Mariä-Himmelfahrts-Kathedrale und -Kloster der Inselstadt Swijaschsk

Ausdruck der Austauschbeziehungen in Eurasien

Als außergewöhnlicher Ausdruck der Austauschbeziehungen in Eurasien zu Zeiten der russischen Expansionen nach Osten wurden die Mariä-Himmelfahrts-Kathedrale und das gleichnamige Kloster der Inselstadt Swijaschsk 2017 in die UNESCO-Welterbeliste eingeschrieben. Die Wandmalereien aus dem 16. Jahrhundert im Inneren der Kirche sind zugleich von symbolischer Bedeutung und erstes Beispiel zur damaligen Zeit neuartiger Entwicklungen in der religiösen Kunst Russlands.

Faktenbox

Die am Zusammenfluss von Wolga, Swijaga und Schchuka gelegene Inselstadt Swijaschsk wurde 1551 durch Iwan den Schrecklichen als Ausgangspunkt der Eroberung des Khanats von Kasan gegründet. Das Mariä-Himmelfahrts-Kloster diente dabei als regionales Zentrum für die Verwaltung und Missionarsarbeit im Hinblick auf die muslimisch geprägten neu eroberten Gebiete und ist heute das einzige noch aus der Zeit von Iwan IV. erhaltene Gebäude außerhalb Moskaus.

Auszug aus dem Statement of Outstanding Universal Value, 2017

"The cultural layers and archaeological strata preserved in the grounds of the monastery complex and nearby contain 16th-19th century artefacts that are of great interest as a source of information on spiritual, social, artistic and scientific achievements."

"Die kulturellen und archäologischen Schichten, die auf dem Gelände des Klosterkomplexes und in der Nähe erhalten werden, enthalten Artefakte aus dem 16. und 19. Jahrhundert, die als Informationsquelle über spirituelle, soziale, künstlerische und wissenschaftliche Errungenschaften von großem Interesse sind."

Die besondere Bedeutung des Klosters spiegelt sich auch in den außergewöhnlichen Wandmalereien in der Kathedrale wieder, die zum einen durch die Darstellung einer sowohl für orthodoxe Christen als auch für Muslime verständlichen religiösen Thematik geprägt sind und zugleich den politischen und religiösen Anspruch Iwans IV. ausdrücken. Unter den nahezu das gesamte Innere der Kathedrale bedeckenden Wandmalereien nimmt der Zyklus zu Mariä Himmelfahrt eine besondere Stellung ein. Die Wandmalereien verdeutlichen die Austauschbeziehungen zwischen der christlich-orthodoxen und der muslimischen Kultur und zeugen in Bildsprache und Themenwahl  von Einflüssen aus der westlichen christlichen Ikonographie (Kriterium ii).

Die auf Grund ihrer herausgehobenen Lage weithin sichtbare Klosteranlage symbolisiert jedoch nicht nur das politische Programm Iwans des Schrecklichen, insbesondere durch die Wandmalereien ist sie auch Ursprungsort neuer Strömungen in der orthodoxen Kunst Russlands und Europas (Kriterium iv). Im 18. Jahrhundert wurde das Äußere der Kirche im Barockstil umgestaltet, dessen künstlerische und architektonische Ausdrucksformen durch Peter den Großen nach Russland gebracht worden waren.

Missionarisches Zentrum und Umnutzung im 20. Jahrhundert

Noch bis zum frühen 20. Jahrhundert wurden Kirche und Kloster ihrer ursprünglichen Bestimmung gemäß genutzt. 1920 dann wurde das Kloster in eine Zwangsarbeitskolonie umgewandelt, in der mehrere tausend Gefangene verstarben, 1953 schließlich in eine psychiatrische Klinik. In diesem Zeitraum litten auch die historischen Bauten, erst 2010 wurde mit umfassenden Instandsetzungs- und Rekonstruktionsmaßnahmen begonnen.

Heute wird der neueingeschriebenen Welterbestätte insbesondere großes Potential für den Tourismus zugeschrieben, dessen Förderung auch im Managementplan der Stätte viel Platz eingeräumt wird. Die Wahrung der Authentizität der Stätte ist in diesem Zusammenhang von besonderer Bedeutung, damit vermeintlich tourismusfördernde Vorhaben nicht zu einer Gefährdung der Stätte werden.

Erbe von religiösem Interesse

Etwa 20 % aller Welterbestätten weisen – wie auch die Mariä-Himmelfahrts-Kathedrale und das Kloster der Inselstadt Swijaschsk – spirituelle oder religiöse Bedeutungen oder Verbindungen auf. Erhalt und Management dieser Stätten bringen spezielle Herausforderungen mit sich, sollten doch beispielsweise die betroffenen religiösen Gemeinschaften eingebunden werden. Aus diesem Grund wurde 2010 die UNESCO-Initiative zu Erbe von religiösem Interesse ins Leben gerufen. Ein in diesem Kontext organisiertes internationales Seminar in Kiew 2010 brachte das “Statement on the Protection of Religious Properties within the Framework of the World Heritage Convention” (Erklärung zum Schutz von religiösen Gütern im Rahmen der Welterbekonvention) hervor. Auch einige der Welterbestätten in Deutschland fallen in diese Kategorie, darunter die ersten deutschen Stätten Aachener Dom und Speyerer Dom.

Porträtserie

Im Rahmen der 41. Sitzung des UNESCO-Welterbekomitees im Juli 2017 in Krakau wurden 21 Stätten neu in die Liste des Welterbes aufgenommen. In ihrer Gesamtheit versinnbildlichen sie die Vielfalt und Bandbreite des gemeinsamen Erbes der Menschheit, dessen Erhaltung und Pflege sich die internationale Staatengemeinschaft 1972 mit dem "Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt" verschrieben hat.

Porträtserie

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