Rede,

Zehn Jahre kulturweit

Prof. Dr. Maria Böhmer

Prof. Dr. Maria Böhmer
Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission

Rede anlässlich des Festaktes "Zehn Jahre Freiwilligendienst kulturweit", Berlin

Sehr geehrte Frau Staatsministerin Müntefering,

liebe Freiwillige und Alumni,

sehr geehrte Damen und Herren,

„Ich fühle mich in Hamburg sehr verwurzelt. Und Ich weiß nicht, ob ich nach München gegangen wäre, wäre ich nicht mit kulturweit in China gewesen.“

Das – Sie werden es ahnen – haben nicht ich gesagt, sondern Janna Basner, ihres Zeichens kulturweit-Alumna und überzeugte Hanseatin.

Auf ihre Zeilen bin ich gestoßen, als ich mich auf den heutigen Abend vorbereitet habe – und sie haben mich nicht mehr losgelassen. Denn Janna trifft den Nagel auf den Kopf. Was sie hier in wenigen Worten beschreibt, fasst im Grunde all das zusammen, was wir mit kulturweit erreichen wollen und woran wir bei der Deutschen UNESCO-Kommission fest glauben:

Dass der Blick über den Tellerrand hilft, die Scheuklappen abzulegen.

Aber das ist, wie so oft, leichter gesagt als getan. Wollen wir über den Tellerrand zu schauen, brauchen wir vor allem zwei Dinge:

Eine Prise Mut, um die Sicherheit des Tellers hinter uns zu lassen. Und eine gehörige Portion Offenheit für das, was hinter seinem Rand auf uns wartet.

Das sind, wenn Sie so wollen, die Grundzutaten von kulturweit. Am Erfolgsrezept unseres Freiwilligendienstes arbeiten wir seit mittlerweile zehn Jahren – und das nicht allein.

Den Erfolg von kulturweit verdanken seitdem wir vielen Menschen: im Auswärtigen Amt, bei unseren Partnern, in den Einsatzstellen. Und natürlich machen unsere Freiwilligen und Alumni kulturweit stark. Umso mehr freue ich mich, Sie heute Abend hier so zahlreich begrüßen zu dürfen! Werfen wir einen Blick zurück und lassen Sie uns gemeinsam nach vorn schauen!

Seit 2009 Jahren lernen junge Menschen mit kulturweit in aller Welt fürs Leben. Als wir unseren Freiwilligendienst gemeinsam mit dem Auswärtigen Amt aus der Taufe gehoben haben, wollten wir dem internationalen Dialog dort eine neue Dimension geben, wo er seit langem erfolgreich geführt wird: in Kultureinrichtungen, an Schulen und Hochschulen, in UNESCO-Nationalkommissionen weltweit.

Mit kulturweit fördern wir eine Kultur der gegenseitigen Verständigung. Damit sie in Gang kommt, dürfen nicht nur Staaten, sondern müssen vor allem Menschen miteinander sprechen. Das ist die Überzeugung, der Auswärtigen Kulturpolitik und das ist die Überzeugung UNESCO, also der beiden Säulen, auf denen unser Freiwilligendienst ruht.

kulturweit, das ist für unsere Freiwilligen nicht einfach eine Reise in ferne Länder. Es ist eine Chance, die Welt neu zu entdecken und besser zu verstehen.

Mit kulturweit bekommen junge Menschen die einmalige Gelegenheit zu erleben, wie Bildung und Kultur in anderen Teilen der Welt gestaltet werden. Sie können Länder von einer Seite kennenlernen, die den meisten Menschen verborgen bleibt. Und das prägt.

Die Zeit im Ausland verändert unsere Freiwilligen. Manche wissen nach einem halben oder ganzen Jahr kulturweit besser, wohin die Reise für sie in Zukunft gehen soll. Für viele ist das Leben weit weg von zu Hause Neuland und der Freiwilligendienst ein Sprung ins kalte Wasser. Für alle ist kulturweit eine Herausforderung, an der sie wachsen können.

Aber auch an kulturweit sind die vergangenen zehn Jahre, die Menschen und Ideen, die unseren Freiwilligendienst in dieser Zeit begleitet haben, nicht spurlos vorbeigegangen. Auch kulturweit hat sich verändert, durften sich neuen Aufgaben stellen und ist dadurch gewachsen.

Lassen Sie mich nur auf die letzten Monate zurückblicken: Dank der Unterstützung des Auswärtigen Amts – und ihres großen persönlichen Engagements, liebe Staatsministerin Müntefering – konnten kulturweit seine Zusammenarbeit mit dem weltumspannenden Netzwerk der UNESCO weiter vertiefen: Seit diesem Jahr können unsere Freiwilligen die Arbeit von UNESCO-Biosphärenreservaten, von Geoparks und Weltnaturerbestätten kennenlernen.

Das ist ein starkes Signal! Es zeigt, dass wir Kultur und Natur, Umwelt und Bildung in Zukunft noch enger zusammendenken werden. Das müssen wir auch, wollen wir dem Klimawandel, der vielleicht größten Herausforderung unserer Zeit, in allen Bereichen unseres Lebens begegnen.

Mit kulturweit, schauen wir also nach vorn. Das heißt mit Mut und Offenheit über den Tellerrand. Und kulturweit, liebe Gäste, kann noch mehr:

Von unseren Partnern und ganz besonders unseren Einsatzstellen wissen wir, dass Sie gern noch mehr helfende Hände hätten. Und wir wissen, dass viele Bewerberinnen und Bewerber erst im zweiten oder dritten Anlauf den ersehnten Platz bei kulturweit ergattern. Im Grunde die besten Voraussetzungen für eine Win-Win-Situation. Hier liegt Verständigungs-Potenzial, das wir heben wollen!

Wenn wir über Verständigung sprechen dann wissen wir, dass Zwei dazugehören. Denn Austausch – und dieser Punkt liegt mir ganz besonders am Herzen – ist keine Einbahnstraße. Seit 2015 unterstützt das Auswärtige Amt ein noch kleines, aber feines Projekt bei kulturweit:
Junge Menschen aus anderen Ländern, aus der Ukraine, Belarus und Moldau, aus Ägypten, Jordanien oder Tunesien, können für drei Monate die Arbeit von UNESCO-Projektschulen, von Welterbestätten, Theatern und Museen in Deutschland kennnelernen. Einige von Ihnen sind heute Abend hier. Ich möchte Sie an dieser Stelle ganz herzlich begrüßen – und würde mich freuen, könnte ich das in Zukunft noch viel öfter tun!

Nach zehn Jahren ist kulturweit heute nicht mehr wegzudenken. Weder aus der Landschaft der internationalen Freiwilligendienste, noch aus der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. Lassen Sie uns das heutige Jubiläum zum Anlass nehmen, aus dem Projekt kulturweit ein Programm zu machen, mit dem wir auch in Zukunft rechnen können!

Liebe Gäste, ich habe mir vorgenommen, Sie heute Abend nicht mit Zahlen zu langweilen. Aber wo wir nun schon beim Rechnen sind, erlauben Sie mir zum Abschluss, nur eine herauszugreifen:

Wir haben uns unter unseren Ehemaligen umgehört und wollten wissen, was von kulturweit nach ein, zwei oder auch zehn Jahren bleibt. Für viele sind das Freundschaften, die bis heute halten: nach Adam Riese macht das seit 2009 fast 10.000.

Denjenigen, die das möglich gemacht haben, möchte ich für jede Einzelne danken und hoffe, dass heute Abend noch ein paar dazukommen!

Herzlichen Dank!

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