Bundesweites Verzeichnis Immaterielles Kulturerbe

Drechslerhandwerk – Traditionelle Technik der mechanischen Werkstoffbearbeitung auf Basis rotierender Werkstücke

Das Drechslerhandwerk zeigt sich als ein sehr beständiges, wandlungsfähiges und innovatives Handwerk. Die Ausübung des tradierten Handwerks erfordert langjährige Erfahrung, ein ausgeprägtes technisches Verständnis sowie Geschick und Formgefühl. Mit über 100 Innungsbetrieben, über 1.000 eingetragenen Handwerksbetrieben und einer Hobby- und Freizeitszene von rund 5.000 Drechslern ist das Handwerk im beruflichen wie im privaten Bereich in Deutschland äußerst lebendig.

Illustration Immaterielles Kulturerbe

Fakten

  • Aufnahmejahr: 2018
  • Verbreitung:
  • Zentraler Termin: ganzjährig
  • Bereiche: darstellende Künste, traditionelle Handwerkstechniken

Kontakt

Verband des Deutschen Drechsler- und Holzspielzeugmacherhandwerks e.V.
Thomas Mörtel
info@handwerk-fuerth.de
www.drechslerverband.de

Das Drechslerhandwerk ist eines der ältesten Handwerke der Menschheit. Rotierende Werkstücke aus natürlichen Materialien wie Holz, Horn oder Bernstein werden mithilfe von Schneidwerkzeugen zu handwerklichen und künstlerischen (Nutz-)Objekten veredelt. Aufgrund einer Vielzahl verwendeter Rohstoffe und Produktspezialisierungen charakterisieren heute seltene Fachrichtungen wie zum Beispiel Reifendreher, Bernsteindrechsler, Horndrechsler und Holzspielzeugmacher den Beruf.

Hauptsächlich werden mehr als 100 verschiedene einheimische Weich-, Hart- und Edelhölzer zu Einzelelementen wie Treppenstäben, Säulen, Schalen, Dosen oder komplexen Artikeln wie Tischen, Stühlen, Noten- oder Garderobenständern verarbeitet. Besonderer Aufmerksamkeit wird bei der Fertigung von Einzelstücken in Handarbeit oder kunsthandwerklichen Objekten gelegt, etwa für den Kirchen-, Denkmal- oder Kunstbereich. Auch leistet das Handwerk Zulieferarbeiten zum Beispiel für Schreiner, Restauratoren, Musikinstrumenten-, Orgel- und Formenbauer oder die Spielzeugherstellung. Im Einsatz sind dabei neben der klassischen Drehbank und dem Dreheisen auch Röhre und Meißel als wichtigste Handwerkzeuge sowie computergesteuerte CNC-Fräsmaschinen.

Die Weitergabe des Handwerks erfolgt unter anderem durch eine dreijährige Berufsausbildung von Lehrlingen in Betrieben sowie in Berufsschulen. Praktische Erfahrungen und das Schärfen feinmotorischer Fähigkeiten wie Sehen, Hören und Riechen sind für die Ausübung des Handwerks unerlässlich. Ein guter Drechsler hört, ob die Teile sauber gedreht werden oder ob ein Drehteil in dem selbst hergestellten Spannfutter halten wird.

Im frühen siebten Jahrhundert wurde in Corneto in Italien der nachweislich älteste gedrehte Gegenstand gefunden. Die Etrusker hatten damals bereits große Fertigkeit im Drehen von Schalen, Möbelfüßen und Tellern entwickelt. Die Kelten brachten das Handwerk nach Norden und im Raum Deutschland ist es seit dem dritten Jahrhundert nachgewiesen. Im Mittelalter trugen die Drechsler zur Blüte des Handwerks bei und auch im Barock erfreute sich das Drechslerhandwerk großer Popularität und wurde selbst vom Adel praktiziert. Revolutionär war die im 15. Jahrhundert von Leonardo da Vinci entwickelte gekröpfte Welle, die eine kontinuierliche, fortlaufende Drehbewegung an der fußbetriebenen Drehbank möglich machte. Figuren- und Vieleckdrehbänke entstanden.

Publikation

Wissen. Können. Weitergeben.
Deutsche UNESCO-Kommission, 2017

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