Die UNESCO Internet Universalitäts-Indikatoren bieten Staaten einen freiwilligen Rahmen, um die Qualität des Internets anhand der Bereiche Rechte, Offenheit, Zugang und Multistakeholder-Beteiligung sowie zusätzlicher Querschnittsindikatoren zu bewerten. Deutschland gehörte zu den ersten Ländern des globalen Nordens, die diesen Ansatz in einem nationalen Kontext erprobten. Fünf Jahre später stellt sich die Frage, welche Fortschritte erreicht wurden und wo weiterhin Defizite bestehen.

Das Gespräch mit Philipp Ehmann, Leiter des eco Hauptstadtbüros und Geschäftsbereichsleiter Politik, Recht & Regulierung beim eco – Verband der Internetwirtschaft e. V. und Valentina Kerst, Geschäftsführerin der Akademie für Künstliche Intelligenz gGmbH und ehemalige Staatssekretärin für Wirtschaftspolitik, Wirtschaftsförderung, Tourismus und digitale Gesellschaft im Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und digitale Gesellschaft, richtete den Blick auf den Indikatorenbereich Zugang.

Deutschland hat beim Ausbau seiner digitalen Infrastruktur Tempo aufgenommen, doch der Rückstand ist noch nicht aufgeholt. Die Fachleute diskutierten, wie leistungsfähig, bezahlbar und gerecht der Zugang zum Internet in Deutschland im Jahr 2026 tatsächlich ist.

Besonders beim Glasfaserausbau zeigt sich eine Lücke zwischen Statistik und Alltag. Zwar führt die neue Infrastruktur inzwischen nah an vielen Häusern vorbei, doch deutlich weniger Gebäude sind direkt angeschlossen – und noch weniger Haushalte nutzen tatsächlich einen Glasfaservertrag. Nach Ehmann rächt sich, dass Deutschland lange am Kupfernetz und an Übergangstechnologien wie Vectoring festgehalten hat. Nun komme es darauf an, die Leitungen nicht nur in die Straßen, sondern bis in die Gebäude zu bringen.

Glasfaser allein reicht für die digitale Zukunft allerdings nicht aus. Mobilfunk, Satellitenverbindungen und glasfaserbasierte Netze müssten als gemeinsames System betrachtet werden, betonten die beiden Fachleute. Gerade für vernetzte Fahrzeuge, industrielle Anwendungen und eine ausfallsichere Versorgung gewinnen alternative Zugangswege an Bedeutung. Zugleich verschärft der Technologiemix die Debatte über Sicherheit, offene Standards und die Abhängigkeit von wenigen internationalen Anbietern.

Mit dem Aufstieg Künstlicher Intelligenz verändert sich zugleich, was unter digitalem Zugang zu verstehen ist. Einfache Text-, Bild- oder Sprachanwendungen lassen sich längst über Smartphones nutzen; aufwendige Modelle für Forschung und Unternehmen benötigen dagegen leistungsfähige Clouds und Rechenzentren. Kerst sieht für Europa weiterhin Chancen: Neue KI-Rechenzentren und der erste europäische Exascale-Rechner JUPITER im Forschungszentrum Jülich könnten die technologische Eigenständigkeit stärken – vorausgesetzt, europäische Angebote werden auch nachgefragt und genutzt.

Doch selbst die beste Infrastruktur garantiert noch keine gleichberechtigte Teilhabe. Die im Gespräch genannten Daten zeigen deutliche Unterschiede nach Bildungsabschluss, Erwerbsstatus, Alter und Einkommen. Gleichzeitig verschwinden öffentliche Zugangsmöglichkeiten, während eigene Geräte und Verträge mit Telekommunikationsunternehmen zunehmend vorausgesetzt werden. Steigende Lebenshaltungskosten können den Internetzugang für einkommensschwache Haushalte zu einer zusätzlichen finanziellen Belastung machen.

Die entscheidende Aufgabe liegt deshalb nicht nur in der Verbesserung der Infrastruktur wie dem Verlegen neuer Glasfaserleitungen, sondern auch in der Vermittlung von IT- und Medienkompetenz. Schulen, Volkshochschulen und weitere Bildungseinrichtungen müssten Menschen aller Altersgruppen befähigen, digitale Angebote kritisch, sicher und kreativ zu nutzen. Das Gespräch macht deutlich: tragfähiger Internetzugang entsteht erst dort, wo moderne Netze, bezahlbare Dienste, europäische Handlungsfähigkeit und gute Bildung zusammenspielen.

In den kommenden zwei Gesprächen bis zum 15. Oktober werden erreichte Fortschritte, offene Aufgaben und neue Herausforderungen entlang der Indikatorenbereiche Multistakeholder-Beteiligung (7. OktoberExterner Link:) und Querschnittfragen (15. OktoberExterner Link:) im Einzelnen diskutiert. Weitere Informationen finden sich im Programm der GesprächsreiheHerunterladen: (PDF, 198 KB).

Aufzeichnung des Gesprächs zum Indikatorenbereich Zugang

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Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Zweites Gespräch der Reihe UNESCO Internet Universalitäts-Indikatoren zur Lage des Internet in Deutschland zum Indikatorenbereich "Rechte"

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Viel erreicht, einiges zu tun

Auftakt zur Gesprächsreihe UNESCO Internet Universalitäts-Indikatoren zur Lage des Internet in Deutschland

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