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9. Generalversammlung des UNESCO-Übereinkommens von 2003: Deutschland in Zwischenstaatlichen Ausschuss gewählt

Vom 5. bis 7. Juli 2022 fand in Paris die 9. Generalversammlung des UNESCO-Übereinkommens zum Erhalt des Immateriellen Kulturerbes statt. Im Fokus standen die Akkreditierungen von NGOs, die Wahl der Mitglieder des Zwischenstaatlichen Ausschusses und das 20-jährige Jubiläum der Konvention im Jahr 2023.

Unter dem Vorsitz von Botschafterin Junever M. Mahilum-West aus den Philippinen haben fast 700 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 145 Staaten eine Reihe von Themen erörtert, darunter die künftige Gestaltung der Listen des Übereinkommens, der Plan für die Verwendung des internationalen Fonds für Immaterielles Kulturerbe, die operativen Richtlinien der Konvention sowie die Geschäftsordnung der Generalversammlung.

Deutschland erstmals Mitglied im Zwischenstaatlichen Ausschuss

Auf der Tagesordnung der Versammlung, welche alle zwei Jahre zusammentritt, stand auch die Wahl der Mitglieder für den Zwischenstaatlichen Ausschuss zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit. Alle zwei Jahre wird die Hälfte seiner 24 Mitglieder neu gewählt. Deutschland wurde zum ersten Mal in den Zwischenstaatlichen Ausschuss gewählt, der unter anderem über die Aufnahme von kulturellen Praktiken in die Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit entscheidet. Zudem wurden Angola, Äthiopien, Bangladesch, Burkina Faso, Indien, Malaysia, Mauretanien, Paraguay, Slowakei, Usbekistan und Vietnam für das Mandat 2022 – 2026 gewählt.

Neu akkreditierte NGOs

Eine Besonderheit des Übereinkommens stellt die Rolle von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) als beratende Stimmen im Auswahlprozess der Bewerbungen um den Titel des Immateriellen Kulturerbes dar. 184 NGOs sind bereits in dieser Funktion tätig, während der Konferenz wurden weitere 33 NGOs zur Beratung des Zwischenstaatlichen Ausschusses akkreditiert.

Organisationen aus Lateinamerika und der Karibik sowie aus den arabischen Staaten sind hier nach wie vor unterrepräsentiert. NGOs aus wenig repräsentierten Weltregionen wurden daher darauf hingewiesen, ihre Anträge auf Akkreditierung bei nächster Gelegenheit einzureichen. Darüber hinaus wurden Vertragsstaaten aus diesen Regionen gebeten, den Aufruf an dort ansässige NGOs weiterzuleiten.

Für den Vorschlag, die Akkreditierung von NGOs aus Nicht-Vertragsstaaten künftig auszuschließen, konnte ein Kompromiss erzielt werden, der ihre Teilnahme auch weiterhin ermöglicht.

Erste Eintragung Haitis in die Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit

Aufgrund eines dramatischen Erdbebens im Inselstaat Haiti war im Jahr 2021 ein beschleunigtes Verfahren zur Einschreibung der Zubereitung der Jomou Kürbissuppe in die Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit angewendet worden. Diese Vorgehensweise wurde nun von der Generalversammlung bestätigt, womit die Praktiken rund um die haitianische Suppe nun als erste Eintragung Haitis in die Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit gilt.

20-jähriges Jubiläum des UNESCO-Übereinkommens von 2003

Verschiedene Veranstaltungen sollen im Jahr 2023 anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der Konvention auf die Ziele des Übereinkommens aufmerksam machen, Stimmen der Erbeträgerinnen und -träger in den Vordergrund rücken und Netzwerke und Partnerschaften zur Förderung des Immateriellen Kulturerbes zusammenführen. Für Deutschland gibt es im nächsten Jahr doppelten Grund zum Feiern: Neben dem Jubiläum der Konvention selbst wird hier die Annahme des Übereinkommens durch Deutschland vor genau zehn Jahren gefeiert.

Hintergrund

Die 2003er Konvention zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes hat aktuell 180 Vertragsstaaten. Die 10. Generalversammlung der Vertragsstaaten tagt 2024.

Publikation

Bundesweites Verzeichnis Immaterielles Kulturerbe.
Deutsche UNESCO-Kommission, 2021