UNESCO-Welterbe Babylon

Vom antiken Reich zum Mythos der Weltgeschichte

Seit über zwei Jahrtausenden beeinflusst der „Mythos Babylon“ Kulturen auf der ganzen Welt: der Turmbau zu Babel, zwei Weltwunder der Antike und drei Weltreligionen werden mit Babylon in Verbindung gebracht. Seit 2019 zählt die Stätte zum UNESCO-Welterbe.

Das 85 km südlich von Bagdad gelegene Babylon entwickelte sich im 2. Jahrtausend vor Christus unter der Herrschaft von König Hammurabi zum Altbabylonischen Reich bis es 1595 vor Christus von den Hethitern eingenommen wurde. Im 7. und 6. Jahrhundert vor Christus erlebte Babylonien unter dem Herrscher Nebukadnezar II. erneut eine Blütezeit.

Das sogenannte Neubabylonische Reich umfasste das Gebiet von Palästina bis zum Persischen Golf. Die Stärke des kulturellen Erbe Babylons beruhte vor allem auf den vorherigen Errungenschaften der sumerischen und akkadischen Kultur, wie beispielsweise der Keilschrift. Das Neubabylonische Reich übte einen erheblichen Einfluss in Politik, Wissenschaft, Technik, Architektur und Kunst auf die gesamte Region aus. Im Zentrum der Stadt lag der heilige Bezirk: Der Tempel für den Stadtgott Marduk (Esagila-Tempel) und die Zikkurat Etemenanki, ein stufenförmiger Tempelturm. Aufgrund ihrer Form und der sumerischen Namensbedeutung als „das Haus der Fundamente von Himmel und Erde“ wird vermutet, dass es sich um den in den antiken Schriften erwähnten Turm zu Babel gehandelt haben könnte.

Als ehemalige Hauptstadt des Neubabylonischen Reiches (626-539 vor Christus) ist Babylon das außergewöhnlichste Zeugnis dieser Kultur auf dem Höhepunkt ihrer Macht, die sich in einer hochproduktiven Phase der Stadtentwicklung und architektonischen Errungenschaften ausdrückt (Auswahlkriterium iii). Die Geschichte Babylons kann bis in das 3. Jahrtausend vor Christus zurückverfolgt werden.

Illustration Welerbestätten

Fakten

Auszug aus der Erklärung zum Außergewöhnlichen Universellen Wert

Babylon radiated not only political, technical and artistic influence over all regions of the ancient Near and Middle East, but it also left a considerable scientific legacy in the fields of mathematics and astronomy.

Babylon übte nicht nur einen politischen, technologischen und künstlerischen Einfluss auf die Regionen des antiken Nahen und Mittleren Ostens aus, sondern hinterließ auch ein bedeutendes wissenschaftliches Erbe in den Bereichen der Mathematik und Astronomie.

Babylon als Mythos der Weltgeschichte

Nur wenige antike Städte Mesopotamiens haben sich so in das Gedächtnis der Menschheit eingeprägt wie Babylon. Geschichten zu der antiken Stadt, wie die Sprachverwirrung beim Turmbau zu Babel, finden sich in den Schriften aller drei Weltreligionen (Auswahlkriterium iv). Griechische Historiker verorteten hier zwei der sieben Weltwunder der Antike: Die Hängenden Gärten und die Festungsmauern von Babylon. In klassischen Quellen wurde Babylon stets als ferner und exotischer Ort beschrieben, der bis heute als Projektionsfläche für alle möglichen menschlichen Sehnsüchte und Laster dient. Seit über zweitausend Jahren beeinflusst der „Mythos Babylon“ die globale Kultur.

Babylon in Berlin

Von 1899 bis 1915 leitete der deutsche Architekt und Archäologe Robert Koldewey erste Ausgrabungen in Babylon. Das Projekt war eine der ersten deutschen Großgrabungen im Nahen Osten. Sie ist bis heute die größte bisher stattgefundene archäologische Grabung in dieser Region. Von über 77.500 geborgenen Objekten, befinden sich heute ca. 30.000 Objekte aufgrund von Fundteilungsvereinbarungen im Vorderasiatischen Museum in Berlin, welches Teil der UNESCO-Welterbestätte Museumsinsel Berlin ist.

Die umfassende Grabungsdokumentation Koldeweys samt seiner Tagebücher, Fotografien, Karten und Architekturpläne sowie die archäologischen Funde werden seit 2016 aufgearbeitet. Durch das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierte Pilotprojekt „Die Babylon-Sammlung des Vorderasiatischen Museums Berlin: Eine wissenschaftssystematische Untersuchung zur sammlungsbezogenen Grundlagenforschung in Museen“ arbeiten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Museums und des Instituts für Altorientalistik der Freien Universität Berlin an der systematischen Archivierung, um eine zukünftige Forschung zu Babylon zu erleichtern.

Weiterführende Informationen

DFG-Verbundvorhaben „Die Babylon-Sammlung des Vorderasiatischen Museums zu Berlin"

zur Website

Porträtserie

Im Rahmen der 43. Sitzung des UNESCO-Welterbekomitees 2019 in Baku (Aserbaidschan) wurden 29 Stätten neu in die Liste des Welterbes aufgenommen. In ihrer Gesamtheit versinnbildlichen sie die Vielfalt und Bandbreite des gemeinsamen Kultur- und Naturerbes der Menschheit.

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