Timm Nikolaus Schulze
Pressesprecher
Deutsche UNESCO-Kommission
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Der Sudanesische Journalistenverband erhält den diesjährigen UNESCO/Guillermo Cano-Preis für Pressefreiheit. Die UNESCO würdigt damit den Einsatz des Verbandes für die Pressefreiheit im Sudan und seine Rolle bei der Dokumentation und Verurteilung gezielter Angriffe auf Medienschaffende im laufenden Konflikt. Seit Kriegsbeginn 2023 hat der Verband 32 getötete Journalistinnen und Journalisten sowie 556 Verstöße gegen Medienschaffende dokumentiert. Der Preis wird anlässlich des Welttages der Pressefreiheit am 3. Mai 2026 im Rahmen der UNESCO-Konferenz „Shaping a Future at Peace“ in Lusaka, Sambia, verliehen.
Roman Luckscheiter, Generalsekretär der Deutschen UNESCO‑Kommission, erklärt dazu: „Die Auszeichnung des Sudanesischen Journalistenverbands ist ein starkes Zeichen der Anerkennung für außergewöhnlichen Mut. Medienschaffende im Sudan leisten unter lebensgefährlichen Bedingungen unverzichtbare Arbeit: Sie informieren, dokumentieren und sorgen dafür, dass die Welt die Stimmen der Menschen im Sudan hört. Gerade dort, wo Gewalt, Desinformation und Propaganda Räume des Schweigens schaffen, ist unabhängiger Journalismus überlebenswichtig. Die Auszeichnung macht deutlich: Pressefreiheit ist keine Selbstverständlichkeit. Sie zu schützen heißt, demokratische Teilhabe, Menschenrechte und Frieden zu schützen.“
Laut UNESCO sind 90 Prozent der sudanesischen Medieninfrastruktur zerstört. Medienschaffende werden bedroht, festgenommen und massiv an ihrer Arbeit gehindert. Zahlreiche Zeitungen und Radiosender mussten ihren Betrieb einstellen. Der Sudan gilt daher als eines der gefährlichsten Länder für Journalistinnen und Journalisten weltweit.
Die UNESCO unterstützt sudanesische Medienschaffende unter anderem durch das Sudanese Media Forum, das mehr als 20 Medien zusammenbringt, sowie durch sichere Räume in Port Sudan.
Der von der Deutschen UNESCO-Kommission initiierte „Runde Tisch Sudan“ bringt seit 2024 Akteure aus Kultur, Wissenschaft und Zivilgesellschaft aus Deutschland und dem Sudan zusammen. Er ist auch ein Forum für den Austausch von Expertinnen und Experten für Medien. Ziel ist es, trotz des anhaltenden Kriegs Unterstützungsstrukturen für Bildung, Kultur, Wissenschaft und Kommunikation im Sudan zu entwickeln und zu stärken.
Die UNESCO warnt mit Blick auf ihren 2025 veröffentlichten World Trends Report on Freedom of Expression and Media Development erneut vor einer weltweiten Verschlechterung der Meinungs- und Pressefreiheit. Besorgniserregend sind aktuell besonders die Zunahme journalistischer Selbstzensur, wachsende staatliche Kontrolle über Medien sowie vermehrte Angriffe auf Medienschaffende. Allein zwischen 2022 und 2025 wurden weltweit über 300 Journalistinnen und Journalisten getötet. Der UNESCO-Bericht verweist zudem auf den steigenden Einfluss digitaler Technologien und KI‑Anwendungen, die bei fehlender Regulierung das Risiko für Desinformationen und Vertrauensverlust in den Journalismus erhöhen können.
Auch in Deutschland sind die angespannte Sicherheitslage für Medienschaffende und damit verbundene Einschränkungen in der Berufsausübung ein Problem. Organisationen wie Reporter ohne Grenzen verzeichnen hierzulande ebenfalls Angriffe auf Journalistinnen und Journalisten, insbesondere im Umfeld von Demonstrationen. Angesichts dieser zunehmenden Anfeindungen muss sichergestellt werden, dass die Arbeit im Journalismus weiterhin frei und sicher ausgeübt werden kann und die Meinungs- und Pressefreiheit gewahrt bleibt. Am 5. Mai findet in Deutschland der Tag des Lokaljournalismus statt, womit diese Themen auf lokaler Ebene in den Fokus rücken. Der Aktionstag steht unter der Schirmherrschaft der Deutschen UNESCO-Kommission und ist eine Initiative von IPPEN.MEDIA sowie der dpa Deutsche Presse-Agentur und Highberg als Partner des Verlagsprojekts DRIVE.
Auf Empfehlung der UNESCO erklärte die Generalversammlung der Vereinten Nationen 1993 den 3. Mai zum Welttag der Pressefreiheit. Dahinter steht die Forderung, dass alle Journalistinnen und Journalisten das Recht haben müssen, frei und ohne Angst berichten zu können. Der UNESCO/Guillermo Cano-Preis für Pressefreiheit wird seit 1997 jährlich vergeben. Er ist nach dem kolumbianischen Journalisten Guillermo Cano Isaza benannt, der 1986 vor dem Redaktionsgebäude seiner Zeitung El Espectador in Kolumbiens Hauptstadt Bogotá ermordet wurde.
Die UNESCO hat das Mandat der Vereinten Nationen, die Meinungs- und Pressefreiheit weltweit zu schützen. Sie unterstützt den Aufbau unabhängiger und pluralistischer Medien. Besonders in Krisen- und Konfliktregionen hilft die UNESCO freien und unabhängigen Medien, Prozesse der Konfliktlösung, der Demokratisierung und der Friedenssicherung voranzutreiben und zu gestalten. Mit zahlreichen regionalen Projekten fördert sie die Aus- und Fortbildung von Journalistinnen und Journalisten. Auch die Sicherheit von Medienschaffenden ist ein Aspekt der Meinungs- und Pressefreiheit.
Welttag der PressefreiheitExterner Link:
UNESCO/Guillermo Cano-Preis für PressefreiheitExterner Link:
Runder Tisch Sudan der Deutschen UNESCO-KommissionExterner Link:
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