UNESCO-Geopark Thüringen Inselsberg – Drei Gleichen

Pangäa: Auf den Spuren des Superkontinents mitten in Thüringen

Der UNESCO Global Geopark Thüringen Inselsberg - Drei Gleichen umfasst Teile zweier verschiedener Landschaftsgebiete aus dem Thüringer Wald und dem Thüringer Becken. Der Name des Geoparks bezieht sich auf seine höchste Erhebung, den Großen Inselsberg (916,5 m über NN) und auf ein Ensemble dreier mittelalterlicher Burgen im Thüringer Becken, welche auch „Drei Gleichen“ genannt werden. Die Region ist geprägt von einer enormen geologischen Vielfalt und ist Zeugnis beeindruckender erdgeschichtlicher Entwicklungen, vom Superkontinent Pangäa bis zur heutigen Landschaft. Eine Vielzahl an Themenwegen, Schauhöhlen und Besucherbergwerken sowie weiteren touristischen Zielen laden zur Erkundung des UNESCO Global Geoparks ein.

 

Der Geopark ist ein überschaubares Gebiet in der Mitte Thüringens. Er stellt einen winzigen Ausschnitt des einstigen Superkontinents Pangäa dar. Denn der Thüringer Geopark befindet sich an der „Schweißnaht“ der einstigen Kontinente Old Red und Gondwana. Aufgrund der großen Vielfalt an Gesteinen und Fossilien, die sowohl in der Mittelgebirgslandschaft des Thüringer Waldes, insbesondere in der Inselsberg-Region, wie auch in der eher flachen Hügellandschaft im Drei Gleichen-Gebiet gefunden wurden, lassen sich die Bildung Pangäas im Karbon und der Zerfall im Jura auf beeindruckende Weise nachvollziehen. Daher ist auf dem Logo des Geoparks der Umriss des Superkontinents abgebildet.

Vor über 300 Millionen Jahren kollidierte der Old-Red-Kontinent (Nordkontinent) mit Gondwana (Südkontinent). Es entstand ein vom Meer umgebener Riesenkontinent, dem der deutsche Forscher Alfred Wegener 1920 den Namen Pangäa („allumfassende Erde“) gab. Er war der letzte Superkontinent der Erdgeschichte, aus dem alle heutigen Kontinente hervorgegangen sind. Über Jahrmillionen war Pangäa in ständiger Bewegung - Gebirge wurden aufgefaltet, Vulkane tobten und rissen Kerben in das Land, Seen und Meere entstanden und vergingen. Das Leben aus dem Wasser begann sich dem Leben an Land anzupassen und weiter fortzuentwickeln.

Seit 2008 ist der Thüringer Geopark Inselsberg - Drei Gleichen als Nationaler Geopark anerkannt. Zu seinen Highlights zählt unter anderem die Ursaurierfundstelle am Bromacker zwischen Georgenthal und Tambach-Dietharz. Diese als Nationaler Geotop ausgezeichnete Fundstätte früher Landwirbeltiere (terrestrische Tetrapoden) aus dem Unteren Perm (vor ca. 290 Millionen Jahre) ist ein international bedeutendes Geotop. Hier sind, weltweit einmalig, die fossilen Lebensspuren (z.B. Laufspuren) mit den Körperfossilien dieser sog. Ursaurier zusammen überliefert. Mit seinen zahlreichen, ausgezeichnet erhaltenen „Ursaurier“-Skeletten gibt die Fundstätte einen Einblick in das vielfältige Leben auf dem Superkontinent Pangäa.

Über gut ausgeschilderte und informative GeoRouten lassen sich die ebenfalls als Nationales Geotop ausgezeichneten Badlands im Thüringer Burgenland Drei Gleichen erkunden. Die drei Burgberge der Wachsenburg, der Burg Gleichen und der Mühlburg sind aus den bunten Gesteinen der Oberen Trias (vor ca. 220 Millionen Jahre) aufgebaut. Rote und grüngraue Ton- und Mergelsteine treten an den Südhängen nahezu vegetationslos zutage und prägen die Landschaft unterhalb der Burgen, welche in Sichtweite zueinander stehen.

In den sechs Schauhöhlen und Schaubergwerken des Geoparks wird Gästen ein faszinierender Einblick in die über 1000-jährige Erd- und Bergbaugeschichte des Thüringer Waldes und den Umgang mit den endlichen natürlichen Ressourcen der Region ermöglicht. Gefördert wurden Fluss- und Schwerspat sowie verschiedene Eisen-, Mangan- und Buntmetallerze. Um 1990 kam der untertägige Bergbau im Thüringer Wald vollständig zum Erliegen.

Ein Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung

Der Neugier, dem Wissens- und Entdeckerdrang von Geologen, Paläontologen, Archäologen und zahlreichen naturwissenschaftlich interessierten Menschen ist es zu verdanken, dass im heutigen Geopark-Gebiet bereits seit über 200 Jahren zum Teil sehr spektakuläre Funde in die Jetztzeit befördert wurden und werden. An ihren Erkenntnissen und ihrer Arbeit lassen sie uns teilhaben. So können Gäste sowohl auf 17 thematischen GeoRouten als auch in den GeoInfozentren in verschiedene Etappen der Erdgeschichte und andere Themenwelten eintauchen, so dass auch die Zusammenhänge zur heutigen Landschaft, der Tier- und Pflanzenwelt, dem Klima oder auch der Kulturgeschichte der Region anschaulich vermittelt werden. Zertifizierte Geopark-Führer bieten darüber hinaus zielgruppengerechte Wanderungen an. Bei den Führungen wird auch für einen nachhaltigen Natur- und Ressourcenschutz sensibilisiert.

Der UNESCO Global Geopark stellt sich den Herausforderungen des globalen Wandels, wobei der Bildung für alle eine besondere Rolle in der täglichen Geopark-Arbeit zukommt. In Umsetzung des Entwicklungsziels SDG 4 „Chancengerechte und hochwertige Bildung“ sollen zum Beispiel Angebote zur Teilhabe der Bevölkerung an interdisziplinären Forschungsvorhaben im Geopark gefördert werden. Ein wichtiges Anliegen des Geoparks ist es daher, die bedeutende Ursaurierfundstelle Bromacker einem größeren Publikum näherzubringen. Nach langjähriger Grabungspause wurde im Jahr 2020 die internationale Forschung in einem gemeinsamen Projekt mit dem Museum für Naturkunde Berlin - Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung, der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha und der Friedrich-Schiller-Universität in Jena wieder aufgenommen. Ziel der Kooperation ist es, Forschung und Wissensvermittlung so miteinander zu verbinden, dass die Öffentlichkeit einen faszinierenden Einblick in die frühe Evolution der Landwirbeltiere erhält. Mit neuen Wegen der Wissenschaftskommunikation sollen Interessierte unterschiedlichster Zielgruppen am Forschen teilhaben und mit den Forschern ins Gespräch kommen können. Dafür werden hochmoderne, multimediale Vermittlungsangebote entwickelt, die das Leben auf Pangäa vor 290 Millionen Jahren als Ganzes erlebbar werden lassen. So sind beispielsweise Live-Präparationen und Live-CT-Scans von Fossilien, die Entwicklung eines Bromacker Lab(oratoriums) und eine informative Besucherplattform an der Grabungsstelle geplant.

Im Verlauf des Projektes soll es voraussichtlich für Bürgerwissenschaftlerinnen und Bürgerwissenschaftler die Möglichkeit geben, an Forschungsaufgaben mitzuwirken.

Das Projekt wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Internationale Partnerschaften

Gemäß seines Mottos – „Der Superkontinent Pangäa – die allumfassende Erde“ – möchte der Thüringer UNESCO Global Geopark mit seinem Wirken zur Stärkung der Weltgemeinschaft und zum Abbau von Grenzen zwischen den Völkern der heutigen Welt beitragen. Mit diesem Ziel engagiert sich der Geopark im nationalen und internationalen Netzwerk der Geoparks, auch um gemeinsam zur Lösung der wichtigen gesellschaftlichen Herausforderungen des globalen Wandels beizutragen.

So ist der Geopark bereits seit 2011 eine langfristige Kooperation mit dem UNESCO Global Geopark „Erz der Alpen“ in Österreich und dem Nationalen GeoPark Porphyrland in Sachsen eingegangen. Im Rahmen dieser Partnerschaft wurden gemeinsame Richtlinien erarbeitet, um eine nachhaltige Nutzung von einheimischen Rohstoffen über mehrere Lebenszyklen zu generieren (Aufbau einer sog. Rohstoffkompetenz).

Eine weitere internationale Kooperation besteht seit 2021 mit dem UNESCO Global Geopark „Chelmos Vouraikos“ in Griechenland. Die beiden Geoparks vereinbarten eine Zusammenarbeit hinsichtlich der wissenschaftlichen Erforschung von kilometerlangen Karsthöhlensystemen, welche in beiden Geoparks vorkommen. Arbeitsgruppen aus beiden Geoparks wollen ein Projekt mit 3D-Darstellungen verschiedener Höhlensysteme erarbeiten. Dabei werden sowohl wissenschaftliche Ziele als auch die Möglichkeit digitaler Besichtigungen verfolgt.

„Herrliche Berge krönen das Land mit unverwüstlichen Wäldern; romantische Gründe laden zu fröhlichem Lebensgenuss; kühne, gigantische Felsen predigen mit ewiger Begeisterung die Allmacht der Natur und enthüllen auf kolossalen Blättern die urälteste Geschichte der Erde und das tiefe Wunder ihrer ewigen Metamorphose.“

von Friedrich Gottlob Wetzel (dt. Schriftsteller 1779-1819)

Fakten

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