Die Pressefreiheit weltweit schwindet in einem alarmierenden Tempo. Auf dem 19. Deutsche Welle Global Media Forum in Bonn diskutierten internationale Fachleute im Rahmen der Vorstellung des jüngsten UNESCO-Berichts zur Meinungsfreiheit und Medienentwicklung 2022-2025Externer Link: über die drängenden Bedrohungen der Branche. Die Daten des Berichts zeichnen ein düsteres Bild: Seit 2012 ist der weltweite Index für Meinungsfreiheit um zehn Prozent gesunken – ein Rückgang, wie er historisch sonst nur in Zeiten globaler Großkonflikte zu beobachten war. Heute leben rund 72 Prozent der Weltbevölkerung unter autoritärer Herrschaft.

Neben physischer Gewalt – seit 2022 wurden mehr als 300 Medienschaffende getötet – rücken zunehmend digitale und strukturelle Bedrohungen in den Fokus. Sylvie Coudray, Direktorin der Abteilung für Meinungsfreiheit, Medienentwicklung und Medienbildung bei der UNESCO, betonte, dass die Zunahme von gezieltem Online-Hass, insbesondere gegen Frauen, sowie der Missbrauch von generativer Künstlicher Intelligenz (KI) für Deepfakes die Arbeit massiv erschweren. Gleichzeitig führt der finanzielle Druck durch den Abzug von Werbeeinnahmen hin zu wenigen dominanten Technologie-Konzernen zu einer existenziellen Wirtschaftskrise traditioneller Medien.

Auf dem Podium herrschte Einigkeit darüber, dass sich die Art der Bedrohung fundamental verändert hat. Christian Mihr, Geschäftsführer Politik und Strategie bei Reporter ohne Grenzen in Deutschland, warnte vor einer unsichtbaren Welle der Selbstzensur: 66 Prozent der Medienschaffenden würden mittlerweile genau abwägen, ob eine Geschichte das Risiko rechtfertige. Als die derzeit größte digitale Herausforderung bezeichnete Mihr jedoch den „Kampf, gefunden zu werden“. Durch die Integration von KI-Übersichten in Suchmaschinen entscheide nicht mehr die Öffentlichkeit, was Relevanz besitzt, sondern Algorithmen.

Jessica White, Programmmanagerin und Forscherin beim International Fund for Public Interest Media (ifpim), verdeutlichte das Ausmaß dieser technologischen Transformation. KI-Modelle nutzen und verpacken journalistische Inhalte neu, ohne die Urheber angemessen zu entschädigen, was zu einem massiven Traffic- und Umsatzverlust für Medienunternehmen führt. Zudem bestehe die Gefahr, dass KI mangels verlässlicher lokaler Berichterstattung Falschinformationen oder staatliche Propaganda verbreitet. Dr. Laura Moor, Leiterin Forschung und Evaluation bei der Deutschen Welle Akademie, plädierte in diesem Zusammenhang für eine kritische Abkehr von rein punktueller Medienförderung hin zu systemischen Ansätzen, um das wirtschaftliche Überleben von Medienhäusern nachhaltig zu sichern.

Als Lösungsansätze forderten die Fachleute ein radikales Umdenken. Die Verteidigung der Pressefreiheit dürfe sich nicht mehr nur auf das Recht zu publizieren beschränken, sondern müsse das „Recht auf Sichtbarkeit“ im digitalen Raum garantieren. Erste politische Instrumente wie das europäische Medienfreiheitsgesetz böten hierfür eine Basis. Finanziell sei die Rettung des Journalismus zudem machbar: Schon 0,1 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts – was etwa 15 Tagen weltweiter Militärausgaben entspricht – würden ausreichen, um ein gesundes und unabhängiges Informationsökosystem für alle Menschen weltweit zu finanzieren.

Podiumsdiskussion UNESCO World Trends in Freedom of Expression and Media Development. Global Report 2022/2025

Der Bericht über globale Trends der Meinungsfreiheit und MedienentwicklungExterner Link: wird alle vier Jahre von der UNESCO veröffentlicht. Die Ausgabe 2022–2025 „Journalismus: Gestaltung einer friedlichen Welt“ basiert auf den Beiträgen, Erkenntnissen und Daten, die von über 100 Fachleuten für Meinungs- und Medienfreiheit bereitgestellt sind und aus Hunderten von akademischen und institutionellen Quellen stammen. Es ist der einzige globale Bericht, der Trends in Meinungsfreiheit und Journalismus über einen Zeitraum von mehreren Jahren analysiert. Die meisten Daten wurden zwischen Januar 2022 und Dezember 2025 gesammelt. Beteiligt an der Berichtserstellung war auch die Deutsche Welle Akademie.

Für die Gestaltung einer Welt in Frieden ist Journalismus essenziell.

"Der Journalismus ist das Herzstück von Demokratie, Frieden und nachhaltiger Entwicklung."

Sylvie Coudray

Direktorin der Abteilung für Meinungsfreiheit, Medienentwicklung und Medienbildung bei der UNESCO

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