Die erste Bestandsaufnahme nach rund einem Jahrzehnt UNESCO ist ein Wackerstein. Die amerikanischen Autoren weisen darin auf die Leistung der UNESCO hin, 1951 als erste UN-Organisation die „Ex-Feinde“ Deutschland und Japan aufgenommen zu haben. Beide Länder hätten darin die Gelegenheit erkannt, wieder politische und wissenschaftliche Kontakte zu knüpfen und ihre geistige Stellung in der Welt wieder zu bekräftigen (S. 339). Mit Bedauern wird festgehalten, dass die UdSSR keinen Kontakt zwischen der UNESCO und der DDR erlaube:

“Unesco was the first United Nations agency to include these enemy countries. Both nations showed active interest in Unesco as soon as they were encouraged to do so by the occupying powers (the USSR, however, refused to permit any relations between Unesco and the Soviet zone in Germany). Germany and Japan saw in Unesco an opportunity to renew their contacts with both government and professional interests concerned with education, science, and cuIture, and ,'to reassert their intellectual position in the world. Both joined the organization in 1951. They have sent able delegations to the General Conference, but have been content thus far to play a modest role. Germany has cooperated with the three Unesco Institutes established in that country and has maintained that they should be international rather than German in character.”

Quelle: “UNESCO. Purpose, Progress, Prospects”, Walter H. C. Laves and Charles A. Thomson, Indiana University Press, 1957.

Eine Nahaufnahme eines Artikels in einer alten UNESCO-Publikation
Interview in der Publikation "UNESCO Sources" aus dem Jahr 1991 mit Paul Belanger, zu der Zeit Direktor des UIE (seit 2006: UIL) in Hamburg, über die Gründung des UNESCO-Instituts. | © DUK
Ein Stapel alter Bücher in einem Regal
Der Band "UNESCO. Purpose, Progress, Prospects" von Walter H. C. Laves und Charles A. Thomson. | © DUK

Die Rolle der Nationalkommissionen wird in der Gesamtschau aller Mitgliedsstaaten sehr unterschiedlich bewertet: Es gebe den „demokratischen Typus“, wie in den USA, wo die Nationalkommission zweimal jährlich über Tausend Vertreter von Vereinen zur Diskussion amerikanischer Beteiligung in der UNESCO einlädt. In vielen Entwicklungs- und Schwellenländern herrsche der „bürokratische Typus“ vor, der vorwiegend der Ressortabstimmung diene, während in Westeuropa viele Nationalkommissionen des „aristokratischen Typus“ anzutreffen seien – statt einer breiten Bürgerbeteiligung setzten sich die Mitglieder dieser Nationalkommissionen rein aus Gelehrten und Intellektuellen zusammen (S. 324).