Nationalpark Los Alerces

Patagonische Zypressen in den argentinischen Anden

Bergpanoramen mit blau-grünen Seen, eine der langlebigsten Baumarten der Welt – aufgrund seiner außergewöhnlichen Naturphänomene sowie seiner Bedeutung für den Schutz der Biodiversität wurde der argentinische Nationalpark Los Alerces 2017 in die UNESCO-Welterbeliste eingeschrieben. Für IUCN und Argentinien könnte diese Einschreibung auch den Auftakt zu verstärkten grenzüberschreitenden Bemühungen mit dem Nachbarland Chile zum Schutz des außergewöhnlichen universellen Wertes dieses Ökosystems darstellen.

Faktenbox

Die Landschaften des Nationalparks Los Alerces in den argentinischen Anden Nord-Patagoniens wurden im Zuge diverser Vergletscherungen geformt und weisen mit ihren verbundenen Seen- und Flusssystemen vor der Kulisse von Andengletschern und gemäßigtem Regenwald eine außergewöhnliche Naturschönheit auf (Kriterium vii). Die Wälder des Parks, welche zum Ökosystem des Valdivianischen Regenwaldes gehören, bergen eine Besonderheit: Sie sind Heimat von etwa einem Drittel des argentinischen Gesamtbestandes der Patagonischen Zypresse - auch Alerce genannt. Diese Baumart ist die langlebigste Baumspezies der südlichen Hemisphäre und wird weltweit nur von der Langlebigen Kiefer übertroffen. So findet sich auch der älteste Baum Argentiniens – ca. 2.600 Jahre alt – in der neuen Welterbestätte.

„The globally threatened Alerce tree is the second longest living tree species in the world. Unlike many other Alerce forests, which show signs of alteration due to exploitation, livestock farming or fire, the Alerce forest in the property is in an excellent state of conservation, which contributes to the long-term viability of the species’ natural populations.”

(Statement of Outstanding Universal Value, 2017)

Neben der bedrohten Art der Alerce bietet die Welterbestätte auch Schutz für weitere weltweit geschützte Arten. Durch die besondere biogeographische Insellage des Valdivianischen Regenwaldes konnte sich hier eine Vielzahl endemischer Pflanzen- und Tierarten entwickeln. So kommt die Froschart Batrachyla fotzroya weltweit nur auf einer in dieser Naturerbestätte gelegenen Insel vor. Auch die bedrohten Arten des Südandenhirsches, des Pudus, der Chilenischen Waldkatze und der Chiloé-Beutelratte finden im Nationalpark Los Alerces einen Rückzugsraum. Vor diesem Hintergrund wurde der Nationalpark auch auf Grund seiner Bedeutung für die Biodiversität als UNESCO-Welterbestätte anerkannt (Kriterium x).

Schutz und Gefährdung von außen

Die Unberührtheit eines Großteils der Natur im Nationalpark Los Alerces rührt nicht nur von der Unwegsamkeit des Geländes her, die die Natur vor größeren menschlichen Eingriffen bewahrt hat. Der Park selbst und die angrenzenden Gebiete stehen bereits seit langem in unterschiedlichem Maße unter Naturschutz. Dies gilt auch für die Region der chilenischen Anden Nord-Patagoniens, an welche der Nationalpark Los Alerces direkt angrenzt. Der Schutzstatus auf der chilenischen Seite der Grenze trägt maßgeblich dazu bei, den außergewöhnlichen universellen Wert der neu eingeschriebenen Welterbestätte zu bewahren. Dies bezeugt eindrücklich, dass das gemeinsame Erbe der Menschheit oftmals nicht vor Staatsgrenzen halt macht und internationaler Kooperation zu seinem langfristigen Erhalt bedarf.

Zugleich ist die Naturerbestätte jedoch auch ein Beispiel für die Problematik, welche unbedachte Austauschbeziehungen einer Ökoregion mit anderen Regionen hervorbringen können. Invasive Arten stellen eine bedeutsame Gefährdung dieser außergewöhnlichen Naturstätte dar. Insbesondere die Frischwassersysteme im Nationalpark sind sehr anfällig. Ein entsprechendes Management der Welterbestätte, das diese Problematik in den Blick nimmt, ist daher notwendig.

Ein Beitrag zur Ausgewogenheit der Welterbeliste

Mit Blick auf die Globale Strategie des Welterbekomitees führten IUCN und ICOMOS als Beraterorganisationen des Welterbekomitees Studien zu den Lücken der Welterbeliste durch, deren Ergebnisse 2004 veröffentlicht wurden. Dabei wurden unter anderem die Valdivianischen Regenwälder als ein noch nicht auf der Welterbeliste vertretener Biodiversitätshotspot identifiziert. Die neue Welterbestätte Nationalpark Los Alerces und die durch sie geschützten Wälder stellen vor diesem Hintergrund einen wichtigen Beitrag zur Ausgewogenheit der Welterbeliste dar. Dies gilt umso mehr, als die Welterbestätte das Potenzial zur grenzüberschreitenden Erweiterung im Rahmen dieser Ökoregion aufweist.

 

 

Porträtserie

Im Rahmen der 41. Sitzung des UNESCO-Welterbekomitees im Juli 2017 in Krakau wurden 21 Stätten neu in die Liste des Welterbes aufgenommen. In ihrer Gesamtheit versinnbildlichen sie die Vielfalt und Bandbreite des gemeinsamen Erbes der Menschheit, dessen Erhaltung und Pflege sich die internationale Staatengemeinschaft 1972 mit dem "Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt" verschrieben hat.

Porträtserie

Das Ziel einer repräsentativen, ausgewogenen und glaubwürdigen Welterbeliste wurde mit der Globalen Strategie von 1994 in den Prozessen zur Umsetzung der UNESCO-Welterbeliste verankert. Grundlegend ist dabei die Idee einer Welterbeliste, die die Vielfalt des Natur- und Kulturerbes der Menschheit widerspiegelt.

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Besonders wichtig für die Umsetzung der Welterbekonvention ist seit 1994 die Globale Strategie für eine repräsentative, ausgewogene und glaubwürdige Welterbeliste. Die UNESCO erkennt die Kulturen der Welt grundsätzlich als gleichrangig an, daher sollen auf der Welterbeliste die bedeutendsten Zeugnisse aller Kulturen in ausgewogenem Maß repräsentiert sein.
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