Bundesweites Verzeichnis Immaterielles Kulturerbe

Friedhofskultur in Deutschland

Mit Friedhofskultur in Deutschland sind die Friedhofsgestaltung, Bestattungspraxis sowie Trauer- und Erinnerungsrituale gemeint. Damit verbundene handwerkliche Techniken und Praktiken erhalten diese Kulturform und sorgen für die Pflege der Friedhöfe. Als naturnahe Orte der Erinnerungskultur sind Friedhöfe darüber hinaus heute Abbilder einer pluralistischen Gesellschaft.

Illustration Immaterielles Kulturerbe

Fakten

  • Aufnahmejahr: 2020
  • Verbreitung: in ganz Deutschland
  • Zentraler Termin: ganzjährig
  • Bereich: mündlich überlieferte Traditionen und Ausdrucksweisen; gesellschaftliche Bräuche, Feste und Rituale; Wissen und Bräuche in Bezug auf die Natur und das Universum; traditionelle Handwerkstechniken

Kontakt

Initiative Friedhofskultur
Tobias Pehle
info@kulturerbe-friedhof.de
www.kulturerbe-friedhof.de

Die Friedhofskultur in Deutschland umfasst vielfältige kulturelle Ausdrucksformen: von den Ritualen der individuellen Trauerverarbeitung – mit der Beisetzung auf dem Friedhof als zentralem Handlungsrahmen – über die Gestaltung der Gräber als kleine Gärten der Erinnerung bis hin zur Nutzung des Kulturraums Friedhof als sozialer Begegnungsstätte und kulturellem Veranstaltungsort.

Mit der Friedhofskultur in Deutschland sind besonderes Wissen und Fertigkeiten in den Bereichen Bestattung, Landschaftsplanung, Gärtnern und Steinmetzhandwerk verbunden. Dieses Wissen ist über Jahrhunderte gewachsen und kann an vielen alten Friedhöfen, die kulturell und historisch bedeutend sind, besichtigt werden. Literarische Quellen bezeugen den Wandel der Trauerrituale in den jeweiligen Epochen.

Den Kulturraum „Friedhof“ prägen dabei nicht nur kommunale oder christliche Orte, sondern auch jüdische Friedhöfe und muslimische Grabfelder. Die Pflege der Friedshofskultur bildet dabei auch einen aktiven Beitrag zum Denkmalschutz. Statisch bleibt die Friedhofskultur dabei in keinem Fall, wie die sich im Lauf der Zeit wandelnden Gestaltungskonzepte zeigen. Aktuell nimmt beispielsiwese die Zahl der Urnenbestattungen zu und verändert damit nicht nur das Erscheinungsbild der Friedhöfe, sondern auch die gelebte Friedhofskultur.

Die Grabstelle hat sich zum Ort der Erinnerung entwickelt, der oft gemeinschaftlich aufgesucht und gepflegt wird. Die Friedhofkultur in Deutschland erweist sich auf diese Weise auch als sozialer Begegnungsrahmen, der Kommunikation fördert und der Vereinsamung Alleinstehender entgegenwirkt. Grabbesuche mit Kindern und Jugendlichen sind oft mit der Weitergabe von Wissen über das Leben und Wirken der Vorfahrinnen und Vorfahren verbunden.

Die Rituale auf dem Friedhof fördern die aktive Auseinandersetzung mit Kernfragen nach dem Sinn des Lebens. Menschen erfahren Friedhöfe als sichtbaren, sich stets fortschreibenden Ausdruck der deutschen Erinnerungskultur – als Geschichtsbücher des Landes, der Städte und Dörfer. Nicht zuletzt mahnen Soldatenfriedhöfe zu Frieden und Völkerverständigung.

Publikation

Wissen. Können. Weitergeben..
Deutsche UNESCO-Kommission, 2019

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