UNESCO-Welterbe Französische Südgebiete und -meere

Einzigartiges Zeugnis unberührter Natur und größte Welterbestätte weltweit

Seit Juli 2019 sind die Französischen Südgebiete und -meere UNESCO-Welterbe. Mit einer beeindruckenden Fläche von mehr als 670.000 Quadratkilometern ist es die größte bisher eingeschriebene Welterbestätte in der Geschichte des Übereinkommens zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt.

Die Französischen Südgebiete und -meere liegen zwischen dem 37. und 50. südlichen Breitengrad und umfassen die größten Inseln des südlichen Indischen Ozeans: die Crozetinseln, den Kerguelen-Archipel sowie die Inseln Sankt Paul und Amsterdam mit ihren atemberaubenden Vulkanlandschaften. Diese artenreiche „Oase“ inmitten des Ozeans ist Heimat für zahlreiche Seevögel und Meeressäuger. Aufgrund ihrer Abgeschiedenheit bilden die Inseln intakte Lebensräume, die der Wissenschaft wertvolle Einblicke in die biologische Entwicklung geben.

Ein einzigartiges Zeugnis unberührter Natur

Die Welterbestätte ist eines der letzten Wildnisgebiete auf unserem Planeten. Sie bietet ein einzigartiges Zusammenspiel von Gewässern, Küsten-, Klippen-, Berg- und Vulkanlandschaften, die eine außergewöhnlich hohe Konzentration von Seevögeln und Säugetieren aufweisen (Auswahlkriterium vii).

Als herausragendes Beispiel für die In-situ-Erhaltung der biologischen Vielfalt eines bedeutenden Lebensraumes beherbergt diese Welterbestätte über 50 Millionen Vögel. Die weltweit größten Königspinguin- und Gelbnasenalbatros-Kolonien sowie eine endemische Unterart des Commerson-Delfins sind hier zu finden. Die Gebiete sind zudem bekannt für ihre hohe Anzahl an Flossenfüßlern: Die auf dem Kerguelen-Archipel lebenden Südlichen See-Elefanten und Subantarktischen Seebären zählen zu den größten Kolonien weltweit. Auch endemische Tierarten wie der vom Aussterben bedrohte Amsterdam-Albatros, eine der seltensten Vogelarten der Welt, brütet in dem Gebiet der Welterbestätte (Auswahlkriterium x). 

Faktenbox

Auszug aus dem Statement of Outstanding Universal Value

The French Austral Lands and Seas future a unique concentration of marine birds and mammals in the sub-Antarctic region, with enormous colonies where an abundance of species, sounds, colours and scents blend harmoniously.

Die Französischen Südgebiete und -meere weisen eine einzigartige Konzentration von Seevögeln und Meeressäugern in der subantarktischen Region auf. Die riesigen Kolonien stehen in harmonischer Verbindung mit dem Artenreichtum, den Geräuschen, Farben und Gerüchen.

In den Französischen Südgebieten und -meeren verlaufen drei große Meeresströmungen. Die Inseln liegen auf großflächigen Kontinentalsockeln am direkten Übergang zwischen den Subtropen und der kalten Polarzone. Das die Inseln umgebende sogenannte „Schelfmeer“ (ein bis zu 200 Meter tiefes Flachmeer) bietet einen idealen Lebensraum für die Entwicklung von Fischarten. Aufgrund dieser ozeanografischen und geomorphologischen Merkmale zeichnen sich die Gewässer der Inseln durch ein reichhaltiges Nahrungsnetz für dort lebende Tier- und Pflanzenarten aus. Die Welterbestätte schützt alle Schlüsselzonen, die für den Lebensraum der in dieser Region beheimateten Spezies relevant sind und sichert so das Überleben der großen Vogel- und Meeressäugerpopulationen. Diese außerordentlich fruchtbare Region nimmt bei der Regulierung des globalen Kohlenstoffkreislaufs eine unverzichtbare Rolle ein. Die Stätte leistet damit einen wesentlichen Beitrag zur Gesundheit der Ozeane. Aufgrund ihrer abgeschiedenen Lage, die sie vor dem Einfluss menschlicher Aktivitäten schützt, sind die Gebiete ein geeigneter Ort, um die Klimaerwärmung zu beobachten (Auswahlkriterium ix).

Welterbe in Zeiten des Klimawandels

Die Auswirkungen des Klimawandels sind einer von 14 primären Faktoren, die eine Gefahr für den Erhalt des außergewöhnlichen universellen Wertes einer Welterbestätten darstellen. Aus diesem Grund entschied das Welterbekomitee bereits während seiner 29. Sitzung eine Arbeitsgruppe einzurichten, die den Einfluss des Klimawandels auf den Erhalt des Welterbes untersucht hat. Das daraus entstandene Richtlinienpapier zum Einfluss des Klimawandels auf Welterbestätten wurde nach Überarbeitung 2007 von der Generalversammlung der Vertragsstaaten verabschiedet und beinhaltet unter anderem Empfehlungen für die Einbindung klimarelevanter Themen in den Managementplan einer Welterbestätte.

Das globale Netzwerk von Welterbestätten birgt großes Potenzial, sich über die Auswirkungen des Klimawandels sowohl auf das alltägliche Leben von Gesellschaften als auch übergreifend auf den Schutz der kulturellen und biologischen Vielfalt der Welt auszutauschen und gemeinsam Strategien und Methoden zur Bewältigung zu erarbeiten. Welterbestätten wie die Französischen Südgebiete und -meere bieten aufgrund ihrer beschützten Biodiversität einen einzigartigen Raum für die Erforschung des Klimawandels und können so wertvolle Erkenntnisse über zukünftige Entwicklungen geben.

Globale Nachhaltigkeitsziele

Die Unterschutzstellung der Französischen Südgebiete und -meere im Rahmen der Welterbekonvention ist ein Beitrag zu Ziel 14 der Globalen Nachhaltigkeitsagenda: „Ozeane, Meere und Meeresressourcen im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung erhalten und nachhaltig nutzen".

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