Auf ein Wort,

"Was wir heute schaffen, ist morgen vielleicht schon unser Erbe"

Verena Röll, kulturweit-Freiwillige

Verena Röll
kulturweit-Freiwillige in Paramaribo, Suriname

Im Juli hat das UNESCO-Welterbekomitee in Krakau getagt und entschieden, welche Kultur- und Naturerbestätten den Welterbetitel erhalten. Aber weshalb ist das Welterbe wichtig? Mehr als 1.000 Stätten in 167 Ländern sind heute Teil des Menschheitserbes. Welche Bedeutung das Welterbe hat und was auf der Liste noch fehlt, wollten wir von Verena Röll wissen, die als kulturweit-Freiwillige die Arbeit der UNESCO-Nationalkommission von Suriname unterstützt hat.

Warum ist das Welterbe wichtig?

Das Welterbe zeigt uns die Vielfalt menschlicher Kreativität in allen Teilen der Erde. Wenn ich neue Welterbestätten entdecke, bin ich immer wieder davon beeindruckt zu sehen, wozu Menschen im Stande sind. Das gilt für ihre Leistungen ebenso wie für ihre Abgründe, wenn ich an Auschwitz-Birkenau denke. Das Welterbe zeigt uns Wegmarken der Menschheitsgeschichte und kann zur Verständigung über Ländergrenzen hinweg beitragen. Das Potenzial dazu hat es und zieht jedes Jahr Millionen Menschen an. Aber mit einem Erinnerungsfoto allein ist es noch nicht getan. Um zu verstehen, warum das Welterbe wichtig ist, sollten wir diesen großen Begriff aufbrechen, um ihn besser verdauen zu können. Erbe ist aus meiner Sicht nicht allein die Weitergabe von Objekten, sondern auch unser Umgang mit ihnen. Erbe ist ja nicht einfach da, sondern wir müssen uns darum kümmern. Dadurch können wir und kann jede Generation ihm aber auch etwas Neues hinzufügen. Was wir heute schaffen, ist morgen vielleicht schon unser Erbe. Wenn wir den Staub der Geschichte wegpusten und zeigen, dass wir Erbe auch selbst gestalten, ist es wesentlich einfacher, sich damit zu identifizieren.

Muss man den Menschen das Menschheitserbe erklären?

Ich glaube nicht, dass man erklären muss, was die Betrachter im Welterbe zu sehen haben. Vielmehr denke ich, dass wir Menschen in die Lage versetzen müssen, die Stätten selbst zu interpretieren. Dafür müssen wir ihnen ein paar Informationen an die Hand geben. Vor kurzem war ich im Fagus-Werk Alfeld, einem modernen Fabrikbau aus viel Glas und Stahl von Walter Gropius. Auf den ersten Blick ist nicht unbedingt zu erkennen, warum die Anlage Weltkulturerbe ist. Wir sind an den Anblick dieser Bauwerke gewöhnt. Wenn wir uns aber vor Augen führen, dass die Fabrik schon 1911 errichtet wurde, wird deutlich, dass hier Weichen gestellt wurden für das Bauen der Zukunft. Um dieses Wissen weiterzugeben, müssen wir uns fragen, durch welche Brille besonders junge Menschen auf das Welterbe schauen. Wir müssen zeigen, was das alles mit ihnen zu tun hat: In Alfeld werden Schuhleisten hergestellt und Gropius wollte mit seinem Entwurf nicht zuletzt die Arbeitsbedingungen in den dunklen Fabrikhallen seiner Zeit verbessern. Damit war die Anlage ihrer Zeit nicht nur architektonisch weit voraus, sondern hat auch die Arbeitswelt von heute geprägt.

Was ist noch nicht auf der Welterbeliste, sollte es aber unbedingt sein?

Einiges, aber vor allem denke ich, dass mehr transnationale Stätten auf die Liste gehören. Dadurch kann die Grundidee des Welterbes gestärkt werden. Denn die Stätten liegen zwar auf dem Gebiet unterschiedlicher Staaten, gehören aber der gesamten Menschheit. Grenzüberschreitende Welterbestätten wie das Wattenmeer in Dänemark, Deutschland und den Niederlanden können ein Motor für mehr internationale Zusammenarbeit sein. Ich glaube, das macht es Menschen aus verschiedenen Ländern leichter, sich mit der Idee eines gemeinsamen Menschheitserbe zu identifizieren.

Welterbe-TeamerInnen als Multiplikatoren
Welterbe-TeamerInnen im Wattenmeer

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