera in Spanien als wichtige Zeugnisse der menschlichen Evolution identifiziert, aber auch die Natur- und Kulturlandschaft des Ennedi-Massivs im Tschad, die weltbekannten Prähistorischen Stätten im Vézère-Tal im Südwesten Frankreichs mit u.a. der Höhle von Lascaux oder die 758 Fundstätten der vorgeschichtlichen Felskunst des Mittelmeerbeckens auf der Iberischen Halbinsel.

Sie alle ermöglichen wertvolle Einblicke in die Ursprünge unserer Entwicklungsgeschichte, unserer kulturellen Vielfalt und deren Ausdrucksformen. Der 2010 vom Welterbekomitee verabschiedete Aktionsplan des HEADS-Programms zur Unterstützung ur- und frühgeschichtlicher Stätten konzentriert sich insbesondere auf die stärkere Verbindung von Erforschung und Erhaltung der Stätten und die Identifizierung weiterer außergewöhnlicher Relikte der menschlichen Evolution.

Porträtserie

Im Rahmen der 41. Sitzung des UNESCO-Welterbekomitees im Juli 2017 in Krakau wurden 21 Stätten neu in die Liste des Welterbes aufgenommen. In ihrer Gesamtheit versinnbildlichen sie die Vielfalt und Bandbreite des gemeinsamen Erbes der Menschheit, dessen Erhaltung und Pflege sich die internationale Staatengemeinschaft 1972 mit dem "Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt" verschrieben hat.

Porträtserie

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