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Neue UNESCO-Publikation: Living Heritage in the face of COVID-19

Die Covid-19-Pandemie führt zu Einschränkungen in Kunst und Kultur. Sie sorgt auch für Absagen und Verschiebungen von Veranstaltungen des Immateriellen Kulturerbes. Die UNESCO hat nun in einer Publikation versucht, anhand von rund 200 Beispielen aus der ganzen Welt erste Auswirkungen der Pandemie auf das Immaterielle Kulturerbe und seine Kulturtragenden zu erfassen.

Die Arbeit zeigt zwar wie tief die Auswirkungen von Covid-19 sind, hebt aber auch die Nutzung von dynamischen Weiterentwicklungen und neuen Technologien zur Erhaltung der Praktiken hervor. Immaterielles Kulturerbe ist nicht nur in Gefahr, es ist auch ein Mittel der Resilienz zur Bewältigung gemeinsamer sozialer und psychologischer Schwierigkeiten.

Die Publikation "Living Heritage in the face of of COVID-19" untersucht systematisch, wie die Pandemie die Durchführung und Weitergabe von immateriellem Kulturerbe einschränkt und welche sozialen und mentalen Auswirkungen dies auf die Gemeinschaften hat. Viele Praktizierende von Kulturformen konnten insbesondere zu Beginn der Pandemie gar nicht oder nur eingeschränkt die Orte besuchen, die eng mit ihrer Praktik verbunden sind. Auch indigene Gruppen wurden und werden verheerend vom dem Virus getroffen. Zudem bedrohen ökonomische Krisen, die aus Lockdowns und zusammenbrechenden Wirtschaften resultieren, die Basis, auf der Menschen ihr kulturelles Erbe ausleben. Die schwerwiegendsten Konsequenzen der Pandemie sind jedoch die Todesfälle, denn ohne praktizierende Menschen verliert auch das Kulturerbe seine Lebendigkeit.

Gleichzeitig zeigen sich während der Pandemie auch die Stärken von immateriellem Kulturerbe. Viele Gruppen haben ihre Praktiken an Abstandsregeln oder Maskengebote angepasst und nutzen vermehrt digitale Technologien. Neue Formate wie Online-Festivals ermöglichen es nun theoretisch auch mehr Menschen an den kulturellen Aktivitäten teilzunehmen die weiter entfernt leben. Eine weitere positive Entwicklung, die die UNESCO wahrnimmt, ist ein vermehrtes Interesse jüngerer Generationen an den Praktiken des immateriellen Kulturerbes, insbesondere im Bereich von Kochtechniken. Viele Gemeinschaften nutzten die Popularität ihres immateriellen Kulturerbes außerdem, um kreativ auf die Gefahren des Virus und auf die Wichtigkeit von Hygieneregelungen hinzuweisen.

Zuletzt zeigt die Publikation, dass immaterielles Kulturerbe weltweit eine neue Qualität bekommen hat. Menschen nutzen ihr Kulturerbe noch mehr zur Stärkung der Solidarität und der sozialen Strukturen innerhalb ihrer Gemeinschaften. Zudem führten die Unterbrechungen globaler Lieferstrukturen in einigen Regionen zu einem verstärkten Interesse an lokalen und nachhaltigen Lebensweisen. Die Publikation empfiehlt, kulturelle Partizipation und Kulturinstitutionen stärker zu fördern, die Möglichkeiten digitaler Technologien im Zusammenhang mit Kulturpraktiken noch ausgiebiger zu nutzen und auch die Verbindungen zwischen dem Erhalt von immateriellem Kulturerbe, Katastrophenvorsorge und Wiederaufbauplänen zu stärken.

Publikation

Living Heritage in the face of COVID-19.
UNESCO, 2021