Naturerbestätten
Naturerbestätten zeichnen sich durch außergewöhnliche natürliche Schönheit, einzigartige Ökosysteme, geologische Vielfalt oder das Vorkommen seltener Arten aus. Sie repräsentieren den herausragenden Wert der Natur für die gesamte Menschheit und werden zum Schutz und zur Bewahrung für zukünftige Generationen ausgewiesen.
Knochenfisch-Fossilien des westlichen Limfjords (Dänemark)
An den Steilküsten des westlichen Limfjords in Nordjütland geben außergewöhnlich gut erhaltene Fossilien Einblick in eine frühe Phase der Entwicklung moderner Knochenfische. Die Funde stammen aus der Zeit kurz nach dem letzten großen Massenaussterben. Sie zeigen, wie sich das Leben während der rapiden Klimaerwärmung vor 55 Millionen Jahren, dem sogenannten Paläozän/Eozän-Temperaturmaximum, und dem anschließenden kühleren Zeitabschnitt veränderte. Die Küsten von Hanklit und Knudeklint gelten als weltweit einzigartiges Zeugnis für die frühe Entwicklung mariner Ökosysteme und den Zusammenhang von Evolution und Klimawandel.

Meeresreservat von Akaba (Jordanien)
Das Meeresschutzgebiet im äußersten Norden des Roten Meeres beheimatet ein außergewöhnlich artenreiches Netz aus tropischen Korallenriffen und Seegraswiesen. Die verschiedenen Lebensräume bilden gemeinsam einen wichtigen Rückzugsraum für zahlreiche endemische, seltene und bedrohte Arten. Bekannt ist das Gebiet vor allem für seine außergewöhnlich widerstandsfähigen und an hohe Temperaturen angepassten Korallen, die als besonders resistent gegenüber den Folgen des Klimawandels gelten.


Getbol, koreanische Wattflächen (Südkorea) - Erweiterung
An der Westküste der koreanischen Halbinsel erstrecken sich die weitläufigen Wattgebiete des Gelben Meeres, die seit 2021 auf der Liste des UNESCO-Welterbes stehen. Die Getbol zählen zu den bedeutendsten Gezeitenlandschaften der Welt. Das Watt wird hier fortlaufend von Ebbe und Flut geformt, die immer neue Lebensräume schaffen. Die Getbol beherbergen fast 2.500 Tier- und Pflanzenarten, was sie zu einem der wichtigsten Rastplätze für Millionen Zugvögel in Ostasien macht. Die Welterbestätte wurde nun erweitert.
Boma-Badingilo (Südsudan)
Boma-Badingilo im Südsudan umfasst weite Savannen, Überschwemmungs- und Feuchtgebiete sowie Waldlandschaften zwischen der ostsudanesischen Savanne und dem Sudd, einem der größten Sumpfgebiete weltweit. Das Gebiet beherbergt eine der letzten großen Tierwanderungen der Erde. Dank eines weitgehend unzerschnittenen Netzwerks aus Wanderkorridoren und saisonalen Lebensräumen ziehen jedes Jahr Millionen Weißohr-Moorantilopen, Tiangs und Mongalla-Gazellen durch das Gebiet und folgen den jahreszeitlichen Veränderungen von Wasser- und Nahrungsangebot. Die Wanderung prägt die ökologischen Prozesse der Region. Neben den großen Antilopenherden bietet die Region Lebensraum für Elefanten, Löwen, Leoparden, Wildhunde und andere Arten. Boma-Badingilo wurde aufgrund von Wilderei, Siedlungsdruck und Landnutzungskonflikten zudem in die Liste des gefährdeten Welterbes aufgenommen.


Wadi Wurayah (Vereinigte Arabische Emirate)
Wadi Wurayah in den Vereinigten Arabischen Emiraten ist eine seltene Süßwasserlandschaft inmitten einer von Trockenheit geprägten Region. Zwischen den schroffen Felsen des Hadschar-Gebirges finden sich das ganz Jahre über Quellen, Bäche und Wasserbecken, die zahlreichen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum bieten. Möglich wird das durch ein besonderes Zusammenspiel von Geologie, Niederschlag und Grundwasser im Gebirge. Wadi Wurayah zeigt eindrucksvoll, wie selbst unter extrem ariden Bedingungen komplexe Süßwasser-Ökosysteme bestehen können.
Nationales Wildtierschutzgebiet von Okefenokee (Vereinigte Staaten von Amerika)
Im Südosten der USA schützt das Okefenokee National Wildlife Refuge einen weltweit einzigartigen subtropischen Sumpf an der Grenze zwischen Georgia und Florida. Das Gebiet gehört zu den größten und am besten erhaltenen Ökosystemen der nordamerikanischen Küstenebene. In dem Mosaik aus Feuchtgebieten und Savannen stehen Wasser, Feuer, Pflanzen- und Tierwelt in einem äußerst dynamischen Gleichgewicht. Dieses Zusammenspiel schafft Lebensräume für zahlreiche endemische Arten. Zugleich ist die Landschaft von historischer und spiritueller Bedeutung für die Muscogee Nation.

Gemischte Stätten
Gemischte Stätten sind UNESCO-Welterbestätten, die sowohl Kriterien des Natur- als auch des Kulturerbes erfüllen. Sie zeichnen sich durch eine einzigartige Kombination aus natürlichen und kulturellen Werten aus, die gemeinsam geschützt und bewahrt werden sollen.
Das weitere Umgebung des Olymp (Griechenland)
Der Olymp ist der höchste Berg Griechenlands und ein zentraler Bezugspunkt der griechischen Mythologie. Die dramatische Landschaft prägte die Vorstellungen der antiken Griechen von der göttlichen Welt, wovon unter anderem die Überreste eines Zeus-Heiligtums auf dem Gipfel Agios Antonios zeugen. Am Fuß des Olymp befindet sich mit Dion zudem eines der bedeutendsten religiösen Zentren der antiken griechischen Welt. Von hier aus verbreiteten sich die mit dem Olymp verbundenen Mythen und religiösen Vorstellungen und beeinflussten über Jahrtausende Literatur, Kunst und Kultur. Zugleich gehört die Region zu den artenreichsten Gebirgslandschaften Europas. So verbindet die Stätte auf einzigartige Weise Naturerbe und Kulturgeschichte.

Kulturerbestätten
Kulturerbestätten sind Orte, die aufgrund ihrer historischen, kulturellen, künstlerischen, wissenschaftlichen oder sozialen Bedeutung für die Menschheit von besonderem Wert sind. Sie können Denkmäler, Stätten, Gebäude, Kulturlandschaften oder auch ganze Ensembles umfassen.

Theater Amazoniens (Brasilien)
Als der Kautschukboom das Amazonasgebiet im späten 19. Jahrhundert zu einer der wichtigsten Wirtschaftsregionen der Welt machte, entstanden zwei außergewöhnliche Bauwerke: das Teatro Amazonas in Manaus und das Theatro da Paz in Belém. Finanziert durch den Reichtum des Kautschukhandels, verbanden die prachtvollen Opernhäuser europäische Architektur- und Kunsttraditionen mit Materialien und Motiven der Region. Bis heute sind sie wichtige Orte des kulturellen Lebens.
Stätten der handwerklichen Porzellanindustrie von Jingdezhen (China)
Die Orte der handwerklichen Porzellanindustrie von Jingdezhen zeigen, wie sich in China zwischen dem 10. und 19. Jahrhundert ein hochentwickeltes System der Porzellanherstellung entwickelt hat. Ab dem 16. Jahrhundert galt die Stadt dank einer ausgeklügelten Infrastruktur als globales Zentrum der Keramikfertigung: Rohstoffe und Brennmaterial wurden über Wasserwege zu den Produktionsstätten gebracht, die ihrerseits mit den Absatzmärkten verbunden waren. Besonders das blau-weiße Porzellan aus Jingdezhen wurde zu einem wichtigen Symbol chinesischer Kultur.


Siedlungen der Berliner Moderne (Deutschland) - Erweiterung
Die Berliner Siedlungen der Moderne gehören seit 2008 zum UNESCO-Welterbe und wurden jetzt um die Waldsiedlung Zehlendorf erweitert. Sie zeigen beispielhaft, welche Antworten im frühen 20. Jahrhundert auf die Wohnungsfrage gefunden wurden. Mit ihrer Kombination aus Stadtplanung, Architektur und Gartengestaltung sowie der Anwendung neuer sozialer und Hygienestandards sind sie Ausdruck einer breiten Reform des Wohnungs- und Siedlungsbaus. Die nun sieben Welterbe-Siedlungen stehen damit für einen entscheidenden Aufbruch: für bessere Wohnbedingungen, modernes Planen und ein neues Verständnis vom Leben in der Stadt.
Werke Aaltos (Finnland)
Die Arbeiten des Architekten Alvar Aalto in Finnland umfassen dreizehn moderne Gebäude und Ensembles, die zwischen den späten 1920er- und den 1980er-Jahren entstanden. Sie zeigen, wie Alvar Aalto gemeinsam mit seinen Ehefrauen Aino Marsio-Aalto und später Elissa Aalto sowie dem Aalto-Studio die Ideen der Moderne mit lokalen Bautraditionen verband. Die Arbeiten der Aaltos zeichnen sich durch eine ebenso orts- wie menschenbezogene Planung aus. Die Bauwerke sind sorgfältig in ihre Umgebung eingebettet und von einem sensiblen Umgang mit Licht, Raumfolgen und natürlichen wie industriellen Materialien geprägt.


Die königlichen Festungen der Kapetinger im Languedoc (Frankreich)
Im Südwesten Frankreichs entstand im 13. und 14. Jahrhundert unter der Herrschaft der Kapetinger ein dichtes Netz von Befestigungen, das von Carcassonne aus verwaltet wurde. Die Anlagen dienten dem Schutz eroberter Gebiete, der Kontrolle von Verkehrswegen und der Durchsetzung königlicher Macht. Zum System gehören die Burg Carcassonne mit ihren doppelten Ringmauern sowie mehrere Festungen in der felsigen Landschaft zwischen Montagne Noire und den Pyrenäen. Sie zeugen von einer standardisierten, für die Ebenen der Ile-de-France entwickelten Wehrarchitektur, die sorgfältig an die topografischen Gegebenheiten des neuen Terrains angepasst wurde.
Landungsstrände der Alliierten, Normandie, 1944 (Frankreich)
Die Strände der alliierten Landung in der Normandie stehen für einen Wendepunkt des Zweiten Weltkriegs. Hier wurde am 6. Juni 1944 eine neue Front gegen das nationalsozialistische Deutschland eröffnet. Die Stätte erinnert an die großen menschlichen Opfer zur Befreiung Europas und die enge militärische, logistische und politische Zusammenarbeit der Alliierten. Als Ort der Erinnerung ist die Küste bis heute untrennbar mit einem der folgenreichsten Ereignisse des 20. Jahrhunderts verbunden, das den Anfang vom Ende des Krieges in Westeuropa markiert. Das Welterbe umfasst die fünf Landungsstrände Utah, Omaha, Gold, Juno und Sword Beach sowie die Steilküste von Pointe du Hoc.


Buddhistische Stätte von Sarnath (Indien)
Sarnath bei Varanasi gehört zu den wichtigsten Orten des Buddhismus. Hier soll Siddhartha Gautama nach seiner Erleuchtung seinen ersten Schülern gepredigt haben. Über viele Jahrhunderte entstand an dem Ort ein bedeutendes Pilgerzentrum mit Stupas, Tempeln und Klosteranlagen. Die erhaltenen archäologischen und baulichen Zeugnisse machen die lange religiöse Tradition des Ortes sichtbar. Sarnath steht für ein zentrales Ereignis der buddhistischen Geschichte und gilt als eine der wichtigsten Pilgerstätten der Religion.
Die Burg Alamūt und zugehörige Befestigungsanlagen (Iran)
Im Elburs-Gebirge im Norden Irans liegen sieben Burgen und Befestigungen, die eng mit der Geschichte der Nizariten – auch als Assassinen bekannt – verbunden sind. Im Zentrum steht die Burg Alamut, die auf einem steilen Felsrücken in 2100 Metern Höhe errichtet wurde. Sie wurde im späten 11. Jahrhundert zum politischen Zentrum des nizaritisch-ismailitischen Staates. Alamut und die Festungen im darunterliegenden Tal zeigen, wie eng die strategische Lage, die Wehrarchitektur und politische Organisation der Nizariten miteinander verbunden waren. Zugleich zeugen sie von den kulturellen Traditionen, die sich hier zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert entfalteten.


Das System der italienischen Condominio-Theater des 18. und 19. Jahrhunderts in Mittelitalien (Italien)
Die italienischen Condominio-Theater in Mittelitalien stehen für einen grundlegenden Wandel der Theaterkultur im 18. und 19. Jahrhundert. Aus Orten aristokratischer Unterhaltung wurden kulturelle Einrichtungen, die vom aufstrebenden Bürgertum getragen wurden. Möglich machte dies ein besonderes Modell gemeinschaftlichen Eigentums: Öffentliche Stellen und wohlhabende Bürgerinnen und Bürger finanzierten Bau und Betrieb zusammen. Das ermöglichte die Verbreitung von Theatern auch in kleineren Städten und machte sie zu Räumen architektonischer Innovation und gesellschaftlicher Begegnung. Viele dieser Häuser sind bis heute lebendige Zentren des kulturellen Lebens.
Alte Hauptstädte Asuka und Fujiwara (Japan)
In Japan erinnern zahlreiche archäologische Fundstätten an die frühen aufeinanderfolgenden Hauptstädte Asuka und Fujiwara, die zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert entstanden. Palast- und Verwaltungsanlagen, Tempel und Grabhügel zeigen, wie sich auf dem japanischen Archipel unter dem Einfluss Chinas und der koreanischen Halbinsel ein zentralisierter Staat herausbildete. Die Stätte steht für die Verbindung lokaler Traditionen mit neuen politischen, religiösen und baulichen Konzepten. So zählt mit Asuka-dera auch der erste buddhistische Tempel Japans zum Welterbe. Von Asuka und Fujiwara gingen wichtige Impulse für die Entwicklung späterer Hauptstädte wie Nara und Kyoto aus. Die Stätte dokumentiert damit einen entscheidenden Abschnitt der Stadtentwicklung und Staatsbildung in Ostasien.


Felsmoscheen und heilige Stätten von Mangghystau (Kasachstan)
In Mangghystau im Westen Kasachstans liegen fünf in den Fels gehauene Moscheen, die eng mit dem Sufismus verbunden sind: Shopan-Ata, Karaman-Ata, Shakpak-Ata, Sultan-Epe und Beket-Ata wurden zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert in natürlichen Höhlen und steilen Felswänden errichtet. Vor Ort auch als „unterirdische Moscheen“ bekannt, gehören zu den Anlagen Friedhöfe, Heiligengräber, Wasserquellen, Wege und als Heiligtümer verehrte Bäume. Sie entstanden in einer nomadisch geprägten Region, in der sich islamische Frömmigkeit mit älteren Vorstellungen von Ahnen- und Landschaftsverehrung verband.

Die Medinas der historischen Sultanate der Komoren (Komoren)
Auf den Komoren bewahren sechs historische Städte das Erbe der alten Sultanate im Indischen Ozean. Aus frühen Siedlungskernen entwickelten sich um das 14. und 15. Jahrhundert städtische Zentren, die eng mit der Swahili-Gesellschaft verbunden waren. Die Medinas haben ihre historische Gestalt weitgehend bewahrt und sind bis heute von lebendigen Traditionen geprägt. Die Architektur ihrer Paläste, Plätze, Häuser und Befestigungen zeugt vom kulturellen Austausch entlang der historischen Handelsrouten des Indischen Ozeans. So spiegeln die Städte die besondere Geschichte der Komoren als Knotenpunkt zwischen Afrika, der arabischen Welt und Europa bis heute wider. Es handelt sich um die erste Welterbestätte des afrikanischen Landes.

Burgen des Jabal Amel (Libanon)
Die fünf Burgen des Jabal Amel – Beaufort, Toron, Dubieh, Maron und Chama – bilden ein zusammenhängendes Verteidigungssystem, das die militärische, politische und architektonische Entwicklung des südlichen Libanon von der Antike bis ins Mittelalter widerspiegelt. Vorwiegend während der Kreuzfahrerzeit errichtet, wurden die Festungen später von Ayyubiden, Mamluken und anderen Mächten angepasst. Strategisch günstig auf Höhenzügen und an wichtigen Routen gelegen, zeigen sie wie Macht, Verteidigung und Verwaltung in der Levante über Jahrhunderte organisiert waren. Aufgrund von Kampfhandlungen im Südlibanon, werden die Burgen auf der Liste des gefährdeten Welterbes geführt.
Die Grabkomplexe des Xiongnu-Adels (Mongolei)
In der Mongolei zeugen mehrere Grabkomplexe von den Xiongnu. Die Reiternomaden schufen zwischen dem 3. Jahrhundert v. Chr. und dem 2. Jahrhundert n. Chr. ein mächtiges Reich auf dem Gebiet der heutigen Mongolei. Sie standen mit Han-China in Kontakt und kontrollierten wichtige Abschnitte der Seidenstraße. Die Gräber gewähren bedeutende Einblicke in die Bestattungskultur der Xiongnu, die noch immer nicht vollends erforscht ist. Grabbeigaben wie Pferdewagen, Waffen und Werkzeuge geben Aufschluss über das Leben und soziale Gefüge der verschwundenen Zivilisation.


Sebastia (Palästinensische Gebiete)
Nördlich von Nablus bewahrt Sebastia die Überreste einer mehr als zweitausendjährigen Siedlungsgeschichte. Archäologische Funde zeugen von zahlreichen Epochen: von der antiken Stadt Samaria aus der Eisenzeit über hellenistische, römische und byzantinische Einflüsse bis hin zu den Kreuzfahrern und Osmanen. Diese verschiedenen Schichten sind bis heute klar erkennbar und machen die politische, religiöse und städtebauliche Entwicklung eines der bedeutendsten Orte der Region sichtbar. Sebastia bietet somit einen einzigartigen Einblick in die Geschichte der Region und zählt zu den wichtigsten archäologischen Stätten der Levante. Gleichzeitig wurde Sebastia in die Liste des gefährdeten Welterbes aufgenommen. Das Welterbekomitee verweist dabei auf Pläne zur Umgestaltung von Teilen der Stätte sowie auf die Auswirkungen des anhaltenden israelisch-palästinensischen Konflikts.
Modernistisches Stadtzentrum von Gdynia (Polen)
Das Stadtzentrum von Gdynia wurde zwischen 1926 und 1939 errichtet, als das frühere Fischerdorf innerhalb weniger Jahre zum wichtigsten Seehafen der Zweiten Polnischen Republik ausgebaut wurde und schnell auf über 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner anwuchs. Es gilt als eines der frühesten großflächigen Beispiele moderner Stadtplanung in Europa. Das Zentrum Gdynias zeichnet sich durch ein rechtwinkliges Straßennetz aus, das von Reihen moderner Stadthäuser gesäumt wird. Seine Architektur vereint unterschiedliche Strömungen der frühen Moderne zu einem außergewöhnlich geschlossenen Stadtbild. Zugleich prägen Bezüge zu Hafen, Meer und Küste das Erscheinungsbild der Stadt. Gdynia steht damit für einen grundlegenden Wandel des Städtebaus im frühen 20. Jahrhundert und für die Vorstellung einer modernen, gesunden und zukunftsorientierten Stadt.

Roças von São Tomé und Príncipe: Koloniales Agrarsystem und Zwangsmigration (São Tomé und Príncipe)
Die Roças sind sechs ehemalige portugiesische Plantagenanlagen auf den westafrikanischen Inseln São Tomé und Príncipe, die einst dem großflächigen Anbau von Kaffee und Kakao dienten. Sie erinnern an ein koloniales Wirtschaftssystem, das vom späten 19. bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts trotz offizieller Abschaffung der Sklaverei auf Zwangsarbeit beruhte. Viele Gebäude und technische Anlagen der Roças – Anbauflächen, Fabriken und Wohnbereiche – sind bis heute erhalten und machen die Funktionsweise des historischen Plantagensystems ersichtlich. Die Stätte ist für São Tomé und Príncipe der erste Eintrag auf der UNESCO-Welterbeliste.

Klosteranlage Wat Phra Mahathat Woramahawihan (Thailand)
Wat Phra Mahathat Woramahawihan ist ein bedeutendes buddhistisches Kloster in der Provinz Nakhon Si Thammarat im Süden Thailands. An einem Knotenpunkt zwischen Indischem und Pazifischem Ozean gelegen, ist es seit seiner Gründung im 8. Jahrhundert ein religiöses Zentrum der Region. Architektur und Kunst der Klosteranlage zeugen vom intensiven Austausuch zwischen verschiedenen Glaubensformen in Südostasien und hatten Einfluss auf das Bauen in Thailand, Malaysia und darüber hinaus.


Sidi Bou Saïd (Tunesien)
Auf einem Hügel über dem Mittelmeer liegt im Norden Tunesiens das Dorf Sidi Bou Saïd. Es entstand rund um das Mausoleum des gleichnamigen Sufi-Heiligen, der sich im 13. Jahrhundert hier niederließ. Ab dem 16. Jahrhundert verbanden verschiedene Herrscherhäuser ihre weltliche Macht mit der religiösen Autorität des Heiligen. Insbesondere die Husainiden entwickelten das Dorf zu einem Rückzugsort für die Eliten des Landes. Mit dem Heiligengrab im Zentrum ist Sidi Bou Saïd ein eindrucksvolles Zeugnis traditioneller arabisch-islamischer Stadtplanung, das durch vornehme Wohnarchitektur aus dem 19. und 20. Jahrhundert bereichert wird.
Taschkents Architektur der Moderne: Moderne und Tradition in Zentralasien (Usbekistan)
In der usbekischen Hauptstadt Taschkent verbinden sich sozialistische Stadtplanung, die Architektur der Moderne und lokale Bautraditionen auf eindrucksvolle Weise. 1966 wurden große Teile der Stadt von einem Erdbeben zerstört. Mehrere Bauwerke und Ensembles aus den Jahrzehnten nach der Naturkatastrophe verbinden großzügige Freiräume, moderne Baustoffe und erdbebensichere sowie klimaangepasste Lösungen mit Elementen traditioneller zentralasiatischer Architektur wie Höfen und Loggien. So entstand ein unverwechselbares Stadtbild, in dem standardisierte sowjetische Planung und ortsbezogene Gestaltung zusammenwirken. Taschkent ist damit ein herausragendes Beispiel für eine „lokalisierte Moderne“ in Zentralasien.
