UNESCO-Welterbe Völklinger Hütte

Europäisches Zeugnis der industriellen Revolution

Zum kulturellen Erbe der Menschheit zählen auch Denkmäler des Industriezeitalters. Es sind Monumente, an denen die technische Entwicklung einer Epoche und die Leistungen, die Menschen alltäglich hierfür erbracht haben, anschaulich werden.

Die Völklinger Hütte, in der Grenzregion zu Frankreich gelegen, ist die weltweit einzige erhaltene Hütte aus der Glanzzeit der Eisen- und Stahlindustrie im 19. und 20. Jahrhundert. Zwischenzeitlich war die Völklinger Hütte Deutschlands größte Produktionsstätte für Eisenträger. Sie dokumentiert die Industriegeschichte des 19. Jahrhunderts und die technischen Errungenschaften dieser Zeit und repräsentiert insbesondere das grenzübergreifende Industriegebiet Saar-Lorraine-Luxemburg im Herzen Europas.

Das einzigartige Denkmal der Roheisenproduktion in Westeuropa ist der letzte erhaltene Hochofenkomplex, der die Roheisenproduktion in einer solchen Authentizität und Vollständigkeit abbildet. Von den im 19. und 20. Jahrhundert in Westeuropa und Nordamerika errichteten Eisenhütten ist sie die einzige, die noch vollständig erhalten ist. Der Komplex umfasst Anlagen für alle Stadien der Roheisenproduktion, von der Handhabung der Rohmaterialien und der Anlagen zur Kohle- und Eisenerzaufbereitung bis zur Eisenproduktion in den Hochöfen. Die Völklinger Hütte ist so ein außergewöhnliches Beispiel des Typus von Roheisenproduktionsstätten, die die Industrie im 19. und frühen 20. Jahrhundert beherrschten (Aufnahmekriterium iv).

"Das Weltkulturerbe Völklinger Hütte ist das erste Großdenkmalensemble aus der Blütezeit der Hochindustrialisierung in der Welt, das Welterbe der UNESCO wurde. Die außerordentliche Eisenhüttenanlage Völklinger Hütte wurde für die Nachwelt im Kernbestand gerettet. Nahezu 80 % der Völklinger Hütte sind saniert und sie gilt unter Kennern der Industriekultur in Europa als das ‚bestinszenierte Industriekulturdenkmal der Welt‘.“

Prof. Dr. Meinrad Grewenig

Viele technische Neuerungen wurden hier entwickelt oder erstmals industriell verwendet und sind bis heute weltweit im Einsatz (Aufnahmekriterium ii). Die Hütte ist ein Synonym und Symbol für menschliche Leistungen während der ersten und zweiten industriellen Revolution. Arbeiter aus dem ganzen Saarland siedelten sich in Völklingen an. Zeitweise haben 20.000 Stahlkocher dort lothringisches und schwedisches Erz mit Hilfe saarländischer Kohle in Eisen umgewandelt. Die Hütte war eine der modernsten Industrieanlagen in Europa. Sie setzte technikgeschichtliche Meilensteine in der Eisenverhüttung. Das Erscheinungsbild des Industriedenkmals entspricht noch heute dem der 1930er Jahre.

Fakten

Industriedenkmäler wie die Völklinger Hütte bringen in Bezug auf den langfristigen Erhalt zwei große Herausforderungen mit sich: die Vermittlung ihres Wertes und ihre (Um)Nutzung nach Ende der industriellen Produktion. Die Notwendigkeit des Erhalts industrieller Anlagen für junge und nachfolgende Generationen erschließt sich oftmals schwerer als im Falle eines besonders schönen Bauwerkes oder Parks. Zur Vermittlung des Wertes und der historischen und aktuellen Bedeutung der Völklinger Hütte verfügt die Welterbestätte über ein UNESCO-Besucherzentrum, integriert in das Gelände des Industriedenkmals. Dies trägt dazu bei, Wissen über die UNESCO, den Welterbegedanken, die Völklinger Hütte und die industrielle Revolution im Herzen Europas zu verbreiten und ein Gefühl der langfristigen gemeinschaftlichen Verantwortung für das kulturelle Erbe zu kreieren. Darüber hinaus wird die ehemalige Roheisenproduktionsanlage als Zentrum für Kunst und Industriekultur genutzt und stellt somit ein Beispiel einer nachhaltigen Umnutzung von Industriestätten dar.

Der in der Geschichte und der zentralen Lage in der Mitte Europas begründete europäische Charakter der Welterbestätte wird heute durch eine Vernetzung mit Industrieerbestätten in ganz Europa weitergeführt. So ist die Völklinger Hütte Teil des Netzwerkes der European Route of Industrial Heritage, welches durch die Europäische Union gefördert wird. Im Rahmen des Netzwerkes ist die Welterbestätte ein Ankerpunkt der regionalen Route Saar-Lor-Lux.

Perspektiven

Einen Gedächtnisort innovativ erhalten

Publikation

Welterbe in Deutschland. Deutschsprachige Sonderausgabe der Zeitschrift 'World Heritage', Nr. 76, des UNESCO-Welterbezentrums.
UNESCO; Deutsche UNESCO-Kommission, 2014

weitere Artikel

Rathaus und Roland in Bremen

Welterbe in Deutschland

Rathaus und Roland in Bremen

Das Rathaus und die Rolandstatue in Bremen gelten seit dem 15. Jahrhundert als außergewöhnlicher Ausdruck bürgerlicher Autonomie und als Symbol für Marktrechte.
weiterlesen