Blei-Silber-Zink-Mine von Tarnowskie Góry und ihr unterirdisches Wassermanagementsystem

Meisterwerk des unterirdischen Wasserbaus

Als herausragendes Zeugnis menschlicher Schöpferkraft und Ergebnis eines einzigartigen Ideenaustauschs zwischen führenden Bergbauzentren seiner Zeit, beschloss das Welterbkomitee bei seiner 41. Sitzung im Juli 2017, die Blei-Silber-Zink-Mine von Tarnowskie Góry mit ihrem unterirdischen Wassermanagementsystem in die Liste des UNESCO-Welterbes aufzunehmen. Polens jüngste Welterbestätte zeugt von dem beständigen Bemühen um eine bestmögliche Entwässerung des Untertagebaus.

Faktenbox

Die neue Welterbestätte „Blei-Silber-Zink-Mine von Tarnowskie Góry und ihr unterirdisches Wassermanagementsystem“ liegt auf dem oberschlesischen Plateau in Südpolen, ca. 180 km südöstlich von Breslau. Sie ist das größte und bedeutendste zugängliche historische Erzbergwerk das Landes. Das Bergwerk verfügt zudem über eine imposante unterirdische Entwässerungsanlage, die über drei Jahrhunderte hinweg entwickelt wurde.

Das Wasserablaufsystem der Mine wurde im 15. und 16. Jahrhundert entwickelt und bis ins 19. Jahrhundert stetig erweitert. Es besteht aus insgesamt 50 km Hauptentwässerungsstollen, einer 150 km umfassenden sekundären Anlage aus Entwässerungsstollen, Tunneln, Schächten sowie Förderbereichen und den dazugehörigen wasserwirtschaftlichen Infrastrukturen über Tage, die wesentliche Merkmale der Bergbaulandschaft umfassen. Tarnowskie Góry war zudem ein wichtiger Standort in der weltweiten Blei- und Zinkproduktion. Das hier gewonnene Blei deckte lange Zeit einen Großteil des weltweiten Bedarfs und wurde vor der Entwicklung des Quecksilberverfahrens bei den Abbau- und Verarbeitungsverfahren in den Silberminen Neuspaniens eingesetzt.
 

Technische Schöpferkraft und Wissenstransfer im Bergbau

Das in Tarnowskie Góry entwickelte Wassermanagementsystem ist ein herausragendes Zeugnis menschlicher Schöpferkraft und ein Meisterwerk des unterirdischen Wasserbaus zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert (Kriterium i). Die Erzgewinnung, das Entwässerungssystem und die Industrie- und Trinkwasserversorgung für eine ganze Region wurden in Tarnowskie Góry bereits früh integrativ entwickelt.

Zugleich ist das Entwässerungssystem des Bergwerks das Ergebnis eines einzigartigen Technologie-, Ideen- und Wissenstransfers in den Bereichen des Untertagebaus und der Wasserversorgung zwischen den führenden Bergbau- und Industriezentren jener Zeit in Sachsen, Böhmen, Ungarn, Großbritannien und Polen (Kriterium ii).

Auszug aus dem vorläufigen Statement of Outstanding Universal Value, 2017

„The Water Management System exhibits an exceptional interchange of technology, ideas and expertise in underground mining engineering and public water supply between leading mining and industrial centres.“

"Das Wasserwirtschaftssystem zeigt einen außergewöhnlichen Austausch von Technologie, Ideen und Expertise in der unterirdischen Bergbautechnik und der öffentlichen Wasserversorgung zwischen führenden Bergbau-und Industriezentren."

Die technischen Errungenschaften machten das Bergwerk zu einem wichtigen Technologiestandort, das die industrielle Entwicklung auch andernorts in Mittel- und Westeuropa beeinflusste. Die Mine von Tarnowskie Góry ist ein einzigartiges fortbestehendes Ensemble aus Erzgewinnung und Wasserhaltung (Kriterium iv), das sich durch seine vergangene große Blei- und Zinkproduktion auszeichnet – zeitweilig war das Bergwerk maßgeblicher Zulieferer der internationalen Metall- und Bauindustrie. Das Wassersystem deckte zudem den Bedarf der polenweit am stärksten industrialisierten und urbanisierten Region und sichert noch heute die Wasserversorgung der Bevölkerung vor Ort.  

Industriedenkmäler auf der UNESCO-Welterbeliste

Nach den Königlichen Salzbergwerken Wieliczka und Bochnia im Großraum Krakau, die 1978 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen wurden, ist die Blei-Silber-Zink-Mine von Tarnowskie Góry das zweite Industriedenkmal unter den nunmehr 15 polnischen Welterbestätten. Diese beiden Stätten des Bergbaus sind, wie auch die Zeche Zollverein in Essen oder das Bergwerk Rammelsberg mit der Altstadt von Goslar und der Oberharzer Wasserwirtschaft in Deutschland, eindrucksvolle bergbaugeschichtliche Zeugnisse. Auf globaler Ebene setzt sich das Internationale Komitee für die Erhaltung des industriellen Erbes (TICCIH, International Committee for the Conservation of the Industrial Heritage) für den Erhalt, die Erforschung, Dokumentation, Interpretation und Vermittlung bedeutender Industriedenkmäler ein. Das Komitee unterteilt die Industriedenkmäler z. B. in „Stätten der Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion“, „Brücken“, „Wasserkraft“, „Metallurgie“, „Bergbau und Zechen“ oder auch  „Eisenbahnen“ gegliedert. Seit 2000 unterstützt TICCIH zusammen mit ICOMOS die UNESCO als fachliches Beratungsgremium für industrielle Welterbestätten.

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