Kulturelle Vielfalt

Fair Culture

Die Deutsche UNESCO-Kommission setzt sich mit der Initiative „Fair Culture“ weltweit für faire und nachaltige Austausch- und Handelsbeziehungen im Kulturbereich ein.

Fair Trade ist ein bekanntes Modell im Welthandel, um fairere und nachhaltigere Bedingungen in der Nahrungsmittel- und Textilindustrie zu erreichen. Das Ziel ist es, entlang der gesamten Wertschöpfungskette Armut und Ungleichheiten zu reduzieren.

Während Fair Trade bereits von zahlreichen Unternehmen weltweit umgesetzt wird, gibt es in der Kultur- und Kreativwirtschaft kaum ähnliche Modelle. Um das zu ändern, hat die Deutsche UNESCO-Kommission 2018 die Initiative „Fair Culture“ ins Leben gerufen. Denn auch in der Kultur- und Kreativwirtschaft bestehen massive Ungleichheiten vor allem zwischen den Ländern des Globalen Südens und denen des Globalen Nordens.

Fair Culture – Ein Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung

Kreative und Kulturschaffende weltweit sehen sich mit großen strukturellen Ungleichheiten konfrontiert. Künstlerinnen und Künstlern aus dem Globalen Süden bleibt der Zugang zu internationalen Kunst- und Kulturmärkten meist verschlossen. Sie leiden oft unter prekären finanziellen und sozialen Verhältnissen, können nicht von ihrer Kunst leben und sind auf dem weltweiten Kunst- und Kulturmarkt weniger sichtbar. Das zeigen die UNESCO-Weltkulturberichte 2018 und 2022.

Die Covid-19-Pandemie hat die bestehenden Ungleichheiten zusätzlich verschärft. Die Digitalisierung verändert derweil gesamte Wertschöpfungsketten mit drastischen Auswirkungen für Kulturschaffende. Die Stärkung fairer und nachhaltiger Austausch- und Handelsbeziehungen im Kultursektor, einer „Fair Culture“, ist daher wichtiger denn je.

der internationalen Künstlerinnen- und Künstler-Residenzen werden in Europa und Nordamerika angeboten.

Die Industrieländer dominieren den Handel mit kulturellen Dienstleistungen immer noch mit 95 Prozent der Gesamtexporte.

Fair Culture: Mehr faire Kultur wagen

Der Ansatz der „Fairen Kultur“ soll zum integralen Bestandteil von Reformen des Kultursektors („building back better“) und eines künftigen UN-Rahmens für nachhaltige Entwicklung werden.

Friederike Kärcher (BMZ) zu Fair Culture: Mehr Chancen für den Globalen Süden (WDR 3 Beitrag)

This debate [about Fair Culture] is an opportunity to talk about a new dynamic that could be injected into cultural cooperation drawing inspiration from a movement that had a really positive effect in other areas of international exchange: the Fair Trade Movement.

Diese Debatte [über Fair Culture] ist eine ideale Gelegenheit, um über eine neue Dynamik in der kulturellen Zusammenarbeit zu sprechen und sich dabei von einer Bewegung inspirieren zu lassen, die sich in anderen Bereichen des internationalen Austauschs sehr positiv ausgewirkt hat: die Fair-Trade-Bewegung.

Véronique Guèvremont, Autorin der Studie „Fair Culture - Ein Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung“

Dr. Keith Nurse (Universität der Westindischen Inseln, Jamaika) über fairen Handel im Kulturbereich

Fairer Handel im Kulturbereich
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Im Auftrag der Deutschen UNESCO-Kommission wurde 2021 die Studie „Fair Culture – Ein Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung“ veröffentlicht. Die umfassende Grundlagenstudie wurde von Prof. Dr. Véronique Guèvremont, Inhaberin UNESCO-Lehrstuhls „Vielfalt kultureller Ausdrucksformen“ an der Universität Laval in Québec, Kanada, verfasst und vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert.

Inspiriert von der Fair-Trade-Bewegung stellt die Studie erstmals ein umfassendes Konzept vor, auf dessen Basis faire Austausch- und Handelsbeziehungen im Kulturbereich weltweit etabliert und gefördert werden können. Dazu zählt etwa die Verbesserung der Mobilität von Kunst- und Kulturschaffenden sowie die Förderung der interna­tionalen Zusammenarbeit und Solidarität ausgehend von einem Multi-Stakeholder-Ansatz.

Publikation

Fair Culture - Ein Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung.
Deutsche UNESCO-Kommission, 2021

Was bisher geschah

Expertinnen- und Expertengespräche in Mannheim und Paris

2018 lud die Deutsche UNESCO-Kommission erstmals Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Zivilgesellschaft und Wissenschaft in die UNESCO Creative City of Music Mannheim zu einem Expertengespräch ein. Die Ergebnisse der Diskussion wurden im Rahmen der 12. Sitzung des Zwischenstaatlichen Ausschusses der 2005er UNESCO-Konvention in Paris vorgestellt und mit Vertreterinnen und Vertretern der UNESCO-Mitgliedstaaten diskutiert. Im Fokus stand der Zusammenhang zwischen der 2005er Konvention und fairem Handel.

Talent Footprints

In Kooperation mit Berlinale Talents, einem Talentförderprogramm der Internationalen Filmfestspiele Berlin, und dem Auswärtigen Amt organisierte die Deutsche UNESCO-Kommission im Rahmen des Berlinale Talents Programms 2019 den Workshop Talents Footprints. Dr. Keith Nurse stellte das Konzept Fair Trade for Culture vor und diskutierte mit den Teilnehmenden über Möglichkeiten und Chancen zur Gestaltung einer fairen und nachhaltigen Kultur- und Filmindustrie.

Frankfurter Buchmesse 2019

In Zusammenarbeit mit der Frankfurter Buchmesse GmbH veranstaltete die Deutsche UNESCO-Kommission am 18. Oktober 2019 den interaktiven Workshop „60 Minuten für Fair Culture - Wie können Lieferketten in der Buchindustrie fair und nachhaltig gestaltet werden?“. Internationale Expertinnen und Experten diskutierten, wie das Konzept von Fair Trade auf den Buchmarkt unter Beachtung der spezifischen Bedingungen des Literatursektors übertragen werden kann.

Zu den Ergebnissen des Workshops

Fair Culture bei World Music Expo (WOMEX) 2019

Gemeinsam mit dem finnischen Kultur- und Bildungsministerium lud die Deutsche UNESCO-Kommission im Oktober im Rahmen der Worldwide Music EXpo (WOMEX) zu einem Netzwerktreffen unter dem Titel „60 Minuten für Fair Culture – Wie können Lieferketten in der Musikindustrie fair und nachhaltig gestaltet werden?“ ein.

Side-Event „Fair Culture“ auf der MONDIACULT 2022

Die Deutsche UNESCO-Kommission rief im Rahmen der UNESCO-Weltkulturkonferenz MONDIACULT 2022 internationale Expertinnen und Experten für ein hybrides Side-Event am 27. September zusammen und formulierte Empfehlungen für eine neue globale Kulturpolitik.

Hintergrund

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