Wissenschaft

Ethik und Philosophie

Auch für ethische und philosophische Fragen setzt sich die UNESCO durch konkrete und erfolgreiche Arbeit ein.

Bioethik

Die Geschwindigkeit des Fortschritts in den Lebenswissenschaften erfordert heute intensive internationale Abstimmung über Werte und Normen der Bioethik. Dazu hat die UNESCO den Internationalen Ausschuss für Bioethik (IBC) und den Zwischenstaatlichen Ausschuss für Bioethik (IGBC) eingesetzt.

Die Mitglieder des IBC repräsentieren alle Weltregionen und möglichst viele Fachdisziplinen. Sie werden von der Generaldirektion der UNESCO auf Vorschlag der Mitgliedstaaten für jeweils vier Jahre ernannt (mit einmaliger Möglichkeit der Wiederwahl). Als deutsche Expertin war von 2010 bis 2017 Frau Prof. Dr. Christiane Woopen Mitglied des IBC, zuvor Prof. Dr. Regine Kollek von 2001 bis 2009. Im IGBC ist Deutschland seit vielen Jahren fast durchgängig Mitglied. Der IBC tagt mindestens einmal pro Jahr. Die Sitzungen des IBC sind weitestgehend öffentlich, an ihnen kann jeder Interessierte nach Rücksprache teilnehmen.

Mit Hilfe dieser Gremien hat die UNESCO 1997, 2003 und 2005 drei Erklärungen zur Bioethik verabschiedet, zuletzt die Allgemeine Erklärung über Bioethik und Menschenrechte. Seit 2005 arbeiten die UNESCO-Bioethik-Gremien vor allem an der weiteren Ausdifferenzierung der Normen der Bioethik-Erklärung von 2005. Alle Erklärungen liegen ins Deutsche übersetzt vor.

Daneben baut die UNESCO in der Bioethik vor allem Strukturen auf, durch Gründung und Unterstützung neuer Ethikräte in Entwicklungs- und Schwellenländern und durch internationale Vernetzung und Wissenstransfer.

Die UNESCO hat auch ein „Bioethik-Kern-Curriculum“ erarbeitet, das der UNESCO-Lehrstuhl für Bioethik an der Medizinischen Universität Wien 2017 ins Deutsche übersetzt hat.

http://www.unesco.org/new/en/social-and-human-sciences/themes/bioethics/

Publikation

Wissenschaftsethik

Der Fortschritt in Forschung und Technik verändert Überzeugungen, Werte, das menschliche Selbstbild und unser Verhältnis zur Umwelt, zu unserer Geschichte und unserer Zukunft. Beispiele sind der Klimawandel, die Verschmutzung der Weltmeere, geothermische Energiegewinnung, Kohlendioxid-Sequestrierung, Weltraumschrott und die Gewinnung von Rohstoffen.

Zugleich wandelt sich das Bild, das die Öffentlichkeit von der Wissenschaft hat, als Resultat zum Beispiel von verstärkter internationaler Kooperation, von Public-Private-Partnerships, von größere Marktnähe vieler Forschung oder aufgrund Reformen auf dem Feld der universitären Lehre. Auf diese Entwicklungen reagierte die UNESCO 1998 mit der Gründung der Weltkommission für Ethik in Wissenschaft und Technologie (COMEST). COMEST gehören bis zu 18 Experten der Natur- und Ingenieurwissenschaften, der Rechtswissenschaften, der Philosophie, der Kultur, Religion und Politik an. Sie werden von der UNESCO-Generaldirektorin ernannt – geografisch und disziplinär ausgewogen.

Gemäß den heutigen Aufgaben soll COMEST vor allem zeitgemäße Debatten in alle Weltregionen tragen, spezifische Empfehlungen formulieren und internationale Normen setzen. COMEST soll zudem helfen, dass internationale Standards tatsächlich angewandt werden, dass das Bewusstsein für Ethik wächst und dass es in den Staaten die Strukturen gibt, um sich mit ethischen Fragen angemessen zu befassen.

COMEST tagt üblicherweise jährlich. Die zweite Tagung organisierte die UNESCO gemeinsam mit der Deutschen UNESCO-Kommission und der Bundesregierung im Dezember 2001 in Berlin. Der deutsche Philosoph und Wissenschaftsethiker Prof. Dr. Jürgen Mittelstraß war von 2010 bis 2017 Mitglied von COMEST. Zuvor war mit der Physikerin und ehemaligen Thüringer Wissenschaftsministerin Prof. Dagmar Schipanski von 1998 bis 2003 eine deutsche Expertin Mitglied von COMEST. Schwerpunkte der Arbeit sind Umweltethik, Verhaltenskodizes für Wissenschaftler, Ethik neuer Technologien und Ethikbildung.

Zwei wichtige Projekte von COMEST wurden 2017 zu Ende geführt: Die grundlegende Überarbeitung der UNESCO-Empfehlung zu Wissenschaft und wissenschaftlichen Forschern (ursprünglich mit anderem Titel von 1974) und die UNESCO-Erklärung über ethische Fragen des Klimawandels.

https://en.unesco.org/themes/ethics-science-and-technology

Philosophie

Die UNESCO will Philosophen dazu anzuregen, sich mit drängenden Weltproblemen zu beschäftigen. Außerdem will die UNESCO die in der Öffentlichkeit, insbesondere bei Studierende und Schüler ein Bewusstsein dafür schaffen, dass Philosophie einen wichtigen Platz im Leben jedes Einzelnen hat. Seit ihrer Gründung setzt sich die UNESCO mit der Rolle der Philosophie auseinander, siehe die Publikation 65 Jahre Wechselwirkung der UNESCO mit der Philosophie.

Philosophie soll aus Sicht der UNESCO vor allem jungen Menschen die Begeisterung am Fragen vermitteln. Dazu hat die UNESCO verschiedene Studie veröffentlicht, „Philosophy - A School of Freedom" mit einem globalen Überblick, wie und wo Philosophie weltweit gelehrt wird. Die Deutsche UNESCO-Kommission veröffentlichte auf dieser Basis die Publikation Philosophie - eine Schule der Freiheit mit einem Fokus auf das Philosophieren mit Kindern und organisierte 2013 eine nationale Konferenz in Berlin.

Der Welttag der Philosophie ist heute das wichtigste Instrument der UNESCO. Die UNESCO-Generalkonferenz erklärte 2005 den dritten Donnerstag im November zum Tag der Philosophie. In allen UNESCO-Mitgliedstaaten soll der Tag durch Veranstaltungen von Schulen, Universitäten, Volkshochschulen, philosophischen Gesellschaften und ähnlichen Einrichtungen gefeiert werden. Der Welttag lenkt die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf philosophische Fragen und auf die Philosophie als Disziplin. Der Welttag ist eine Gelegenheit für Fachkonferenzen und fachübergreifende Workshops. Mehr noch, er ist eine Gelegenheit, um das philosophische Gespräch mit Studierenden, Laien, Kindern und Jugendlichen zu suchen. Die DUK ruft jährlich gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Philosophie und dem Deutschen Volkshochschul-Verband zum Welttag auf.  

Publikation

Philosophieren mit Kindern weltweit und in Deutschland.
Deutsche UNESCO-Kommission, 2008

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