Schulpartnerschaften während Covid-19

Rüsselsheim – Bergamo

Im Jahr 2019 fanden die ersten Schulbegegnungen in Rüsselsheim und Bergamo statt, bei denen die unweit beider Schulen liegenden UNESCO-Welterbestätten eine große Rolle spielten. Der für September 2020 geplante Austausch in Rüsselsheim kann nun aufgrund der Pandemie nicht stattfinden. Lehrerin Flavia Melchionna erzählt von der dramatischen Situation in Norditalien.

Schulpartnerschaft

Seit 2019 pflegen das Instituto d‘Istruzione Superiore Caterina Caniana Polo della Grafica e della Moda (Bergamo, Italien) und die Alexander-von-Humboldt-Schule (Rüsselsheim) eine Schulpartnerschaft.

Publikation

We Are All Global Citizens.
Deutsche UNESCO-Kommission, 2020

Wie ist Ihre Schule konkret von der Krise betroffen?

Bergamo ist die Stadt mit den meisten Todesopfern landesweit. Jede und jeder hier kennt jemanden, der oder die an COVID-19 erkrankt oder gestorben ist, oder ist selbst erkrankt. Einige Lehrkräfte haben die Krankheit überstanden – auch unser Schulleiter, der in Deutschland behandelt wurde, weil die Kapazitäten hier nicht ausreichten. Die Schulen wurden bereits Ende Februar geschlossen und bleiben bis September zu. Der Unterricht wird aber fortgesetzt, wir arbeiten mit einer digitalen Plattform.

Wie gehen die Lehrkräfte und die Schülerinnen und Schüler Ihrer Schule mit der aktuellen Situation um?

Wir Lehrkräfte unterrichten vormittags laut Stundenplan, nachmittags bereiten wir die nächsten Unterrichtsstunden vor und laden Materialien auf die Plattform hoch. Positiv ist der gesteigerte Zusammenhalt unter den Lehrkräften. Wir haben uns zudem verantwortlich gefühlt, unsere Schülerinnen und Schüler emotional zu stärken. Das Homeschooling war für viele Belastung und Anker zugleich.

Mitteilungen aus Bergamo

Welche Schwierigkeiten und Probleme machen das Leben – auch jenseits der Frage nach schulischer Bildung – aktuell aus?

Viele Schülerinnen und Schüler haben ihre Großeltern verloren, manche ihre Eltern. Die Kapazitäten der Krematorien und Friedhöfe in Bergamo reichten nicht aus. Trauerfeiern wurden untersagt. Keine letzten Worte, kein Händehalten, keine tröstende Nähe. Während des totalen Lockdowns war außer Arzt- und Apothekenbesuchen und Lebensmitteleinkäufen alles verboten. Wir haben die ganze Zeit zu Hause ausgehalten. Dort haben wir uns auch am sichersten gefühlt.

Gibt es besondere Erfahrungen und/oder kreative Momente, die vor Ort Hoffnung machen und die Menschen auch jetzt in der Krise stärken?

Auch jetzt, seitdem das Schlimmste überstanden ist und die Fallzahlen niedrig sind, lässt uns das Geschehen betäubt zurück und wir unternehmen zaghaft erste Schritte in die neue Normalität. Was bleibt, ist die kollektive Trauer, die große Solidarität, die große gefühlte menschliche Nähe aus der Distanz. Die große Verunsicherung verbindet sich aber auch mit der Hoffnung, dass bald entweder Medikamente oder ein Impfstoff diesem Albtraum ein Ende setzen.

Nachricht vom 23. Mai 2020

Publikation

We Are All Global Citizens. Plakat.
Deutsche UNESCO-Kommission, 2020

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