Bundesweites Verzeichnis Immaterielles Kulturerbe

Augsburger Hohes Friedensfest

Das Augsburger Hohe Friedensfest findet seit 1650 jährlich statt. Seit 1949 ist es gesetzlicher Feiertag in Augsburg. Das mehrwöchige Veranstaltungsprogramm wird interreligiös und interkulturell begangen. Im Zentrum des Friedensfestes stehen heute die Anerkennung von Pluralität und das konstruktive Aushandeln gesellschaftlicher Konflikte als Maßstab für ein friedliches Zusammenleben.

Illustration Immaterielles Kulturerbe

Fakten

  • Aufnahmejahr: 2018
  • Verbreitung: Augsburg
  • Zentraler Termin: 8. August
  • Bereich: Formen gesellschaftlicher Selbstorganisation

Kontakt

Friedensbüro im Kulturamt der Stadt Augsburg
Christiane Lembert-Dobler
friedensstadt@augsburg.de
www.friedensstadt-augsburg.de
 

Das Augsburger Hohe Friedensfest ist als einziger städtischer Feiertag in Deutschland anerkannt und wird jedes Jahr am 8. August gefeiert. Seit 1650 erinnert das Fest an die durch den Westfälischen Frieden errungene Parität und konfessionelle Gleichstellung von katholischer, lutherischer und reformierter Kirche. Zudem dient es der Erinnerung an die Leidenszeit während des Dreißigjährigen Krieges. Das Friedensfest ist Dokumentation der Auseinandersetzung Augsburgs mit seiner jahrhundertealten Friedens- und Konflikttradition.

Die Anerkennung von Pluralität und das konstruktive Aushandeln von gesellschaftlichen Konflikten als Maßstab für friedliches Zusammenleben stehen heute im Zentrum des Friedensfests. In jährlichen Themenschwerpunkten behandelt es globale wie lokale Entwicklungen, die Augsburg als moderne heterogene Großstadt vor Herausforderungen an den sozialen Frieden stellen. Das Friedensfest regt zu stetem Dialog an, zum „Streiten für den Frieden“ unter Wahrung demokratischer Grundwerte. Es fördert gegenseitiges Kennenlernen und den Respekt vor kultureller und religiöser Vielfalt.

Die Formenvielfalt des Friedensfestes reicht von Diskussionen über Street Art bis zur Konfliktprävention im urbanen Raum. Etwa 100 gesellschaftliche Gruppen, darunter Religionsgemeinschaften, Vereine, Kultur- und Bildungseinrichtungen, Künstler und engagierte Einzelpersonen, beteiligen sich aktiv. Niedrigschwellige Formate, wie die Friedenstafel oder das Kinderfriedensfest, bieten Möglichkeiten der gelebten Inklusion und Integration. Zu den Aktivitäten zählen auch Diskussionsrunden, Konzerte und Theater, interreligiöse Formate, Workshops, Kinder- und Jugendprojekte. Durch seinen partizipativen Ansatz regt das mehrwöchige Festprogramm bürgerschaftliches Engagement sowie die individuelle Identifikation mit dem Thema Frieden an. Begegnungs- und Dialogformate fördern aktive Teilhabe und gelebtes Miteinander.

Das Augsburger Hohe Friedensfest wirkt als Grundlage des Wertekonsenses der Friedensstadt Augsburg weit über den 8. August hinaus. Die Feierlichkeiten werden überregional wahrgenommen und medial begleitet. Für Veranstaltungen wie die Friedenstafel reisen zahlreiche Gäste aus der Ferne an. Die Verleihung des Preises Augsburger Friedensfest an herausragende Persönlichkeiten wie Michail Gorbatschow sendet Impulse des interreligiösen Dialogs und erfährt internationale Aufmerksamkeit.

Publikation

Wissen. Können. Weitergeben.
Deutsche UNESCO-Kommission, 2017

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