Welterbe sein

Erhalt und Nachhaltige Entwicklung an Welterbestätten

„Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die die Lebensqualität der gegenwärtigen Generation sichert und gleichzeitig zukünftigen Generationen die Wahlmöglichkeit zur Gestaltung ihres Lebens erhält.“ (Brundtland-Bericht)

Diese Definition aus dem Brundtland-Bericht von 1987 ist heute aktueller denn je. Angesichts von Klimawandel, Ressourcenknappheit sowie sozialen Unruhen und kriegerischer Auseinandersetzungen sind die Ziele einer nachhaltigen Entwicklung von gesteigerter Bedeutung für die Weltgemeinschaft. Die Deutsche UNESCO-Kommission tritt in diesem Zusammenhang für einen erweiterten Nachhaltigkeitsbegriff ein, der neben dem Dreiklang von sozialer, wirtschaftlicher und ökologischer Dimension auch eine transversale, kulturelle Dimension beinhaltet. Mehr Informationen hierzu sind in der Stellungnahme der Deutschen UNESCO-Kommission zum Regierungsentwurf der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie vom 31. Mai 2016 zu finden.

Der Schutz und die Weitergabe des Welterbes können einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung darstellen. Diese Aufgabe ist auch in der Globalen Nachhaltigkeitsagenda mit dem Ziel 11.4 festgeschrieben: „Die Anstrengungen zum Schutz und zur Wahrung des Weltkultur- und -naturerbes verstärken“.

 

Darüber hinaus trägt das Welterbe aufgrund seiner Diversität in sich das Potenzial, in vielfältiger Weise zu nachhaltiger Entwicklung beizutragen. So ist die Idee der Nachhaltigkeit bereits in der UNESCO-Welterbekonvention von 1972 angelegt, sieht diese doch den langfristigen Erhalt von Natur- und Kulturerbestätten sowie deren Vermittlung und Weitergabe an zukünftige Generationen vor.

Der Schutz außergewöhnlicher Naturerbestätten und der in ihnen vorhandenen Biodiversität ist ein direkter Beitrag zur ökologischen Dimension der Nachhaltigkeit. So kann die Anerkennung als Welterbestätte zu einem verstärkten Bewusstsein und in Folge dessen zu ausgedehnten Schutzzonen führen, so geschehen 2017 in Mexiko mit der Einrichtung eines Ozeanreservats um das Revillagigedo-Archipel herum. Ein inklusiv ausgerichtetes Management von Welterbestätten, seien es Natur- oder Kulturerbestätten, bietet insbesondere der lokalen Bevölkerung Möglichkeiten langfristiger wirtschaftlicher Entwicklung. Ökotourismus, der die Besonderheiten einer Welterbestätte beachtet, kann – wie beispielsweise im „Tal der Wale“ in Ägypten – eine nachhaltige Beschäftigungs- und Einnahmequelle für Anwohner darstellen. Des Weiteren können Welterbestätten als interkulturelle Begegnungsstätten zu sozialer Kohäsion und – insbesondere in Konflikt- und Post-Konfliktsituationen – zur Resilienz von Gesellschaften beitragen.

Diese und viele weitere Aspekte wurden im Laufe der Zeit durch die Akteure im Welterbe erkannt und festgelegt. So hat das Welterbekomitee in seiner Budapester Erklärung von 2002 unterstrichen, dass das Management von Welterbestätten auf ein Gleichgewicht von Schutz und Erhalt, Nachhaltigkeit und Entwicklung ausgerichtet sein sollte.

Auch der derzeitige strategische Aktionsplan für die Umsetzung der Konvention („Strategic Action Plan for the Implementation of the Convention, 2012-2022“), beschlossen durch die Generalversammlung der Vertragsstaaten 2011, sieht vor, dass die Umsetzung der Welterbekonvention zu nachhaltiger Entwicklung beitragen soll.

Im November 2015, im Anschluss an die Verabschiedung der Sustainable Development Goals (SDGs; Ziele nachhaltiger Entwicklung) durch die UN-Generalversammlung, hat die Generalversammlung der Vertragsstaaten der Welterbekonvention schließlich in ihrer 20. Sitzung ein Richtlinienpapier zur Einbeziehung einer Perspektive der nachhaltigen Entwicklung in die Prozesse der Welterbekonvention verabschiedet. Dieses richtungsweisende Dokument ist aus dem UNESCO-Programm „World Heritage and Sustainable Development“, umgesetzt durch das UNESCO-Welterbezentrum in Paris, hervorgegangen und dient der prozessorientierten Verankerung von nachhaltiger Entwicklung im Welterbe.

weitere Artikel

Nachhaltiger Tourismus
Historische Stadt Dubrovnik

Welterbe sein

Nachhaltiger Tourismus

Mit ihrer Einschreibung in die Welterbeliste erlangen die meisten Kultur- und Naturerbestätten einen gesteigerten Bekanntheitsgrad, der sich oftmals in einer Zunahme der Besucherzahlen widerspiegelt. Für die Bevölkerung in und um Welterbestätten bietet der Tourismus oft eine wichtige Einnahmequelle. Gleichzeitig kann jedoch unkontrollierter Tourismus zu einer Bedrohung für das Welterbe werden.
weiterlesen
Gefährdungsfaktoren und Verträglichkeitsprüfungen
Historisches Zentrum von Wien

Welterbe sein

Gefährdungsfaktoren und Verträglichkeitsprüfungen

Welterbestätten sind weltweit einer Vielzahl von Gefährdungen ausgesetzt. Das UNESCO-Welterbekomitee hat eine Liste von Faktoren erstellt, welche eine Gefährdung für den außergewöhnlichen universellen Wert von Welterbestätten dargestellen können. Sollte eine Gefahr für den Erhalt einer Welterbestätte entstehen, kann diese auf die Liste des gefährdeten Erbes der Welt gesetzt werden.
weiterlesen