Bildung

Bildungsagenda 2030

Mit der Verabschiedung der Globalen Nachhaltigkeitsagenda hat sich die Weltgemeinschaft dazu verpflichtet, bis 2030 eine hochwertige, inklusive und chancengerechte Bildung für Menschen weltweit und ein Leben lang sicherzustellen.

Die UNESCO koordiniert die Umsetzung dieser Globalen Bildungsagenda 2030 im Rahmen der Vereinten Nationen. Als einzige Organisation leistet sie zudem ein weltweites Monitoring über die Fortschritte in der Bildung. Mit ihrem umfassenden Bildungsverständnis, ihren innovativen Bildungskonzepten und ihrem breiten Netzwerk von Partnern in Bildungswissenschaft, -politik und -praxis leistet sie einen einzigartigen Beitrag zur Verbesserung der Bildung weltweit.

Bildungsagenda 2030 – Das Globale Nachhaltigkeitsziel 4:

Bis 2030 für alle Menschen inklusive, chancengerechte und hochwertige Bildung sowie Möglichkeiten zum lebenslangen Lernen sicherstellen

Publikation

Bildungsagenda 2030.
Deutsche UNESCO-Kommission, 2017

Unterziele des Globalen Nachhaltigkeitsziels 4

4.1. Bis 2030 allen Mädchen und Jungen den Abschluss einer hochwertigen, kostenlosen Primar- und Sekundarschulbildung ermöglichen, die zu relevanten und effektiven Lernergebnissen führt;

4.2. Bis 2030 allen Mädchen und Jungen den Zugang zu hochwertiger frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung sichern, die ihnen einen erfolgreichen Übergang in die Schule ermöglichen;

4.3. Bis 2030 allen Frauen und Männern einen gleichberechtigten und bezahlbaren Zugang zu hochwertiger beruflicher und akademischer Bildung ermöglichen;

4.4. Bis 2030 sicherstellen, dass eine deutlich höhere Anzahl an Jugendlichen und Erwachsenen die  für eine Beschäftigung oder Selbstständigkeit relevanten Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten erwirbt;

4.5. Bis 2030 Benachteiligungen aufgrund der Geschlechtszugehörigkeit auf allen Bildungsstufen beseitigen und allen Menschen gleichberechtigten Zugang zu allen Bildungsstufen sichern, insbesondere benachteiligten und von Benachteiligung bedrohten Menschen;

4.6. Bis 2030 den Erwerb ausreichender Lese-, Schreib- und Rechenfähigkeiten für alle Jugendlichen  und für einen erheblichen Anteil der Erwachsenen sicherstellen;

4.7. Bis 2030 sicherstellen, dass alle Lernenden die für nachhaltige Entwicklung notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten erwerben, u.a. durch Bildung für nachhaltige Entwicklung, Global Citizenship Education und Wertschätzung kultureller Vielfalt.

Implementierungsmechanismen

4.a. Sichere, gewaltfreie, inklusive und effektive Lernumgebungen und Infrastruktur schaffen;

4.b. Bis 2020 Stipendienangebote für Studierende aus Entwicklungsländern ausbauen;

4.c. Bis 2030 die Ausbildung qualifizierten Bildungspersonals sicherstellen, auch durch internationale Zusammenarbeit in Entwicklungsländern.

Bildung weltweit

Trotz einiger Fortschritte macht der UNESCO-Weltbildungsbericht 2017/2018 „Verantwortung für Bildung“ deutlich, dass die Weltgemeinschaft im aktuellen Tempo hochwertige und chancengerechte Bildung bis zum Jahr 2030 nicht verwirklichen wird. Noch immer haben 264 Millionen Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 17 Jahren weltweit keinen Zugang zu Bildung. Selbst bei den Kindern, die eine Schule besuchen, sind die Abschlussraten weiterhin gering: Zwischen 2010 und 2015 lagen sie im Grundschulbereich (6-11 Jahre) bei lediglich 83 Prozent, im unteren Sekundarschulbereich (12-14 Jahre) bei 69 Prozent und in der oberen Sekundarschulbildung (15-17 Jahre) bei nur 45 Prozent. Jährlich fehlen weltweit 39 Milliarden US-Dollar für eine hochwertige und chancengerechte Bildung.

Die UNESCO-Daten unterstreichen auch, dass Länder weltweit in punkto Chancengerechtigkeit weiterhin großen Nachholbedarf haben. Kinder und Jugendliche aus sozio-ökonomisch benachteiligten Verhältnissen haben noch immer deutlich schlechtere Chancen in Bezug auf den Zugang zu frühkindlicher und beruflicher Bildung. Auch Geschlechterungleichheiten bestehen weiterhin fort: Im Bereich der oberen Sekundarschulbildung ist Geschlechterparität nur in 25 Prozent der Staaten weltweit erzielt worden.

Der Bericht zeigt, dass viele verschiedene Akteure Verantwortung übernehmen müssen, damit Bildung funktioniert – Regierungen, Schulen, Lehrkräfte, Eltern und zahlreiche mehr. Zielgerichtetes Regierungshandeln ist dabei absolute Voraussetzung für Bildungserfolg.

Publikation

Weltbildungsbericht 2017/18: Verantwortung für Bildung: Unsere Verpflichtungen erfüllen.
Deutsche UNESCO-Kommission, Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, 2017

Bildung in Deutschland

Auch Deutschland ist gefordert, eine hochwertige, chancengerechte und inklusive Bildung für Menschen hierzulande sicherzustellen. Während das deutsche Bildungssystem in zahlreichen Bereichen im internationalen Vergleich weit entwickelt ist, gibt es in anderen Feldern Herausforderungen. Bundesregierung und Länder sind aufgefordert, diese gemeinsam mit allen Akteuren des Bildungssystems zu lösen.

In einer Vielzahl von Bildungsbereichen sind in Deutschland in den vergangenen Jahren wichtige strukturelle Veränderungsprozesse eingeleitet worden: vom Ausbau der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung über Ganztagsschulen, schulstrukturellen Veränderungen im Sekundarbereich I bis hin zu inklusiver Bildung.

Trotz dieser Entwicklung steht das deutsche Bildungssystem auch künftig vor großen Herausforderungen. Chancengerechtigkeit bleibt die zentrale bildungspolitische Herausforderung in Deutschland. Der Abbau anhaltender Ungleichheiten aufgrund sozio-ökonomischer Herkunft, Migrationshintergrund oder Behinderung ist essentiell. Nach wie vor bestehen deutliche Zusammenhänge zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg. Auch Kinder und Jugendliche mit besonderem Förderbedarf sind weiterhin benachteiligt. Ebenfalls nehmen regionale Differenzen innerhalb Deutschlands weiter zu. Der Bildungsstand der Bevölkerung variiert erheblich zwischen den einzelnen Bundesländern.

Um das Globale Bildungsziel bis 2030 in Deutschland erreichen zu können, muss neben der Durchlässigkeit des Bildungssystems auch die Qualität der Bildung in allen Bereichen verbessert werden. Dies bedeutet auch, Bildung auf eine umfassende Entwicklung der Persönlichkeit auszurichten. In diesem Kontext ist auch die Verankerung von Bildung für nachhaltige Entwicklung in formaler und non-formaler Bildung sowie die Förderung von Global Citizenship Education von entscheidender Bedeutung.

Unser Beitrag

Die Deutsche UNESCO-Kommission gestaltet die Umsetzung der Globalen Bildungsagenda 2030 auf internationaler und nationaler Ebene mit. Neben der Beratung der Politik fördert sie Fachdiskussionen und bündelt Expertise. Schwerpunkte liegen dabei in den Bereichen Bildung für nachhaltige Entwicklung, inklusive Bildung und Open Educational Resources.

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Publikation

Maaz, Kai: Chancengerechtigkeit im deutschen Bildungssystem.
Deutsche UNESCO-Kommission, 2017