Bundesweites Verzeichnis Immaterielles Kulturerbe

Zwiefacher

Der Zwiefache ist eine typisch bayerisch-böhmische Musikgattung, die musiziert, getanzt und gesungen wird. Seine Besonderheit besteht im unregelmäßigen Wechsel zwischen Dreivierteltakt (Walzer) und Zweivierteltakt (Dreher). Die älteste bayerische Schriftquelle eines Zwiefachen ist eine Musikhandschrift von 1740 und der früheste gedruckte Nachweis eines Zwiefachen ist eine Veröffentlichung von 1825.

Illustration Immaterielles Kulturerbe

Fakten

  • Aufnahmejahr: 2016
  • Verbreitung: Bayern
  • Zentraler Termin: ganzjährig
  • Bereich: Darstellende Künste; gesellschaftliche Bräuche, Rituale und Feste

Kontakt

Bezirk Niederbayern / Kulturreferat
Dr. Maximilian Seefelder & Dr. Philipp Ortmeier
kultur@bezirk-niederbayern.de

Der Zwiefache ist fester Bestandteil der Volksmusikszene, die aus unzähligen Instrumental- und Vokalensembles sowie Tanzgruppen besteht. Durch jahrzehntelange Zusammenarbeit verschiedener Volksmusikgruppen und dem Bayerischen Rundfunk wurde der Zwiefache in ganz Bayern und darüber hinaus populär. Zahlreiche Publikationen und Tonaufnahmen dokumentieren die kontinuierliche Präsenz der Musikgattung seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Auf Seminaren der institutionalisierten Volksmusikpflege sowie durch viele Einzelinitiativen auf Vereinsebene wird für die Weitergabe des Zwiefachen in seinen instrumentalen, vokalen und getanzten Formen und Varianten gesorgt. Darüber hinaus sorgen Institutionen der Volksmusikpflege wie z.B. Archive und Forschungsstellen für Dokumentation und Bewahrung von Zwiefachen.

Die reiche regionale Überlieferung von Zwiefachen mit ihren vertrauten Melodien, Rhythmen, Texten und Schrittfolgen hat einen identitätsstiftenden Charakter für die praktizierenden Gruppen, der nicht zuletzt durch die bewusste kreative Auseinandersetzung mit dem Material gestärkt wird.

"Der Zwiefache, der sich zu allen Zeiten wandlungsfähig zeigte, forderte regelrecht dazu heraus, ihn als immaterielles Kulturerbe vorzuschlagen."

In jüngerer Zeit hat die sogenannte Neue Volksmusik den Zwiefachen für sich entdeckt und neue Kompositionen und Interpretationen dieser Gattung hervorgebracht. Dabei werden traditionelle Streich-, Blas- und Zupfinstrumente sowie moderne elektronische Instrumente verwendet. Auch außerhalb der Volksmusikszene genießt der Zwiefache breite Akzeptanz und Präsenz. So erklingt er in Bierzelten, auf Feuerwehrfesten und Kirchweihfesten gleichermaßen wie auf Hochzeiten und Faschingsbällen.

Publikation

Wissen. Können. Weitergeben.
Deutsche UNESCO-Kommission, 2017

weitere Artikel

Lindenkirchweih Limmersdorf
Lindenkirchweih Limmersdorf

Bundesweites Verzeichnis Immaterielles Kulturerbe

Lindenkirchweih Limmersdorf

Im Fest und in der Überlieferung der Lindenkirchweih von Limmersdorf verkörpert sich ein jahrhundertealter und ursprünglich weit verbreiteter Brauch. Heute wird dieser nur noch in wenigen Orten Oberfrankens und Thüringens in seiner alten Form gepflegt. Im Mittelpunkt einer Lindenkirchweih steht die oft uralte, majestätisch anmutende Tanzlinde des jeweiligen Ortes.
weiterlesen
Volkstanzbewegung in ihren regionalen Ausprägungen in Deutschland
Volkstanzbewegung

Bundesweites Verzeichnis Immaterielles Kulturerbe

Volkstanzbewegung in ihren regionalen Ausprägungen in Deutschland

Die Volkstanzbewegung ist durch vielfältige Erscheinungsformen geprägt, die sich historisch auf die Vielstaatigkeit Deutschlands zurückführen lassen. Landestypische Musik, gesellschaftliche Rahmenbedingungen und örtliche Bräuche prägten die jeweiligen Formen und Praktiken. Die Übermittlung der Tänze vollzog sich über Jahrhunderte mündlich und durch körperliche Nachahmung.
weiterlesen