

Immaterielles Kulturerbe: Vielfalt leben, Zusammenhalt stärken
IKE-Werkstatt 2026
Am Vortag der Urkundenverleihung kamen bei der IKE-Werkstatt Kulturerbeträgerinnen und Kulturerbeträger, Interessierte sowie Fachleute aus unterschiedlichen Bereichen des Immateriellen Kulturerbes zusammen. Selten lässt sich die Vielfalt des Immateriellen Kulturerbes in Deutschland so unmittelbar erleben wie in einem Raum, in dem Gemeinschaften mit ganz unterschiedlichen kulturellen Ausdrucksformen aufeinandertreffen. Die Werkstatt zeigte, wie viele Verbindungen dabei entstehen können – zwischen Menschen, die sich sonst vermutlich nie begegnet wären.
Im Austausch über Vernetzung, Sichtbarkeit, Wissensweitergabe und Antragstellung entstanden neue Kontakte, Ideen und Perspektiven für die zukünftige Zusammenarbeit. Dabei wurde deutlich, dass viele Gemeinschaften ähnliche Fragen bewegen: Wie kann die Anerkennung genutzt werden, um Sichtbarkeit zu schaffen? Wie gelingt die Weitergabe an kommende Generationen? Und wie können Netzwerke dazu beitragen, Wissen zu teilen und Herausforderungen gemeinsam zu begegnen? Die Werkstatt stärkte bestehende Netzwerke und schuf neue Verbindungen zwischen Menschen, die sich in unterschiedlichen Bereichen für den Erhalt und die Weiterentwicklung des Immateriellen Kulturerbes engagieren.
Die Aufnahme in das Bundesweite Verzeichnis ist nicht das Ende eines Prozesses, sondern dessen Ausgangspunkt. Die Anerkennung setzt Impulse für Erhaltung, Sichtbarkeit und Weiterentwicklung, doch die Umsetzung liegt vor allem in der Hand der Praktizierenden. Die Werkstatt machte einmal mehr deutlich: Immaterielles Kulturerbe lebt von Menschen, die ihr Wissen und ihre Erfahrungen teilen, voneinander lernen und kulturelle Ausdrucksformen gemeinsam gestalten.

Bildergalerie: IKE-Werkstatt

Festakt zur Urkundenverleihung
Bei der Festveranstaltung anlässlich der Neueintragungen in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes kamen am 16. Juli 2026 in Schwerin Trägergruppen, Fachleute sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Kultur zusammen.
Im Rahmen der Veranstaltung betonten Mecklenburg-Vorpommerns Kulturministerin Bettina Martin und der Vorsitzende des unabhängigen Fachkomitees Immaterielles Kulturerbe der Deutschen UNESCO-Kommission, Prof. Dr. Benjamin Jörissen, die Bedeutung des Engagements der Kulturerbetragenden für die Weitergabe und lebendige Gestaltung kultureller Praktiken. Die diesjährigen Neueintragungen verdeutlichen zugleich die große Vielfalt des Immateriellen Kulturerbes – von Handwerk und Bräuchen über regionale Traditionen bis hin zu gemeinschaftlich gelebten Kulturformen.
Besonders deutlich wurde die Bedeutung des Immateriellen Kulturerbes für sozialen Zusammenhalt im Gespräch zwischen Dr. Marlen Meißner von der Deutschen UNESCO-Kommission und Dr. Sebastian Schmidt aus der Trägergruppe der Vorpommerschen Fischerteppiche. Das Knüpfen von Teppichen mit denselben oder ähnlichen Knoten findet sich nicht nur in Vorpommern, sondern auch in anderen Regionen Europas sowie West- und Zentralasiens. Das Beispiel verdeutlicht, dass Immaterielles Kulturerbe zugleich lokal verwurzelt und von kulturellem Austausch über Regionen und Ländergrenzen hinweg geprägt sein kann.
In diesem Jahr wurden die Traditionelle Kleine Küstenfischerei an der Ostseeküste und in den Boddengewässern Mecklenburg-Vorpommerns, die Bolzplatzkultur, das Herrenschneiderhandwerk, die Schaustellerkultur auf Volksfesten in Deutschland sowie die Martinstradition im Rheinland neu in das Bundesweite Verzeichnis aufgenommen und bekamen nun Ihre Urkunden überreicht.
Das Bundesweite Verzeichnis bietet eine Plattform für die Sichtbarkeit kultureller Vielfalt. Es zeigt, wie unterschiedlich Gemeinschaften in Deutschland ihr kulturelles Erbe gestalten. Immaterielles Kulturerbe ist kein Blick zurück auf eine unveränderliche Vergangenheit. Es entsteht überall dort, wo Menschen kulturelle Ausdrucksformen gemeinsam leben, weitergeben und weiterentwickeln.























