Die Deutsche UNESCO-Kommission erhält immer wieder Nachfragen zum Berufseinstieg bei der UNESCO in Paris. Wann hast du bei der UNESCO angefangen und wie hast du den Einstieg geschafft?

Ich bin im November 2021 über das deutsche „Junior Professional Officer“-Programm (JPO) zu der UNESCO gekommen – einem Nachwuchsförderprogramm für junge Nachwuchskräfte. Bei der UNESCO arbeite ich im Bereich Meinungsfreiheit und Schutz von Journalist*innen, insbesondere in Kriegs- und Krisengebieten wie Afghanistan, der Ukraine oder Sudan. 

Was hast du vor deinem Job-Einstieg bei der UNESCO gemacht und wann wusstest du, dass du gerne bei der UNESCO arbeiten würdest?

Vor meinem Einstieg bei der UNESCO war ich knapp vier Jahre bei der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit als Referentin für Sudost- und Osteuropa tätig, mit einem Schwerpunkt auf Russland, Ukraine, Belarus und Türkei. Ich habe schon dort viel mit Zivilgesellschaft im Bereich Meinungsfreiheit zusammengearbeitet und der Einstieg bei der UNESCO hat mir die Möglichkeit gegeben, diese Themen auf internationaler Ebene und im multilateralen Kontext tiefergehend zu behandeln. 

Antonia Eser-Ruperti
© Antonia Eser-Ruperti
Antonia Eser-Ruperti
© Antonia Eser-Ruperti / UNESCO

Was ist unter der Position „Junior Project Officer“ zu verstehen? Ist damit eine Art „Trainee-Programm“ verbunden, das in die Berufswelt einführt?

Das JPO-Programm bei der UN ist ein von Deutschland gefördertes Nachwuchsprogramm für junge Leute, die den Schritt in das multilaterale System schaffen wollen. Es ist kein klassisches Trainee-Programm, denn man durchläuft nicht verschiedene Stationen, sondern bewirbt sich gezielt auf eine bestimmte Position und die meisten Bewerber*innen haben mindestens zwei Jahre relevante Berufserfahrung. Ziel des Programms, zu dem man über das Buero Führungskräfte in Internationalen Organisationen (BFIO)Externer Link: mehr erfahren kann, ist es auch Nachwuchskräften die Möglichkeit, Berufserfahrungen in Internationalen Organisationen zu sammeln und somit ihre internationalen Karrierechancen zu verbessern.

Wie ging es nach deiner Zeit als Junior Project Officer weiter? Bist du gleich von der UNESCO übernommen worden?

Ich hatte das Glück, nach der dreijährigen Unterstützung Deutschlands noch ein viertes Jahr von der UNESCO weiter auf der gleichen Stelle angestellt zu bleiben. Im November vergangenen Jahres bin ich dann über eine Projektstelle übernommen worden und koordiniere jetzt ein globales Programm zur Förderung der Meinungsfreiheit und Schutz von Journalist*innen, womit ich den Übergang vom JPO zur Anstellung bei der UNESCO geschafft habe. Wie bei den meisten UN Organisationen, sind projektfinanzierte Stellen aber immer von einer Folgefinanzierung abhängig, die nicht selbstverständlich ist.

Was genau ist unter der „Section For Freedom of Expression and Safety of Journalists“ zu verstehen? Wie unterstützt ihr konkret die Meinungsfreiheit und die Sicherheit von Journalist*innen weltweit?

Was viele nicht wissen, ist dass die UNESCO die UN-Organisation zum Schutz von Meinungsfreiheit, Sicherheit von Journalist*innen und dem Zugang zu verlässlichen Informationen ist. Die UNESCO arbeitet daran, dieses grundlegende Recht weltweit zu schützen.
Dazu fördert sie freie, unabhängige und vielfältige Medien und unterstützt den Zugang zu Informationen. Sie schützt Journalistinnen und Journalisten, macht auf Angriffe aufmerksam und engagiert sich gegen die Straflosigkeit solcher Verbrechen. Damit trägt die UNESCO zu offenen, informierten und demokratischen Gesellschaften bei. Wir tun das durch Projektförderung oder auch die Zusammenarbeit mit Journalisten*innen z.B. in der Ukraine oder im Sudan, durch Trainings oder Kapazitätsaufbau. Gleichzeitig arbeiten wir z.B. im Rahmen der Judges’ Initiative mit Richterinnen, Richtern und Staatsanwaltschaften zusammen. Durch Fortbildungen und praktische Leitfäden vermitteln wir internationale Standards zu Meinungsfreiheit, Informationszugang und journalistischer Sicherheit.

Nimm uns gerne einmal mit. Wie können wir uns deinen Arbeitsalltag bei der UNESCO vorstellen? Bist du viel in der Welt unterwegs?

Der Arbeitsalltag in der UNESCO ist ziemlich abwechslungsreich. Natürlich gibt es Tage, in denen man vor allem im Büro ist und in meinem Fall viel Projektmanagement macht, sich mit Kolleg*innen weltweit austauscht oder auch Projektanträge schreibt. Ich habe aber auch die Möglichkeit, zu reisen – beispielsweise war ich mehrmals in Afghanistan, in der Ukraine oder bei dem jährlich von der UNESCO organisierten Tag der Pressefreiheit am 3. Mai oder anderen Konferenzen, z.B. in New York, Uruguay oder Äthiopien. Ein wichtiger Bestandteil ist auch der Austausch mit unseren Mitgliedsstaaten, beispielsweise durch unseren Exekutivrat, wo sich die Staaten zu Themen im Arbeitsbereich der UNESCO austauschen. 

Antonia Eser-Ruperti
© privat
Treffen der Mitgliedsstaaten der UNESCO
© UNESCO

Was würdest du denjenigen raten, die sich so einen Arbeitsalltag auch gut vorstellen könnten und sich nun für eine Bewerbung interessieren? Lohnt es sich Praktika in UN-Organisationen zu machen oder sind es ganz andere Voraussetzungen, auf die beim Bewerbungsprozess geachtet wird?

Praktika und Vorerfahrung in der UN sind sicherlich nicht schlecht, aber in meinem Fall hatte ich z.B. noch gar keine vorherigen Berührungspunkte mit den Vereinten Nationen. Was immer sehr wertvoll ist, sind Spracherfahrungen in den sechs UN-Sprachen oder auch Praktika/Berufserfahrungen im internationalen Bereich, in NGO’s, Ministerien etc. Bei der Bewerbung sollte man auf jeden Fall darauf achten, konkrete Beispiele zu geben, die auf die Ausschreibung und die gefragten Kompetenzen passen und in einem Interview auch gut darlegen zu können, wie man vorgeht oder wie die vorherigen Erfahrungen relevant für die Position sind. 

Vielen Dank für das Gespräch! 

Wer nun mehr über die Arbeit der UNESCO in den Bereichen Presse- und Meinungsfreiheit erfahren möchtet, findet weitere Informationen auf Englisch unter unesco.org/en/safety-journalistsExterner Link:.

Die Fragen stellten Maja Röttger und André Patten.

Schwarz-weiß Foto aus den 90er Jahren von zwei Männern, die sich unterhalten
Interview |

Wolfgang Reuther - Stationen eines Lebens in der UNESCO

Wolfgang Reuther war über nahezu vier Jahrzehnte in unterschiedlichen Funktionen für die UNESCO tätig – zunächst für die UNESCO-Kommission der DDR,…

Alle Interviews