Bundesweites Verzeichnis Immaterielles Kulturerbe

Die Bewahrung und Nutzung der Zeesboote in der Mecklenburg-Vorpommerschen Boddenlandschaft

Die maritime und wandlungsfähige Tradition der Zeesboote wird durch den Erhalt und die Nutzung der hölzernen Boote bei traditionellen Zeesbootregatten und beim Freizeitsegeln lebendig gehalten. Der Erhalt der ehemaligen Fischereiboote erfordert spezifisches handwerkliches Wissen und Können des Holzbootbaus, der Segelmacherei und des seemännischen Umgangs mit Segelschiffen ebenso wie ein tiefgehendes Verständnis für den Zusammenhang von Kultur und Natur.

Illustration Immaterielles Kulturerbe

Fakten

  • Aufnahmejahr: 2018
  • Verbreitung: Vorpommersche Boddenlandschaft
  • Zentraler Termin: ganzjährig mit Regatten im Sommer
  • Bereiche: Wissen und Bräuche in Bezug auf die Natur und das Universum; traditionelle Handwerkstechniken; mündlich überlieferte Traditionen; gesellschaftliche Bräuche und Rituale

Kontakt

Interessengemeinschaft „Holzboote Bewahren und Segeln“
Dr. Helmut Risch
hrisch@t-online.de

Der Erhalt der ehemaligen Fischerei-Boote ist eng mit dem handwerklichen Geschick des Holzbootsbaus, der Segelmacherei und des seemännischen Umgangs mit Segelfahrzeugen verbunden. Nicht nur der Erhalt, sondern auch die Nutzung der Boote bei traditionellen Wettfahrten, den Zeesbootregatten, sowie durch das Segeln mit der Familie, mit Freunden oder Gästen tragen zum Fortbestehen der Tradition bei.

Von Juni bis September finden in der Darß-Zingster Boddenkette an sechs Samstagen die Zeesbootregatten statt, bei denen die seemännische Handhabung dieser ehemaligen Fischereifahrzeuge praktiziert, vorgeführt und weitergegeben wird. Zudem wird auch die traditionelle Fischereimethode einmal im Jahr, am zweiten Wochenende im September, demonstriert. Dabei wird außerdem die seemännische Sprache mit ihren spezifischen Fachbegriffen gepflegt und aktiv aufgegriffen. Auf diese Weise werden Kompetenzen und Wissen in Form eines generationsübergreifenden Austauschs überliefert. Zwei verantwortliche Vereine vor Ort kümmern sich darum, dass die Boote mit Besatzungen sämtlicher Altersklassen betrieben werden und mittels verschiedener Formen der Jugendarbeit genügend Nachwuchs für die Besatzungen bereitsteht.

Die Klassenvereinigung der Zeesboote organisiert jährlich sechs Wettfahrten in den Boddengewässern. Daran nehmen jeweils zwischen 30 und 50 Zeesboote teil. Ein weiterer Höhepunkt der Tätigkeit der Gemeinschaft ist die Demonstration der traditionellen Fischereimethode. Die Zeesbootregatten finden jährlich wiederkehrend statt. Diese Wettfahrten unterscheiden sich zu den Regatten im Segelsport, da alle Zeesboote Unikate sind.

Das Segeln mit Gästen bringt jährlich mehreren tausend Besuchern das Zeesbootsegeln näher. Dafür sind 17 Boote in der Region im Einsatz. Bei der Zeesenfischerei werden außerdem die Handhabung und das damit verbundene Handwerk des Einstellens des Fischereigeschirrs, das maschengerechte Flicken der Netze, sowie das Einspleißen der Driftleinen demonstriert.

Als Sinnbild der Region haben die Zeesboote für Einheimische wie für Gäste einen starken identitätsstifenden Charakter. Sie sind umweltfreundliche und nachhaltig.

Publikation

Wissen. Können. Weitergeben..
Deutsche UNESCO-Kommission, 2017

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