UNESCO-Weltbildungsbericht

Der UNESCO-Weltbildungsbericht (Global Education Monitoring Report) evaluiert die Fortschritte weltweit bei der Umsetzung der Bildungsagenda 2030, die als integraler Bestandteil der sogenannten Sustainable Development Goals (SDGs) im September 2015 von den Vereinten Nationen verabschiedet wurde. Regierungen weltweit haben sich verpflichtet, die Globalen Nachhaltigkeitsziele bis zum Jahr 2030 zu erreichen. Das Bildungsziel der Agenda lautet: "Bis 2030 für alle Menschen inklusive, chancengerechte und hochwertige Bildung sicherstellen sowie Möglichkeiten zum lebenslangen Lernen fördern." Die UNESCO koordiniert die Umsetzung dieses Ziels und ist für das Monitoring verantwortlich. Der Weltbildungsbericht erscheint jährlich.

UNESCO-Weltbildungsbericht 2017/18

Der UNESCO-Weltbildungsbericht 2017 trägt den Titel „Accountability in Education – Meeting our Commitments“. Der diesjährige Bericht macht darauf aufmerksam, dass die ehrgeizigen Ziele der globalen Bildungsagenda nur durch das Zusammenwirken einer Vielzahl von Akteuren erreicht werden können. Er diskutiert, welche Beiträge unter anderem Regierungen, Schulen, Lehrkräfte, Eltern und internationale Organisationen leisten müssen, damit eine chancengerechte und hochwertige Bildung für alle Menschen sichergestellt wird.

264 Millionen Kinder gehen nicht zur Schule

264 Millionen Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 17 Jahren haben weltweit keinen Zugang zu Bildung. Selbst bei den Kindern, die eine Schule besuchen, sind die Abschlussraten weiterhin gering: Zwischen 2010 und 2015 lagen sie im Grundschulbereich (6-11 Jahre) bei lediglich 83 Prozent, im unteren Sekundarschulbereich (12-14 Jahre) bei 69 Prozent und in der oberen Sekundarschulbildung (15-17 Jahre) bei nur 45 Prozent. Die Autoren des Weltbildungsberichts rufen Regierungen weltweit dazu auf, das Recht auf hochwertige Bildung einzulösen.

Walter Hirche, Minister a. D., Vorstandsmitglied der Deutschen UNESCO-Kommission erläutert: „Bildung liegt in der Verantwortung vieler – der Regierungen, der Schulen, der Lehrkräfte, der Eltern und zahlreichen mehr. Zielgerichtetes Regierungshandeln ist dabei absolute Voraussetzung für Bildungserfolg. Nur wenn Regierungen auf der ganzen Welt ihrer Pflicht zur Gestaltung der Rahmenbedingungen für eine hochwertige Bildung nachkommen, können Lehrkräfte angemessen lehren und Schülerinnen und Schüler ausreichend lernen. Oft wird den Lehrkräften die Schuld für Bildungsmisserfolge gegeben. Wir sollten jedoch vor allem einen Blick darauf werfen, welche Ursachen im Bildungssystem bestehen. Bildungssysteme weltweit müssen mit Blick auf Chancengerechtigkeit und Qualität gestaltet werden. Der UNESCO-Weltbildungsbericht zeigt, dass wir weit davon entfernt sind.“

Von Chancengerechtigkeit weit entfernt

Die Grundlagen für eine erfolgreiche Bildungsbiographie werden bereits in der frühen Kindheit gelegt. Doch bisher haben nur 17 Prozent der Länder weltweit ein Jahr verpflichtende und kostenfreie frühkindliche Bildung eingeführt. Erhebungen in Entwicklungs- und Schwellenländern zeigen, dass zwischen 2010 und 2015 die Chancen, eine frühkindliche Bildungseinrichtung zu besuchen, von drei- bis vierjährigen Kindern der Reichsten fünfmal so hoch waren wie die der Ärmsten.

In nur 66 Prozent der Länder weltweit wurde Geschlechtergerechtigkeit in der Grundschulbildung erreicht. Noch geringer sind die Erfolge in der Sekundarschulbildung: Geschlechtergerechtigkeit wurde im Bereich der unteren Sekundarschulbildung in lediglich 45 Prozent der Länder und in der oberen Sekundarschulbildung in 25 Prozent der Länder weltweit durchgesetzt.

39 Milliarden US-Dollar fehlen in der Bildung weltweit

Jährlich fehlen 39 Milliarden US-Dollar für eine hochwertige und chancengerechte Bildung weltweit. Im Durchschnitt gaben Länder 4,7 Prozent ihres Bruttoinlandproduktes oder 14,1 Prozent der öffentlichen Mittel für die Bildung aus. Der Bildungsanteil der weltweiten Gelder für die Entwicklungszusammenarbeit fiel über sechs Jahre in Folge von 10 Prozent im Jahr 2009 auf 6,9 Prozent im Jahr 2015. Die Autoren des Weltbildungsberichts betonen, dass ein angemessener Rechtsrahmen und gute politische Strategien nur mit ausreichenden Mitteln umgesetzt werden können.

Empfehlungen

Die Autoren des Weltbildungsberichts rufen Regierungen auf, ihre Pflicht zur Bereitstellung eines hochwertigen Bildungssystems nachzukommen und dafür

  • Schulen und Lehrkräften Rechenschaftspflichten aufzuerlegen, die konstruktiv sind, die Qualität der Bildung unterstützen und keine zusätzliche Last in der täglichen Arbeit darstellen;
  • Regularien zu entwickeln, die gewährleisten, dass Bildungssysteme nicht diskriminieren und hochwertige Bildung sicherstellen;
  • das Recht auf Bildung justiziabel zu machen, was in 45 Prozent der Länder weltweit aktuell nicht der Fall ist;
  • Schwächen und Stärken des Bildungssystems transparent zu kommunizieren und mit den beteiligten Akteuren in einem offenen Prozess zu diskutieren und zu evaluieren.
Manos Antoninis, Direktor des UNESCO Global Education Monitoring Report Teams
Manos Antoninis, Direktor des UNESCO Global Education Monitoring Report Teams beim Launch des UNESCO-Weltbildungsberichts 2017 in Bonn

Rückblick: Aktionsprogramm ‚Bildung für alle‘, 2000-2015

Bis zum Jahr 2015 evaluierte die Berichtsreihe die Umsetzung des weltweiten Aktionsprogramms „Bildung für alle“ (Education for All, 2000-2015). Der Weltbildungsbericht 2015 zog eine kritische Bilanz. Nur ein Drittel der Weltgemeinschaft erreichte die sechs Bildungsziele, zu denen sie sich im Jahr 2000 selbst verpflichtet hat: Ausbau der frühkindlichen Bildung, Grundschulbildung für alle Kinder, Absicherung der Lernbedürfnisse Jugendlicher, die Reduzierung der Analphabetenrate unter Erwachsenen um die Hälfte, die Überwindung von Geschlechterdisparitäten und die Verbesserung der Bildungsqualität.

  • UNESCO-Weltbildungsbericht 2015 (Link)
  • UNESCO-Weltbildungsbericht 2013/14 (Link)
  • UNESCO-Weltbildungsbericht 2012 (Link)
  • UNESCO-Weltbildungsbericht 2011 (Link)
  • UNESCO-Weltbildungsbericht 2010 (Link)
  • UNESCO-Weltbildungsbericht 2009 (Link)
  • UNESCO-Weltbildungsbericht 2008 (Link)
  • UNESCO-Weltbildungsbericht 2007 (Link)
  • UNESCO-Weltbildungsbericht 2006 (Link)

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