Bundesweites Verzeichnis Immaterielles Kulturerbe

Die traditionelle kunsthandwerkliche Herstellung der Darßer Türen

Darßer Türen bilden ein unverwechselbares Wiedererkennungsmerkmal für die Darß-Orte an der mecklenburg-vorpommerschen Küste und sind Ausdruck lokaler Identität. Die traditionelle und regionalspezifische Herstellung der Darßer Haustüren ist eng mit der maritimen Kultur der Halbinsel Darß verknüpft. Durch die erfolgreiche Weitergabe des kunsthandwerklichen Wissens und Könnens über nunmehr sechs Generationen hinweg erfreut sich das Handwerk auch heute noch großer Beliebtheit.

Illustration Immaterielles Kulturerbe

Fakten

  • Aufnahmejahr: 2018
  • Verbreitung: Fischland-Darß-Zingst
  • Zentraler Termin: ganzjährlich
  • Bereiche: darstellende Künste, traditionelle Handwerkstechniken

Kontakt

Verein zur Förderung der Heimatpflege und des Darß-Museums e.V.
Antje Hückstädt
darss-museum@ostseebad-prerow.de

Fischland-Darß-Zingst ist eine abgeschiedene Halbinsel der Ostsee. Ihre Bevölkerung ist ursprünglich in der seemännischen Kultur verortet. Dies hat zu einer eigenen Bau- und Wohnkultur geführt. Die kunsthandwerkliche Fertigung von mit Schnitzereien verzierten Haustüren hat auf der Halbinsel Darß eine lange Tradition. Besonders in den Orten Prerow, Wieck und Born, die seit dem 18. Jahrhundert stark maritim geprägt sind, hat sich das Kunsthandwerk entfalten und über 200 Jahre erhalten können.

Die Besonderheit der Türen liegt vor allem in ihren Motiven. Dabei wird aus der Fülle alter volkskundlicher Darstellungen geschöpft. Abbildungen wie Lebensbäume, Blumengefäße, Sonnen, Ranken oder Anker zieren die Türen. Auch der Austausch mit Skandinavien, dem Mittelmeerraum und Asien beeinflussen die Motive. Die handwerkliche Fertigung der Darßer Haustüren erfolgt überwiegend durch eine kleine Trägerschaft. Es wird mit Zeichnungen maßstäblicher Skizzen begonnen, um die optimalen Proportionen der Tür zu finden. Dann werden Holzlisten erstellt, in denen alle Einzelteile mit ihren Maßen verzeichnet sind. Manch ein Motiv-Detail wird als freie künstlerische Gestaltung erst während der Arbeit festgelegt.

Die Herstellung der Tür selbst folgt den üblichen technischen Standards unserer Zeit. Die Haustüren werden mit zeitgemäßer technischer Ausstattung, wie wärmegedämmten Füllungen, Mehrfachverriegelungen und Dichtungen, versehen. Wenn die Tür getischlert ist, werden Maße für die Zierteile genommen. Dafür werden Schablonen gezeichnet, Holz ausgewählt, verleimt und auf die gewünschte Stärke gehobelt. Das Ausschneiden erfolgt heute mit der Stichsäge, früher mit Schweifsäge und Laubsäge von Hand. Anschließend werden die Verzierungen mit wasserfestem Leim unter Druck von Schraubzwingen oder einer Presse auf die Füllungen oder Platten geleimt. Zum Schluss werden Motive sauber herausgeschnitzt und bemalt. Der gesamte Prozess erfordert jahrelange handwerkliche Erfahrung, Geschick, Kreativität und viel Übung.

Die Darßer Haustüren als Produkte der kunsthandwerklichen Tradition sind für die Darßorte zu einem Wiedererkennungsmerkmal geworden. Mit aufkommenden Besucherverkehr ab 1880 wuchs ihre Popularität stetig. Die Darßer Haustüren sind in der Region fest verankert und stellen ein markantes Erkennungsmerkmal für die Darß-Dörfer dar. Junge und ältere Dorfbewohner schätzen und pflegen die Tradition. Eine schöne Haustür erscheint nicht nur als Ausdruck eines freundlichen Empfangs, sondern auch des Stolzes auf das geschaffene Heim und die Seefahrertraditionen. Die bunten Haustüren zählen heute zu den beliebtesten Fotomotiven in den Darßdörfern und zieren Postkarten, Plakate, Keramik-Kacheln und andere Souvenirs.

Publikation

Wissen. Können. Weitergeben..
Deutsche UNESCO-Kommission, 2017

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