UNESCO-Welterbe Zugvogelschutzgebiete entlang der Küste des Gelben Meeres – Golf von Bohai (Phase I)

Bedeutender Zufluchtsort für Zugvogelarten auf dem asiatischen Kontinent

Die Zugvogelschutzgebiete entlang der Küste des Gelben Meeres – Golf von Bohai umfassen Teile eines Gezeiten- und Wattsystems, das als das größte der Welt gilt. Seine Wattflächen und Sümpfe sind von außerordentlicher biologischer Produktivität. Sie dienen als Laich- und Aufwuchsgebiete für viele Fisch- und Krebstierarten und sind wichtige Sammelplätze zahlreicher Zugvogelarten. Seit Juli 2019 zählen sie zum UNESCO-Welterbe.

Das eingeschriebene Schutzgebiet ist Teil einer seriellen Nominierung mit einer zweiteiligen Bewerbungsphase. Es umfasst verschiedene Areale des Gelben Meeres: das Dafeng- und Yangchen- Naturreservat im Westen der chinesischen Provinz Jiangsu sowie das Wattenmeer von Tiaozini. Diese sollen bis 2022 durch 14 weitere Komponenten am Golf von Bohai erweitert werden. Das Gelbe Meer ist eines der größten Gezeiten- und Wattsysteme der Welt. Die weiten Wattflächen, Sümpfe und seichten Gewässer des Meeres werden durch ein weitläufiges Flusssystem bewässert, dessen nährstoffhaltiger gelber Schwemmsand dem Meer seinen Namen gab. Eine Vielzahl von Fisch- und Krustentierarten sowie Meeressäugetieren und Planktonarten sind hier beheimatet.

Schutzgebiet für bedrohte Vogelarten

Die Gezeitenzonen des Gelben Meeres und des Golfs von Bohai sind zudem von entscheidender Bedeutung für das Überleben zahlreicher Vogelarten. Die Gebiete sind wichtige Sammelplätze für Zugvögel, die sich entlang der ostasiatisch-australasiatischen Zugroute bewegen (Auswahlkriterium x). Große Vogelbestände, darunter einige der am stärksten gefährdeten Arten der Welt, nutzen die Küstenabschnitte für einen Zwischenstopp. Die ostasiatisch-australasiatische Zugroute erstreckt sich über 20 Länder von Alaska und dem arktischen Russland bis zu den Überwinterungsgebieten in Südostasien, Australien und Neuseeland. Die Küstengebiete Chinas sind Sammelplatz für jährlich rund 50 Millionen Zugvögel, die dort rasten, nisten oder überwintern. Darunter befinden sich 17 Vogelarten, die auf der Roten Liste gefährdeter Arten stehen. Zu ihnen gehören beispielsweise der Schwarzschnabelstorch (Ciconia boyciana), der Schneereiher (Egretta eulophotes), der Krauskopfpelikan (Pelecanus crispus) und der Steinwälzer (Arenaria interpres). Mit dem vom Aussterben bedrohten Löffelstrandläufer (Eurynorhynchus pygmeus) und dem stark gefährdeten Tüpfelgrünschenkel (Tringa guttifer) sind hier zudem zwei der seltensten Zugvogelarten anzutreffen.

Der Löffelstrandläufer ist ein kleiner Watvogel, der in Russland und Ostasien beheimatet ist. Er überwintert unter anderem in den Feuchtgebieten von Tiaozini nachdem er eine Strecke von ca. 5.000 km hinter sich gebracht hat. Während seines dreimonatigen Aufenthalts am Gelben Meer, mausert er sich und bricht danach zurück nach Russland auf. Nach Schätzungen von IUCN lag die Anzahl der Löffelstrandläufer im Jahr 2018 nur noch bei 220 Exemplaren. Der Vogel steht stellvertretend für mehrere Vogelarten, deren direktes Überleben von dem Schutz dieser Welterbestätte abhängt. Die ostasiatisch-australasiatische Zugroute gilt als eine der bedrohtesten Flugrouten weltweit.

Illustration Welerbestätten

Faktenbox

Auszug aus der Erklärung zum Außergewöhnlichen Universellen Wert (OUV)

The Migratory Bird Sanctuaries along the Coast of the Yellow Sea-Bohai Gulf of China (Phase I) is situated in the largest intertidal wetland system in the world and one of the most biologically diverse. The property is an irreplaceable and indispensable hub for birds migrating along the East Asian-Australasian Flyway, which spans some 20 countries across two hemispheres from the Arctic to South-East Asia and Australasia.

Die Zugvogelschutzgebiete entlang der Küste des Gelben Meeres – Golf von Bohai (Phase I) liegen im größten Gezeiten- und Wattsystem der Welt mit einer herausragend hohen Biodiversität. Die Stätte ist ein unersetzlicher und unverzichtbarer Knotenpunkt für Vögel auf der ostasiatisch-australasiatischen Zugroute, welche sich über gut 20 Länder und zwei Hemisphären von der Arktis bis Südostasien und Australasien erstreckt.

Verlust natürlicher Lebensräume und Überwinterungsgebiete

Gefährdungsfaktoren für die Zugroute sind unter anderem die Zerstörung von Wattflächen durch Landgewinnungsmaßnahmen und Entwicklungsprojekte an der Küste sowie die Verschmutzung der Meere durch beispielsweise Plastikmüll. Aber auch der Klimawandel stellt eine Bedrohung für das Überleben der Zugvögel dar. Durch das Verschwinden von natürlichen Lebensräumen sind die winterlichen Rückzugsorte sowie die Flugrouten der Zugvögel nicht nur auf dem asiatischen Kontinent, sondern auf globaler Ebene zunehmend gestört. Während ihrer halbjährigen Reise in den Süden, legen die Vögel oft tausende Kilometer zurück, um in ihr Winterquartier zu gelangen. Um sich auf diesen Weg vorzubereiten, legen Vögel an Gewicht als Energievorrat zu. Laut einem Bericht des Naturschutzbundes Deutschland e.V. (kurz NABU) könnten sich diese Strecken in Zukunft drastisch verlängern. Infolge der Klimaerwärmung verlagern sich beispielsweise europäische Brutgebiete weiter nach Norden. Zugvögel müssten demnach entweder weitere Strecken überfliegen oder sich auf Gebieten niederlassen, die bereits durch beheimatete Vogelarten besetzt sind.

UN-Weltaktionstag „Weltzugvogeltag“

Rund ein Viertel aller Vogelarten sind Zugvögel. Auf ihrer Reise überqueren Zugvögel viele verschiedene Ländergrenzen. Eine internationale Zusammenarbeit zum Schutz dieser Tiere ist deshalb unerlässlich. 2006 riefen die Vereinten Nationen den Aktionstag „Weltzugvogeltag“ ins Leben, um das Bewusstsein für den notwendigen Schutz natürlicher Lebensräume für das Überleben von Zugvögeln zu stärken. 2019 widmete sich der Aktionstag dem Problem globaler Umweltverschmutzung durch Kunststoffe. Im Rahmen der Aktion wurden verschiedene Modellprojekte vorgestellt, wie beispielsweise der iSimangaliso-Wetland-Park, der regelmäßige Aufräum- und Sensibilisierungsmaßnahmen koordiniert, um seine 200 Kilometer lange Küstenregion zu stärken.

 

 

 

 

Porträtserie

Im Rahmen der 43. Sitzung des UNESCO-Welterbekomitees 2019 in Baku (Aserbaidschan) wurden 29 Stätten neu in die Liste des Welterbes aufgenommen. In ihrer Gesamtheit versinnbildlichen sie die Vielfalt und Bandbreite des gemeinsamen Kultur- und Naturerbes der Menschheit.

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