Bundesweites Verzeichnis Immaterielles Kulturerbe

Flechthandwerk

Flechten zählt zu den ältesten handwerklichen Tätigkeiten der Menschheit und ist auf der ganzen Welt verbreitet. So wurden beispielsweise in den Trockengebieten des Nahen Ostens 12.000 Jahre alte Körbe gefunden. Beim Flechten werden Materialien miteinander verbunden, um eine stabile Struktur zu schaffen. Über Generationen wurden unterschiedliche Flechttechniken tradiert, verfeinert und weiterentwickelt.

Illustration Immaterielles Kulturerbe

Fakten

  • Aufnahmejahr: 2016
  • Verbreitung: deutschlandweit und darüber hinaus
  • Zentraler Termin: ganzjährig, Flechtkulturfestival in Lichtenfels im September
  • Bereich: Traditionelle Handwerken; Wissen und Bräuche in Bezug auf die Natur und das Universum; Traditionelle Handwerkstechniken; Formen gesellschaftlicher Selbstorganisation

Kontakt

Bundesinnungsverband des Deutschen Korbmacherhandwerks
Siegfried Katz
bundesinnungsmeister@flechtwerkgestalter.de 
www.flechtwerkgestalter.de

Das permanente Bewegen und Belasten der Finger erfordert Kraft und Feingefühl zugleich. Ohne Maschinen werden die Materialien zu Unikaten geformt, die beispielsweise in Form von Korbmöbeln Einzug in Wohnräume finden. Auch werden Körbe als Dekorationsstücke gefertigt und geflochtene Skulpturen in Galerien auf der ganzen Welt ausgestellt.

Ansprüche an Funktionalität und Dekoration verschmelzen mehr und mehr miteinander. Ein Flechter ist somit Handwerker, Gestalter, Künstler und Partner für Architekten und Designer zugleich.

Flechthandwerker schöpfen aus einer riesigen Palette an Werkstoffen, die von Weide bis Recyclingmaterialien reichen. Flechtweiden werden regional in Plantagen angepflanzt, geerntet, sortiert und für die Verarbeitung vorbereitet. Durch Wässern werden sie biegsam und können so verflochten werden.

"Das zwar kleine aber immer vitale Flechthandwerk lebt und hat großes Potenzial für die Zukunft." 

Bundesinnungsmeister Siegfried Katz

Das Flechthandwerk wird unter anderem durch die Berufsfachschule für Flechtwerkgestaltung im bayerischen Lichtenfels lebendig gehalten. Während einer dreijährigen Berufsausbildung erhalten junge Flechtwerkgestalter umfassende Kenntnisse zu Material, Verarbeitung, Techniken und Gestaltung im traditionellen wie zukunftsweisenden Sinn. Über Inklusionsprojekte werden auch Menschen mit Behinderung eingebunden. Mit seinen rhythmischen Bewegungen fördert das Flechten die manuellen Fähigkeiten von Kindern. Deshalb wird es auch im therapeutischen Umfeld eingesetzt.

Ausstellungen, Zusammenkünfte, Kurse und Freizeitangebote sind Plattformen für internationalen Wissenstransfer und Kooperationen. Meister, Gesellen, Auszubildende und Menschen mit Begeisterung für das Flechthandwerk bilden ein globales Netzwerk.

Flechthandwerk in Deutschland

Publikation

Wissen. Können. Weitergeben.
Deutsche UNESCO-Kommission, 2017

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