Bundesweites Verzeichnis Immaterielles Kulturerbe

Baumfelderwirtschaft und traditionelle Dörrobstherstellung im Steigerwald

Die Baumfelderwirtschaft und traditionelle Dörrobstherstellung im Steigerwald wird durch großes Engagement einer kleinen Trägerschaft erhalten und in die Zukunft getragen. Tradierte Handwerkstechniken, Wissen um die Pflege von Kulturlandschaften sowie der Erhalt traditioneller und lokaler Obstsorten stehen dabei im Vordergrund.

Illustration Immaterielles Kulturerbe

Fakten

  • Aufnahmejahr: 2018
  • Verbreitung: Fatschenbrunn, Ortsteil der Gemeinde Oberaurach im Landkreis Haßberge (Franken/Bayern)
  • Zentraler Termin: ganzjährig
  • Bereiche: Rituale und Feste, Wissen und Bräuche in Bezug auf die Natur und das Universum, traditionelle Handwerkstechniken

Der Steigerwald in Franken (Bayern) zeichnet sich durch seinen reichen Laubmischwaldbestand aus. Extensiv bewirtschaftete, naturbelassene Streuobstbestände, die sogenannten Baumfelder, umgeben bis heute den Ort Fatschenbrunn und verteilen sich in der Feldflur. Sie prägen das Landschaftsbild und liefern zugleich das Rohmaterial für die bereits seit vielen Generationen in Fatschenbrunn hergestellten Hutzeln. Hutzeln sind Dörrbirnen, die mit Stumpf und Stiel im traditionellen Verfahren in holzbeheizten Därren (Einrichtungen zum Trocknen von Lebensmitteln) getrocknet werden.

Die Baumfelder waren einst im Steigerwald weit verbreitet. Sie sind heute aber bis auf wenige Standorte aus der Kulturlandschaft verschwunden. Fatschenbrunn zählt zu den Orten im Steigerwald, in welchen die Kenntnisse der Baumfeldwirtschaft durch großes bürgerschaftliches Engagement weiterhin tradiert werden. Viele der alten Obstbäume haben sich dort bis heute erhalten können. In Fatschenbrunn gibt es noch über 300 alte Obstbäume und mehr als 30 verschiedene Birnensorten, von denen viele nur lokal vorkommen. Die angewandte Sortenvielfalt trägt zu konstanten Erträgen bei.

Das Wissen um die Dörrobstherstellung wurde seit jeher von Generation zu Generation mündlich weitergeben. Um die Hutzeltradition zu erhalten und weiterzuentwickeln, sind verschiedene Projekte und Maßnahmen geplant: unter anderem soll ein „Hutzel-Informationszentrum“ mit Darre, Hofladen, Hofcafé und Seminarräumen für Veranstaltungen in Fatschenbrunn entstehen. Außerdem erfolgt eine Nachpflanzung von 100 Obstbäumen lokal vorkommender Sorten. Der in Gründung befindliche „Verein zur Förderung der Fatschenbrunner Hutzeln und Kulturlandschaft“ wird die Aufgabe haben, die Nachhaltigkeit der vorgesehenen Maßnahmen zu gewährleisten und zu koordinieren.

Die Fatschenbrunner Hutzel birgt nicht zuletzt kulinarisches Potenzial. Das Hutzelbrot ist als traditionelles Lebensmittel geschätzt. Auch neu entwickelte Produkte aus Hutzeln werden angeboten, so zum Beispiel Müsli, Desserts und Pesto, aber auch Hutzellikör und Hutzelschnaps. Die alten wie neu kreierten Rezepte werden in einem Hutzelkochbuch zusammengetragen.

Publikation

Wissen. Können. Weitergeben..
Deutsche UNESCO-Kommission, 2017

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