Bundesweites Verzeichnis Immaterielles Kulturerbe

Die Tradition des Schäferlaufs und Schäferhandwerks in Markgröningen, Bad Urach und Wildberg

Seit dem 14. Jahrhundert wird die Tradition des Schäferlaufs und Schäferhandwerks in den drei Städten des heutigen Baden-Württembergs praktiziert. Ein spielerischer Wettbewerb, das „Leistungshüten“, trägt zum Erhalt des spezifischen Wissens und Könnens der Schäfer bei und zeigt dieses gleichzeitig anschaulich für die Öffentlichkeit. Erlöse aus Verkaufsmärkten fließen in einen Schafhaltungsfonds ein, aus dem die Stadtschäfer unterstützt werden.

Illustration Immaterielles Kulturerbe

Fakten

  • Aufnahmejahr: 2018
  • Verbreitung: Markgröningen, Bad Urach und Wildberg in Baden-Württemberg
  • Zentraler Termin: Bartholomäustag (24. August)
  • Bereiche: Gesellschaftliche Bräuche, Rituale und Feste; Wissen und Bräuche in Bezug auf die Natur und das Universum

Die Tradition der Schäferläufe geht mutmaßlich ins 14. Jahrhundert zurück. Noch heute wird sie in den Städten Markgröningen, Bad Urach und Wildberg auf dem Gebiet des heutigen Baden-Württembergs gepflegt. Ausgangspunkt dieser Festtradition ist die Zunftordnung der Schäfer aus dem Jahr 1651. Alle Feste haben bis heute ihre Bedeutung im Jahreskalender der Schäfer behalten, in Markgröningen ebenso wie in Bad Urach und Wildberg. Das Grundelement hierbei bilden nach wie vor der klassische Schäferlauf sowie verschiedene andere Wettspiele (zum Beispiel das Wassertragen). Ebenfalls bedeutungsvoll ist die Übergabe der in den Rathäusern das Jahr über verwahrten Schäferfahne und Zunftlade.

Seit jeher messen sich Schäfer und Schäferinnen im Wettlauf, schließlich hat die Schafzucht für diesen geographischen Raum nach wie vor große Bedeutung. Standen früher die Wollwirtschaft und das Metzgerhandwerk (Fleischproduktion) im Vordergrund, so ließ die Bedeutung der Wollwirtschaft auf Grund der billigeren Konkurrenz durch die Baumwollproduktion stark nach. Heutzutage stehen neben der Fleischproduktion vor allem der Erhalt von historisch gewachsenen Kulturlandschaften und der Naturschutz im Vordergrund. Die geologische Struktur der Landschaften um Markgröningen, Bad Urach und Wildberg ist auf die schonende, nachhaltige Pflege der Landschaft durch Schafe angewiesen - ein Grund, der nicht zuletzt dazu geführt hat, dass sich in den Schäferlaufstädten auch die Tradition der Stadtschäferschaft fortgesetzt hat. So müssen entsprechend beim Leistungshüten Schäfer und ihre Hunde die Herde des jeweiligen Stadtschäfers hüten und ihre beruflichen Fertigkeiten unter Beweis stellen.

Kontakt

Stadt Bad Urach
Eberhard Knauer
info@bad-urach.de
https://www.badurach-schaeferlauf.de/home

Stadtverwaltung Wildberg
Eberhard Fiedler
info@wildberg.de
https://schaeferlauf-wildberg.de
 
Stadt Markgröningen
Andrea Hartmann
info@markgroeningen.de
http://www.markgroeningen.de/index.php?id=178

Die Lebendigkeit der Feste zeigt sich auch in den verschiedenen Komponenten, die im Laufe der Jahrhunderte neuer fester Bestandteil der Feste wurden. Dies gelang nicht allen, denn aufgrund des sich wandelnden Zeitgeistes pausierten manche eine Zeit lang (zum Beispiel das Stelzenlaufen) oder verschwanden gänzlich (beispielsweise das Mastbaumklettern). Etabliert haben sich die Festumzüge durch die Städte, Festspiele in Form von Theaterstücken sowie große Handwerks-Märkte als Kernelemente. Die Tradition des Schäfertanzes zu Ehren des Königspaares ist eine sehr alte Komponente des Brauchs. Die festgelegten Programmpunkte tragen zur Weitergabe des spezifischen Wissens und Könnens von Generation zu Generation bei.

Durch die wirtschaftlichen Veränderungen auch beim Schäferhandwerk und dem Wunsch, ein breitgefächertes Festvergnügen zu bieten, wurden immer mehr örtliche Vereine in den Festablauf integriert. Sie sind heute bei der Durchführung des Programms tragende Säulen. Zusammen und in Verbindung mit der örtlichen öffentlichen Trägerschaft wird das Gesamtkonstrukt „Schäferlauf als Brauchtums- und Heimatfest“ seit Jahrhunderten bewahrt und behutsam angepasst. Durch die integrative Ausstrahlung des Festes können alle Teile der Bevölkerung zu einer Teilnahme animiert sowie Zugezogene integriert werden. Dies sichert zugleich den Erhalt des Festes für die Zukunft.

Märkte bieten zu den Festlichkeiten viele Schäfereiwaren an. Deren Erlöse fließen auch in einen Schafhaltungsfonds ein, aus dem die Stadtschäfer unterstützt werden. Gleichzeitig bieten die Märkte Gelegenheit, Verarbeitungstechniken kennenzulernen, die mit der Schäferei zusammenhängen. Durch vielfältige Möglichkeiten der Teilnahme durch die örtliche Bevölkerung, sei es im Festzug oder bei der Aufführung der Festspiele, schaffen die Schäferläufe ein über die eigentliche Veranstaltung hinausgehendes Zusammengehörigkeitsgefühl in den Städten. Die junge und heterogene Zusammensetzung der Gruppen ermöglicht vor allem auch Jugendlichen einen Einblick in ein Handwerk zu bekommen, dem sie in ihrem Alltag kaum noch begegnen können.

Publikation

Wissen. Können. Weitergeben..
Deutsche UNESCO-Kommission, 2017

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