Fünf Jahre nach der ersten Anwendung der UNESCO Internet Universalitäts-Indikatoren in DeutschlandExterner Link: fällt die Bilanz gemischt aus: Zwar ist das Internet für große Teile der Bevölkerung selbstverständlich geworden, doch beim gleichberechtigten Zugang, beim Schutz vor digitaler Gewalt und beim Umgang mit künstlicher Intelligenz bleiben erhebliche Aufgaben. Darüber diskutierten Jutta Croll, Vorstandvorsitzende der Stiftung Digitale Chancen, der Medienrechtler Prof. Dr. Matthias C. Kettemann vom Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut (HBI) und Cédric Wachholz, Bereichsleiter Digitale Politik und Digitale Transformation im Kommunikations- und Informationssektor der UNESCO zum Abschluss der sechsteiligen Gesprächsreihe.

Besonders deutlich wurden fortbestehende Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Nach Einschätzung der Fachleute reicht es nicht, lediglich den technischen Zugang zum Internet zu betrachten. Erwerbsbiografien, Alter, Bildung und Sprache beeinflussen, wie sicher und selbstbestimmt Menschen digitale Angebote nutzen können. Zudem prägen Männer weiterhin viele Entscheidungen der Digitalpolitik bei Technologien, Daten und Standards.

Digitale Gewalt verschärft diese Ungleichheit. Frauen in öffentlichen Rollen, insbesondere Politikerinnen und Journalistinnen, seien besonders häufig von sexualisierten Angriffen, manipulierten Bildern und Einschüchterung betroffen. Die Folgen reichten von psychischer Belastung und Selbstzensur bis zum Rückzug aus digitalen Räumen. Gesetze allein genügten nicht, hieß es: Nötig seien wirksame Strafverfolgung, schnelle Beweissicherung, spezialisierte Behörden sowie Schutz- und Beratungsangebote.

Kontrovers diskutiert wurde auch der Schutz von Kindern in sozialen Netzwerken. Pauschale Verbote und starre Altersgrenzen könnten Teilhabe- und Kinderrechte beeinträchtigen. Die Gesprächsrunde sprach sich stattdessen für einen risikobasierten Ansatz aus: Plattformen müssten ihre Dienste von Anfang an sicher gestalten, Funktionen altersgerecht freigeben und verlässliche, datensparsame Altersnachweise ermöglichen. Zugleich brauche es mehr Angebote, die jungen Menschen digitale Kompetenz vermitteln.

Künstliche Intelligenz zieht sich als neue Querschnittsfrage durch nahezu alle Themen. Sprachmodelle können gesellschaftliche Rollenbilder reproduzieren, sexualisierte Fälschungen erleichtern und neue Unterschiede zwischen Menschen mit guten und schlechten Zugangs- und Bildungschancen schaffen. Gleichzeitig bieten kleinere, spezialisierte Systeme Chancen für Bildung und Wissensvermittlung. Entscheidend sei, Lernende nicht vom eigenen Denken, Schreiben und Korrigieren zu entwöhnen.

Auch ökologisch zeigt die Digitalisierung zwei Seiten. Digitale Technologien können Bildung, Forschung, öffentliche Dienste und Klimaschutz unterstützen, benötigen aber zugleich Strom, Wasser, Land und Rohstoffe. Rechenzentren, Chips und Endgeräte verursachen Emissionen und Elektroschrott; generative KI erhöht den Ressourcenbedarf zusätzlich. Die Politik müsse deshalb den gesamten Lebenszyklus digitaler Technik betrachten – von der Beschaffung über Reparatur und Wiederverwendung bis zum Recycling.

Zum Abschluss warben die Beteiligten für eine zweite Anwendung der UNESCO-Indikatoren in Deutschland. Sie könnte sichtbar machen, was sich seit 2021 verbessert hat und wo nachgesteuert werden muss. Ebenso wichtig wie der Bericht sei der gemeinsame Prozess von Staat, Zivilgesellschaft, Wissenschaft, technischer Gemeinschaft und Wirtschaft. Deutschland könne damit erneut eine Vorreiterrolle übernehmen – nicht in einem internationalen Ranking, sondern im kritischen Vergleich mit sich selbst.

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Mitsprache darf kein Lippenbekenntnis bleiben

Fünftes Gespräch der Reihe UNESCO Internet Universalitäts-Indikatoren zur Lage des Internets in Deutschland zum Indikatorenbereich…

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Zugang zum Internet ist eine Frage der Teilhabe

Viertes Gespräch der Reihe UNESCO Internet Universalitäts-Indikatoren zur Lage des Internets in Deutschland zum Indikatorenbereich "Zugang"

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