UNESCO-Welterbe Tehuacán-Cuicatlán Tal - Ursprünglicher Lebensraum Mesoamerikas

Zusammenspiel von Biodiversität und technologischer Entwicklung

Das Tehuacán-Cuicatlán Tal in Mexiko zählt zu den Gebieten mit der höchsten biologischen Diversität in ganz Nordamerika. In Kombination mit seiner Rolle als Zeugnis außergewöhnlicher technologischer und kultureller Entwicklung wurde das Tal 2018 als gemischte Stätte in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.

Fakten

Das fast 150.000 Hektar große Tal befindet sich in einer ariden und semiariden Region zwischen den Bundesstaaten Puebla und Oaxaca in Südzentral-Mexiko und ist Teil des Tehuacán-Cuicatlán UNESCO-Biosphärenreservates. Es besteht aus den drei Teilen Zapotitlán-Cuicatlán, San Juan Raya und Purrón. Die Stätte beheimatet eine Vielzahl an weltweiten Pflanzen- und Tierfamilien und ist besonders bekannt für ihre eindrucksvollen Kakteenwälder.

Seine große Biodiversität und die klimatisch trockenen Bedingungen führten im Tehuacán-Cuicatlán Tal zu zwei der bedeutendsten kulturellen und technologischen Entwicklungen auf dem amerikanischen Kontinent, die bis auf 14.000 Jahre zurückzuführen sind: der Domestizierung von Pflanzen und der Entwicklung von Wassermanagementsystemen.

Auszug aus dem Statement of Outstanding Universal Value, 2018

"The Tehuacán-Cuicatlán Valley is an exceptional example of a long process of adaptations and ancient technological evolution that defined the cultural region known today as Mesoamerica."

"Das Tehuacán-Cuicatlán Tal ist ein außergewöhnliches Beispiel eines langen Prozesses der Anpassungen und alter technologischer Entwicklung, die die kulturelle Region, die heutzutage als Mesoamerika bekannt ist, definierte."

Ein Ort außergewöhnlicher biologischer Vielfalt

Das Tehuacán-Cuicatlán Tal präsentiert trotz seiner Lage in einer ariden und semiariden Klimazone eine außergewöhnliche biologische Vielfalt. 70% der Pflanzenfamilien der Welt sind hier mit mindestens einer Art vertreten. Es ist eine der Hauptregionen für die Verbreitung der Kakteenfamilie, die weltweit stark bedroht ist. Gleichzeitig sind dort unzählige weitere Pflanzen wie Agaven, Yuccas und Eichen beheimatet. Das Tal weist zudem eine beeindruckende Artenvielfalt an Tieren, einschließlich einer hohen Zahl an bedrohten Tierarten, auf. In besonderem Maße sind Amphibien, Reptilien und Vögel vertreten. Die Stätte ist daher für die Erhaltung der Biodiversität und den Schutz bedrohter Arten von außergewöhnlichem universellem Wert (Aufnahmekriterium x).

Zeugnisse erster menschlicher Organisation

Das Gebiet ist als gemischte Stätte nicht nur für sein Natur- sondern auch für sein außergewöhnliches Kulturerbe anerkannt. Seine zahlreichen kleinen Gewässer und wasserführenden Schichten, das warme Klima und die große Pflanzenvielfalt machten das Tal früh attraktiv für erste landschaftliche Siedlungen. Die frühe Entwicklung von Wassermanagementsystemen und die Domestizierung von Pflanzen im Tehuacán-Cuicatlán Tal förderten weiteren technologischen Fortschritt. Archäologische Funde zeugen von der Nutzung wilder Arten, von Salzteichen und der Töpferei. Sie sind Beispiel der fortlaufenden Anpassung des Menschen an seine Umwelt und spiegeln so einen der bedeutendsten Abschnitte in der Entwicklung Mesoamerikas wider (Aufnahmekriterium iv): Die Entstehung einer der ältesten komplexen Zivilisationen der Welt.

Weltweit gibt es nur 38 gemischte Stätten, bei denen sowohl das natürliche als auch das kulturelle Erbe von außergewöhnlichem universellem Wert sind. Sie zeugen in besonderer Weise von der Verbindung der Menschheit mit ihrer Umwelt. In Mexiko gibt es noch eine weitere dieser Stätten: die Antike Maya-Stadt im Tropenschutzgebiet Calakmul im Bundesstaat Campeche.

Porträtserie

Im Rahmen der 42. Sitzung des UNESCO-Welterbekomitees 2018 in Manama, Bahrain, wurden 19 Stätten neu in die Liste des Welterbes aufgenommen. In ihrer Gesamtheit versinnbildlichen sie die Vielfalt und Bandbreite des gemeinsamen Kultur- und Naturerbes der Menschheit.

Zur Porträtserie

Mensch-Umwelt-Beziehungen weltweit verbessern

Das Tehuacán-Cuicatlán Tal ist auch Teil des Biosphärenreservates Tehuacán-Cuicatlán welches seit 2012 eines von 686 UNESCO-Biosphärenreservaten in 122 Ländern weltweit ist. 1971 wurde das UNESCO-Programm „Der Mensch und die Biosphäre" (MAB) als erstes globales Programm eingerichtet, das sich auf wissenschaftlicher Grundlage für die Verbesserung der Beziehungen zwischen Mensch und Umwelt einsetzt.

Das MAB Programm verfolgt zur Verbesserung der Mensch-Umwelt-Beziehungen vier Ziele: die Identifikation menschlicher und natürlicher Veränderungen der Biosphäre und ihre Effekte auf Mensch und Umwelt, die Untersuchung der Wechselbeziehungen zwischen Ökosystemen und sozioökonomischen Prozessen, die Sicherung menschlichen Wohlergehens im Kontext ökologischen Wandels sowie die Förderung des Wissensaustausches zu Umweltproblemen und nachhaltiger Entwicklung.

Im Rahmen der Agenda 2030 hat sich auch die Deutsche UNESCO-Kommission zum Ziel gesetzt, das Verständnis für die Bedeutung der Reservate zu fördern und internationale Kooperationen auf den Weg zu bringen. Durch langfristige internationale Partnerschaften können Netzwerke der Biosphärenreservate zu einem globalen Expertenaustausch beitragen.

Publikation

Weltnetz der Biosphärenreservate 2018-2019.
UNESCO-Kommissionen Österreichs, Deutschlands, der Schweiz und Luxemburgs, 2018

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