Bundesweites Verzeichnis Immaterielles Kulturerbe

Forster Hanselfingerhut-Spiel

Das Hanselfingerhut-Spiel wird alljährlich am Sonntag Lätare, also drei Wochen vor Ostern, im rheinland-pfälzischen Ort Forst insgesamt sechsmal aufgeführt. Es ist ein Volksspiel mit derben Worten, das sich der Überlieferung nach aus verschiedenen Teilstücken zusammensetzt.

Illustration Immaterielles Kulturerbe

Fakten

  • Aufnahmejahr: 2016
  • Verbreitung: Gemeinde Forst
  • Zentraler Termin: Sonntag Lätare (Sonntag drei Wochen vor Ostern)
  • Bereich: Mündlich überlieferte Traditionen und Ausdrucksformen; Darstellende Künste; Gesellschaftliche Bräuche, Rituale und Feste

Kontakt

Gemeinde Forst
Ortsbürgermeister Bernhard Klein
bernhard-klein-forst@t-online.de
www.forst-pfalz.de

Das Spiel wird von sechs männlichen Spielern aufgeführt. Zunächst findet ein Kampf zwischen Winter und Sommer statt, aus dem letzterer als Sieger hervorgeht. Verkörpert wird dies durch zwei Spieler. Der eine sitzt in einem Sommerhäuschen aus Efeu, der andere in einem Winterhäuschen aus Stroh. Bei der letzten Aufführung wird das Winterhäuschen verbrannt. Als Richter fungiert die Figur des sogenannten „Henrich-Fähnrich“, der wie ein Landknecht mit Federhut, Säbel und Geldbüchse kostümiert ist.

Hauptfigur des Spiels ist der „Hanselfingerhut“, dessen Gesicht und Hände mit Ruß geschwärzt sind. Er trägt ein Flickenkleid aus bunten Lappen und Spielkarten und verkörpert einen Vagabunden, der außerhalb des Dorfes in den Sumpfwiesen lebt. Er stellt gerne Frauen nach, wobei seine Küsse aufgrund der schwarzen Farbe nicht verborgen bleiben. Der sogenannte „Scherer“, ein Barbier gekleidet in dunklem Wams, weißer Hose und Hut soll den Hanselfingerhut durch Rasur und Aderlass mit einem übergroßen hölzernen Rasiermesser kultivieren. Die letzte Figur ist die „Nudelgret“, die während des Spiels alle mit frischen Brezeln versorgt.

"Es ist phänomenal für solch einen kleinen Ort, dieses Spiel so erhalten zu können und dass immer wieder junge Menschen da sind, die einfach mitziehen, mitmachen, damit das Ganze weiterlebt." 

Peter Lucas, Verein für Brauchtum und Dorfverschönerung

Schriftlich nachweisbar ist das Fest seit 1721, fand jedoch vermutlich bereits früher statt. Eine weitere Forster Tradition fällt mit dem Spiel zusammen: Der Kammergerichtsleser Felix-Christoph Traberger hat im Jahre 1600 eine Spende verrichtet, damit Forster Kinder am Sonntag Lätare eine Speise erhalten. Auch heute bekommen alle Kinder noch einen „Spitzweck“ aus Hefeteig.

Fest und Engagement der Spieler werden vom Verein für Tradition und Dorfverschönerung koordiniert sowie von der Gemeinde unterstützt. Als erstes Fest im Jahr ist es ein wichtiges Dorffest und gewinnt zunehmend an Popularität.

Publikation

Wissen. Können. Weitergeben.
Deutsche UNESCO-Kommission, 2017

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