Das UNESCO-Welterbekomitee hat heute bei seiner Tagung im südkoreanischen Busan elf neue Stätten in die Liste des Kultur- und Naturerbes der Welt aufgenommen. Zu den Neuaufnahmen gehören unter anderem die bemerkenswert gut erhaltenen Knochenfisch-Fossilien des westlichen Limfjords in Dänemark, das Wildtierschutzgebiet Okefenokee in den USA und die Medinas der historischen Sultanate der Komoren, die erste Welterbestätte des ostafrikanischen Inselstaats. Zudem wurde das Naturerbe Getbol, das Wattenmeer vor der Küste Südkoreas, erweitert.

Das UNESCO-Komitee setzt seine Beratungen über weitere Aufnahmen in die Welterbeliste morgen fort.

Erweiterung

Getbol, koreanische Wattflächen (Südkorea)

An der Westküste der koreanischen Halbinsel erstrecken sich die weitläufigen Wattgebiete des Gelben Meeres, die seit 2021 auf der Liste des UNESCO-Welterbes stehen. Die Getbol zählen zu den bedeutendsten Gezeitenlandschaften der Welt. Das Watt wird hier fortlaufend von Ebbe und Flut geformt, die immer neue Lebensräume schaffen. Die Getbol beherbergen fast 2.500 Tier- und Pflanzenarten, was sie zu einem der wichtigsten Rastplätze für Millionen Zugvögel in Ostasien macht. Die Welterbestätte wurde nun erweitert.

Neuaufnahmen

Stätten der handwerklichen Porzellanindustrie von Jingdezhen (China) 

Die Orte der handwerklichen Porzellanindustrie von Jingdezhen zeigen, wie sich in China zwischen dem 10. und 19. Jahrhundert ein hochentwickeltes System der Porzellanherstellung entwickelt hat. Ab dem 16. Jahrhundert galt die Stadt dank einer ausgeklügelten Infrastruktur als globales Zentrum der Keramikfertigung: Rohstoffe und Brennmaterial wurden über Wasserwege zu den Produktionsstätten gebracht, die ihrerseits mit den Absatzmärkten verbunden waren. Besonders das blau-weiße Porzellan aus Jingdezhen wurde zu einem wichtigen Symbol chinesischer Kultur.

Knochenfisch-Fossilien des westlichen Limfjords (Dänemark)

An den Steilküsten des westlichen Limfjords in Nordjütland geben außergewöhnlich gut erhaltene Fossilien Einblick in eine frühe Phase der Entwicklung moderner Knochenfische. Die Funde stammen aus der Zeit kurz nach dem letzten großen Massenaussterben. Sie zeigen, wie sich das Leben während der rapiden Klimaerwärmung vor 55 Millionen Jahren, dem sogenannten Paläozän/Eozän-Temperaturmaximum, und dem anschließenden kühleren Zeitabschnitt veränderte. Die Küsten von Hanklit und Knudeklint gelten als weltweit einzigartiges Zeugnis für die frühe Entwicklung mariner Ökosysteme und den Zusammenhang von Evolution und Klimawandel.

Buddhistische Stätte von Sarnath (Indien)

Sarnath bei Varanasi gehört zu den wichtigsten Orten des Buddhismus. Hier soll Siddhartha Gautama nach seiner Erleuchtung seinen ersten Schülern gepredigt haben. Über viele Jahrhunderte entstand an dem Ort ein bedeutendes Pilgerzentrum mit Stupas, Tempeln und Klosteranlagen. Die erhaltenen archäologischen und baulichen Zeugnisse machen die lange religiöse Tradition des Ortes sichtbar. Sarnath steht für ein zentrales Ereignis der buddhistischen Geschichte und gilt als eine der wichtigsten Pilgerstätten der Religion.

Meeresreservat von Akaba (Jordanien) 

Das Meeresschutzgebiet im äußersten Norden des Roten Meeres beheimatet ein außergewöhnlich artenreiches Netz aus tropischen Korallenriffen und Seegraswiesen. Die verschiedenen Lebensräume bilden gemeinsam einen wichtigen Rückzugsraum für zahlreiche endemische, seltene und bedrohte Arten. Bekannt ist das Gebiet vor allem für seine außergewöhnlich widerstandsfähigen und an hohe Temperaturen angepassten Korallen, die als besonders resistent gegenüber den Folgen des Klimawandels gelten.

Felsmoscheen und heilige Stätten von Mangghystau (Kasachstan) 

In Mangghystau im Westen Kasachstans liegen fünf in den Fels gehauene Moscheen, die eng mit dem Sufismus verbunden sind: Shopan-Ata, Karaman-Ata, Shakpak-Ata, Sultan-Epe und Beket-Ata wurden zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert in natürlichen Höhlen und steilen Felswänden errichtet. Vor Ort auch als „unterirdische Moscheen“ bekannt, gehören zu den Anlagen Friedhöfe, Heiligengräber, Wasserquellen, Wege und als Heiligtümer verehrte Bäume. Sie entstanden in einer nomadisch geprägten Region, in der sich islamische Frömmigkeit mit älteren Vorstellungen von Ahnen- und Landschaftsverehrung verband.

Die Medinas der historischen Sultanate der Komoren (Komoren) 

Auf den Komoren bewahren sechs historische Städte das Erbe der alten Sultanate im Indischen Ozean. Aus frühen Siedlungskernen entwickelten sich um das 14. und 15. Jahrhundert städtische Zentren, die eng mit der Swahili-Gesellschaft verbunden waren. Die Medinas haben ihre historische Gestalt weitgehend bewahrt und sind bis heute von lebendigen Traditionen geprägt. Die Architektur ihrer Paläste, Plätze, Häuser und Befestigungen zeugt vom kulturellen Austausch entlang der historischen Handelsrouten des Indischen Ozeans. So spiegeln die Städte die besondere Geschichte der Komoren als Knotenpunkt zwischen Afrika, der arabischen Welt und Europa bis heute wider. Es handelt sich um die erste Welterbestätte des afrikanischen Landes.

Die Grabkomplexe des Xiongnu-Adels (Mongolei) 

In der Mongolei zeugen mehrere Grabkomplexe von den Xiongnu. Die Reiternomaden schufen zwischen dem 3. Jahrhundert v. Chr. und dem 2. Jahrhundert n. Chr. ein mächtiges Reich auf dem Gebiet der heutigen Mongolei. Sie standen mit Han-China in Kontakt und kontrollierten wichtige Abschnitte der Seidenstraße. Die Gräber gewähren bedeutende Einblicke in die Bestattungskultur der Xiongnu, die noch immer nicht vollends erforscht ist. Grabbeigaben wie Pferdewagen, Waffen und Werkzeuge geben Aufschluss über das Leben und soziale Gefüge der verschwundenen Zivilisation.

Klosteranlage Wat Phra Mahathat Woramahawihan (Thailand)

Wat Phra Mahathat Woramahawihan ist ein bedeutendes buddhistisches Kloster in der Provinz Nakhon Si Thammarat im Süden Thailands. An einem Knotenpunkt zwischen Indischem und Pazifischem Ozean gelegen, ist es seit seiner Gründung im 8. Jahrhundert ein religiöses Zentrum der Region. Architektur und Kunst der Klosteranlage zeugen vom intensiven Austausuch zwischen verschiedenen Glaubensformen in Südostasien und hatten Einfluss auf das Bauen in Thailand, Malaysia und darüber hinaus.

Sidi Bou Saïd (Tunesien) 

Auf einem Hügel über dem Mittelmeer liegt im Norden Tunesiens das Dorf Sidi Bou Saïd. Es entstand rund um das Mausoleum des gleichnamigen Sufi-Heiligen, der sich im 13. Jahrhundert hier niederließ. Ab dem 16. Jahrhundert verbanden verschiedene Herrscherhäuser ihre weltliche Macht mit der religiösen Autorität des Heiligen. Insbesondere die Husainiden entwickelten das Dorf zu einem Rückzugsort für die Eliten des Landes. Mit dem Heiligengrab im Zentrum ist Sidi Bou Saïd ein eindrucksvolles Zeugnis traditioneller arabisch-islamischer Stadtplanung, das durch vornehme Wohnarchitektur aus dem 19. und 20. Jahrhundert bereichert wird.

Wadi Wurayah (Vereinigte Arabische Emirate) 

Wadi Wurayah in den Vereinigten Arabischen Emiraten ist eine seltene Süßwasserlandschaft inmitten einer von Trockenheit geprägten Region. Zwischen den schroffen Felsen des Hadschar-Gebirges finden sich das ganz Jahre über Quellen, Bäche und Wasserbecken, die zahlreichen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum bieten. Möglich wird das durch ein besonderes Zusammenspiel von Geologie, Niederschlag und Grundwasser im Gebirge. Wadi Wurayah zeigt eindrucksvoll, wie selbst unter extrem ariden Bedingungen komplexe Süßwasser-Ökosysteme bestehen können.

Nationales Wildtierschutzgebiet Okefenokee (Vereinigte Staaten von Amerika)  

Im Südosten der USA schützt das Okefenokee National Wildlife Refuge einen weltweit einzigartigen subtropischen Sumpf an der Grenze zwischen Georgia und Florida. Das Gebiet gehört zu den größten und am besten erhaltenen Ökosystemen der nordamerikanischen Küstenebene. In dem Mosaik aus Feuchtgebieten und Savannen stehen Wasser, Feuer, Pflanzen- und Tierwelt in einem äußerst dynamischen Gleichgewicht. Dieses Zusammenspiel schafft Lebensräume für zahlreiche endemische Arten. Zugleich ist die Landschaft von historischer und spiritueller Bedeutung für die Muscogee Nation.

Hintergrund

Das UNESCO-Welterbekomitee tagt vom 19. bis 29. Juli in Busan, Südkorea. Es ist das wichtigste mit der Umsetzung der Welterbekonvention betraute Gremium. Es entscheidet in der Regel jährlich über die Einschreibung neuer Kultur- und Naturstätten in die Welterbeliste und befasst sich mit dem Erhaltungszustand eingeschriebener Stätten. Für die UNESCO-Liste des Kultur- und Naturerbes der Welt sind in diesem Jahr rund 30 Stätten nominiertExterner Link:. Derzeit vereint sie mehr als 1.250 Kultur- und NaturstättenExterner Link: in 171 Ländern. 58 davon gelten als bedrohtExterner Link:. Deutschland verzeichnet aktuell 55 WelterbestättenExterner Link:.

Weitere Informationen

Neue Welterbestätten 2026

Pressematerial zur 48. Sitzung des UNESCO-Welterbekomitees

Website zur 48. Sitzung des UNESCO-WelterbekomiteesExterner Link:

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