#SOSAfricanHeritage

UNESCO-Welterbe Nationalpark Taï: Zoonosen in Zeiten von Pandemien

Mit zielgruppengerechtem Informationsmaterial, verbesserten Naturschutzmaßnahmen  und einer neuen Datenbank soll die lokale Bevölkerung der Welterbestätte Nationalpark Taï für die Zusammenhänge von Umweltzerstörung und menschlicher Gesundheit sensibilisiert werden und mittel- und langfristig ihre Praktiken verändern.

Das Sonderprogramm

Ziel des Sonderprogramms #SOSAfricanHeritage der Deutschen UNESCO-Kommission ist es, an 22 Welterbestätten und Biosphärenreservaten in Ländern Afrikas zum Erhalt selbstständiger und dauerhaft tragfähiger Organisationsstrukturen beizutragen sowie Räume zu sichern, die der Bildung für Weltoffenheit und Nachhaltigkeit sowie der kulturellen Vielfalt gewidmet sind. 

Alle 22 Förderprojekte

Der Nationalpark Taï ist einer der letzten großen Überreste des primären Tropenwaldes in Westafrika. Seine reiche natürliche Flora und bedrohte Säugetierarten wie das Zwergflusspferd und elf Affenarten sind von großem wissenschaftlichen Interesse. Die Naturerbestätte, die gleichzeitig auch UNESCO-Biosphärenreservat ist, liegt an der Grenze zu Liberia im Südwesten der Elfenbeinküste, etwa 200 km südlich von Man und 100 km von der Küste entfernt. Das südliche Drittel ist das feuchteste und vielfältigste Gebiet, insbesondere vielfältig an Hülsenfrüchten.  

Im Park durchgeführte Forschungsarbeiten haben bestimmte Viren und Krankheiten wie Tuberkulose, Milzbrand oder Streptokokken in den Tierpopulationen des Standortes nachgewiesen. Bei Primaten sind diese Viren und Bakterien eine Bedrohung für die Tierpopulationen und ein Risikofaktor für die Entstehung von Zoonosen. Zoonosen sind Infektionskrankheiten, die auf natürliche Weise zwischen Menschen und anderen Wirbeltieren übertragen werden können. Darüber hinaus schwächen Goldwaschungen, Rodungen und Wilderei das vom Parkmanagement gepflegte Gleichgewicht. 

Einschränkungen durch Pandemie 

Eine Diagnose über den Ursprung von Covid-19 lässt erkennen, dass es sich um eine Krise der biologischen Vielfalt handelt: Ein ökologisches Gleichgewicht hält das Reservoir millionenfacher Krankheitserreger bei Wildtieren in Schach. Doch der Rückgang an Vielfalt in der Pflanzen- und Tierwelt hat dazu geführt, dass 70 Prozent der neu auftretenden Infektionen zoonotischen Ursprungs sind. Der Park Taï ist hierfür eine natürliche Schutzbarriere, die jedoch von der lokalen Bevölkerung, die weiterhin umweltzerstörende Praktiken anwendet, nicht ausreichend wahrgenommen wird. Zudem hat die aktuelle Pandemie zu einer Einschränkung der Managementaktivitäten im Park geführt.

Abhilfe durch Wissensvermittlung  

Ziel des von der Deutschen UNESCO-Kommission im Rahmen des Sonderprogramms #SOSAfricanHeritage geförderten Projekts ist es, die mit der Erosion der Biodiversität verbundenen Risiken anzugehen. Aktivitäten, die die Bevölkerung über Zoonosen und Hygienemaßnahmen informieren und ihr Wissen darüber vertiefen, stehen im Zentrum des Projektes. Die lokale Bevölkerung soll so für die Zusammenhänge von Umweltzerstörung und menschlicher Gesundheit sensibilisiert werden und mittel- und langfristig ihre Praktiken verändern. Ergebnisse sind unter anderem eine neue Datenbank, zielgruppengerechtes Informationsmaterial sowie verbesserte Naturschutzmaßnahmen durch ausgebildetes Nationalparkpersonal. 

Das Konsortium

Mit dem Sonderporgramm beteiligt sich die Deutsche UNESCO-Kommission am Konsortium des Internationalen Hilfsfonds 2020, der auf Initiative des Auswärtigen Amtes und des Goethe-Instituts im Sommer 2020 eingerichtet wurde, um Organisationen aus Kultur und Bildung im Ausland schnell in der Corona-Pandemie zu unterstützen.

Website des Hilfsfonds

Das Förderprojekt

  • Geförderte Stätte: Nationalpark Taï
  • Land: Côte d’Ivoire
  • Art der Stätte: Biosphärenreservat und UNESCO-Welterbe (Naturerbe)
  • Auszeichnungsjahr UNESCO-Biosphärenreservat: 1977
  • Auszeichnungsjahr UNESCO-Welterbe: 1982

 

Website des UNESCO Man and Biosphere Programms

Website des UNESCO-Welterbezentrums

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