Kulturelle Vielfalt

Fair Culture - Ein Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung

 

Das Konzept „Fair Trade“ ist aus der Nahrungsmittel- und Textilindustrie nicht mehr wegzudenken. Fairer und nachhaltiger Handel soll zur Reduzierung von Armut und zu mehr Gerechtigkeit beitragen. Auch in der Kultur und Kreativwirtschaft bestehen Ungleichheiten, vor allem zwischen den Ländern des Globalen Südens und Nordens. Daher hat die Deutsche UNESCO-Kommission die Initiative Fair Culture ins Leben gerufen.

Fairer Handel, Kooperationen und Austausch haben für die Kultur und Kreativwirtschaft hohe Relevanz und Aktualität. Insbesondere im Kontext zunehmender globaler Vernetzung, Digitalisierung und veränderter Produktions- und Rezeptionsbedingungen, wie sie zum Beispiel durch die Nutzung von Onlineplattformen oder Streaming-Dienste entstanden sind.

Im Kulturbereich sehen sich Kreative und Kulturschaffende weltweit mit struktureller Ungleichheit konfrontiert. Die Covid-19 Pandemie hat diese Ungleichheit zusätzlich verstärkt. Existenzsichernde Löhne, Reisefreiheit und der Zugang zu internationalen Märkten sind für viele keine Realität. Ein fairer Handel mit kulturellen Dienstleistungen, Waren und geistigem Eigentum sowie nachhaltige Wertschöpfungsketten bleiben daher auch weiterhin ein wichtiges Anliegen für den Kultur- und Kreativsektor.  

Grundannahme der Studie „Fair Culture – Ein Beitrag für nachhaltige Entwicklung” ist es, dass das Konzept Fair Trade auch für die Stärkung fairer Austausch- und Handelsbeziehungen im Kulturbereich wegweisend sein kann. Fair Culture als Konzept möchte die Basis dafür schaffen, dass faire Austausch- und Handelsbeziehungen im Kulturbereich etabliert und weltweit gefördert werden. 

Für die Entwicklung des Fair-Culture-Konzepts arbeitete die Deutsche UNESCO-Kommission als Auftraggeberin mit dem Institut für Kultur- und Medien-Management der Hochschule für Musik und Theater Hamburg und dem Büro für Kreativwirtschaft in Bonn zusammen. Die Grundlagenstudie wurde in einem zweijährigen Forschungsprozess von einem Team um Prof. Dr. Véronique Guèvremont, Inhaberin des UNESCO-Lehrstuhls „Vielfalt kultureller Ausdrucksformen“ an der Universität Laval in Québec, Kanada erarbeitet. Finanziert wurde die Studie vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

Publikation

Fair Culture - Ein Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung.
Deutsche UNESCO-Kommission, 2021

This debate [about Fair Culture] is an opportunity to talk about a new dynamic that could be injected into cultural cooperation drawing inspiration from a movement that had a really positive effect in other areas of international exchange: the FairTrade-Movement.

Diese Debatte [über Fair Culture] ist eine ideale Gelegenheit, um über eine neue Dynamik in der kulturellen Zusammenarbeit zu sprechen und sich dabei von einer Bewegung inspirieren zu lassen, die sich in anderen Bereichen des internationalen Austauschs sehr positiv ausgewirkt hat: die FairTrade-Bewegung.

Véronique Guèvremont, Autorin der Studie "Fair Culture - Ein Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung"

Dr. Keith Nurse, Universität der Westindischen Inseln, über fairen Handel im Kulturbereich

Video: Fairer Handel im Kulturbereich
Iframe entriegeln und Cookies akzeptieren

Botschaft von Dario Soto Abril, CEO Fairtrade International bis 2021

Interview mit Dario Soto zu Fair Culture
Iframe entriegeln und Cookies akzeptieren

 

Unser Beitrag für eine faire und nachhaltige Kultur und Kreativwirtschaft

Die Deutsche UNESCO-Kommission begleitet als nationale Kontaktstelle die Umsetzung der UNESCO-Konvention über den Schutz und die Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen (2005) in und durch Deutschland. Mit der Projektinitiative Fair Culture macht sich die Deutsche UNESCO-Kommission seit 2018 für einen fairen und nachhaltigen Handel mit kulturellen Gütern und Dienstleistungen stark und setzt sich für die Mobilität von Kunstschaffenden und Kreativen ein. Die Fair Culture-Initiative und die 2022 veröffentliche gleichnamige Studie will gute Beispiele aus der Praxis identifizieren und sichtbar machen.  

Die Fair-Culture-Initiative möchte zugleich als Plattform dienen für die Vernetzung und Zusammenarbeit internationaler Akteure aus Wissenschaft, fairem Handel und Kultur- und Kreativsektor. 2018 lud die Deutsche UNESCO-Kommission erstmals Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Zivilgesellschaft und Wissenschaft in die UNESCO Creative City of Music Mannheim zu einem Expertengespräch ein. Debattiert wurden unter anderem folgende Fragen: Welche Parameter der Fair-Trade-Bewegung und -Zertifizierung lassen sich auf den Handel mit Kulturgütern und Dienstleistungen übertragen? Was sind Spezifika und besondere Herausforderungen des Kulturbereichs? Was lehren uns die Erfahrungen aus Theorie und Praxis? 

Die Ergebnisse der Diskussion wurden im Rahmen der 12. Sitzung des Zwischenstaatlichen Ausschusses der 2005er UNESCO-Konvention in Paris vorgestellt und mit Vertreterinnen und Vertretern der UNESCO Mitgliedstaaten diskutiert. Der Zusammenhang zwischen der 2005er Konvention und fairem Handel stand dabei besonders im Fokus. Die positive Resonanz auf die Idee von „Fair Trade for Culture” verdeutlicht, wie wichtig fairer und nachhaltiger Handel, faire Kooperationen und faire Partnerschaften im Kulturbereich sind.   

2019 wurden im Rahmen der Kampagne „60 Minutes für Fair Culture” Kulturschaffende und Kreative aus verschiedenen Bereichen der Kreativindustrie, unter anderem aus den Bereichen Film, Literatur und Musik angesprochen. Die branchenspezifischen Workshops fanden im Rahmen der Berlinale, der Frankfurter Buchmesse und der internationalen Musikmesse WOMEX statt.

Kooperationen ausbauen und Allianzen stärken

Für die erfolgreiche Umsetzung des Fair-Culture-Ansatzes ist eine verstärkte Kooperation auf nationaler, bilateraler und multilateraler Ebene entscheidend. Es braucht neue Allianzen, um Standards und Kriterien für einen fairen und nachhaltigen Handel im Kultursektor zu entwickeln und anzuwenden. Zudem gilt es, die Wertschöpfungsketten im Kulturbereich transparenter zu machen, unter anderem durch die Erhebung und Auswertung von Daten. Bestehende und neue Partner aus Wissenschaft, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Politik müssen dafür zusammenkommen und in bestehende und zukünftige Kooperationen eingebunden werden.

"Fair Trade for Culture is a new concept that I heard of at Berlinale Talents 2019. It encompasses the notion that we are currently facing a number of discrepancies when it comes to the way cultural content is produced, paid for and seen by the audience and the possible solutions and policy measures to address these issues. I hope UNESCO continues working on this important area!"

„Fair Trade for Culture ist ein neues Konzept, von dem ich bei „Berlinale Talents“ 2019 gehört habe. Es umfasst die Idee, dass wir derzeit mit einer Reihe von Diskrepanzen konfrontiert sind, was die Art und Weise betrifft, wie kulturelle Inhalte produziert, bezahlt und vom Publikum rezipiert werden, sowie die Ansätze und politischen Maßnahmen zur Lösung dieser Probleme. Ich hoffe, die UNESCO arbeitet auch weiterhin in diesem wichtigen Bereich!“

Maria Stanisheva von ANIMADOCS.com (Berlinale Talent)

Wichtig ist auch die Stärkung eines öffentlichen Bewusstseins für die Bedeutung von menschenrechtsbasierten fairen Produktions- und Handelspraktiken und deren sozialen, kulturellen, ökologischen und wirtschaftlichen Auswirkungen. Eine gezielte Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit sollte sich an Konsumenten, Kulturschaffende und Kreative sowie Verantwortliche in Politik und Wirtschaft gleichermaßen richten.

UNESCO-Weltbericht Kulturpolitik

Kulturelle Vielfalt weltweit

UNESCO-Weltbericht Kulturpolitik

Die UNESCO-Konvention über den Schutz und die Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen hat seit ihrer Verabschiedung im Oktober 2005 die Politik in allen Weltregionen maßgeblich beeinflusst. Das zeigen die UNESCO-Weltberichte zur Kulturpolitik. Die neueste Ausgabe ist im Februar 2022 erschienen.
weiterlesen
Die UNESCO-Konvention über den Schutz und die Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen
 KV unesco-konferenz_c unesco.jpg

Kulturelle Vielfalt

Die UNESCO-Konvention über den Schutz und die Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen

Die Konvention von 2005 schafft eine völkerrechtlich verbindliche Grundlage für das Recht aller Staaten auf eigenständige Kulturpolitik.
weiterlesen
Kulturelle Vielfalt

Kultur und Natur

Kulturelle Vielfalt

Culture Counts – Kultur zählt. Diese Botschaft zieht sich als Leitmotiv durch das Kulturprogramm der UNESCO. Schutz und Erhalt des kulturellen Erbes, Bewahrung und Förderung der kulturellen Vielfalt und der Dialog zwischen den Kulturen zählen zu den Hauptaufgaben.
weiterlesen